Nextcloud-Hosting: Was Selbsthosting wirklich kostet – und wann Managed besser ist

Nextcloud: Die Königin der selbstbestimmten Cloud – Eine Analyse der Kosten und Hosting-Optionen

Es ist eine der fundamentalen Entscheidungen der modernen IT-Infrastruktur: Vertraue ich meine Daten einem Drittanbieter an, oder behalte ich die Hoheit darüber? Während die großen Hyperscaler mit scheinbar unbegrenzter Skalierbarkeit locken, wächst in vielen Unternehmen – und nicht zuletzt bei öffentlichen Institutionen – das Bedürfnis nach digitaler Souveränität. Hier tritt Nextcloud auf den Plan. Die Open-Source-Software hat sich vom reinen Dropbox-Ersatz zu einer umfassenden Collaboration-Plattform gemausert, die Filesharing, Videokonferenzen, Office-Dokumente und Kalender in einem geschlossenen, kontrollierbaren System vereint. Doch die Verheißung der Unabhängigkeit wirft praktische Fragen auf: Wie hostet man Nextcloud? Und vor allem: Was kostet das tatsächlich? Eine Spurensuche jenseits der Marketing-Broschüren.

Die Antwort, das sei vorweggenommen, ist nicht in einer einzigen Zahl zu fassen. Sie liegt irgendwo im Spannungsfeld zwischen Eigenverantwortung und Outsourcing, zwischen einmaligen Investitionen und laufenden Betriebskosten, zwischen dem Charme des Selbermachens und der Pragmatik des Managed Service. Dieser Artikel will keine einfache Lösung verkaufen, sondern eine realistische Einschätzung der finanziellen und operativen Implikationen geben. Denn wer sich für Nextcloud entscheidet, entscheidet sich weniger für ein Produkt als für eine Strategie.

Vom Code zum Service: Was Nextcloud wirklich ist (und was nicht)

Bevor wir in die Kostenmodelle eintauchen, lohnt ein kurzer Blick auf das Objekt der Begierde. Nextcloud ist in erster Linie eine Sammlung von PHP-Skripten, eine Webanwendung. Man lädt sie von nextcloud.com herunter, packt sie auf einen Webserver mit Datenbank (meist MySQL oder PostgreSQL) und einem Speicher-Backend, richtet sie ein – und schon läuft sie. Das ist die puristische, „kostenlose“ Variante. Die Software ist unter der AGPLv3 lizenziert, ihre Nutzung kostet tatsächlich keinen Cent. Diese Freiheit ist der Kern ihres Erfolgs.

Doch diese Beschreibung greift zu kurz. Nextcloud ist ein Ökosystem. Es umfasst Clients für alle Desktop- und Mobil-Betriebssysteme, eine stetig wachsende Zahl von über 200 Apps für erweiterte Funktionen wie End-to-End-Verschlüsselung, Dokumentensignatur oder Projektmanagement, und Integrationsmöglichkeiten in bestehende Infrastrukturen via LDAP/Active Directory, SAML oder Object Storage wie S3. Das ist ihre Stärke, aber auch eine Quelle für Komplexität. Eine produktive Nextcloud-Instanz ist selten ein statisches Setup; sie lebt, wird aktualisiert, skaliert und gesichert. Und hier beginnen die wahren Kosten.

Ein interessanter Aspekt ist die Abgrenzung zum ehemaligen Bruderprojekt ownCloud. Die Fork-Geschichte ist bekannt, doch in der Praxis zeigt sich: Nextcloud hat in den letzten Jahren eine deutlichere Innovationsdynamik an den Tag gelegt, besonders im Bereich der Kollaborationstools wie Talk (Videokonferenz) und Groupware. Für Entscheider ist daher weniger die Historie relevant, sondern die Frage, welches Projekt die nachhaltigere Entwicklung für die eigenen Anforderungen verspricht.

Pfad 1: Das Abenteuer Selbsthosting – Vollkostenrechnung einer Eigeninstallation

Der klassische Weg für Idealisten und kontrollbesessene Admins. Sie besorgen Hardware, installieren ein Betriebssystem, konfigurieren den Stack und verwalten ihn fortan selbst. Die vermeintlich kostengünstigste Variante? Nicht unbedingt, wenn man die Total Cost of Ownership (TCO) betrachtet.

Die Hardware-Frage: Vom Raspberry Pi bis zum Server-Rack

Für eine Testumgebung oder einen sehr kleinen Nutzerkreis (unter 5 Personen) mag ein kräftiger Mini-PC oder ein Intel NUC ausreichen. Kostenpunkt: ab 500 Euro. Doch für ein Unternehmen mit 50 Mitarbeitern, die täglich Dateien synchronisieren, in OnlyOffice kollaborieren und gelegentlich über Talk telefonieren, sieht die Welt anders aus. Hier sind die Leistungsfresser:

  • CPU: Nicht primär für Filesync, aber für die Verschlüsselung (z.B. bei End-to-End), die Videokodierung in Talk und die Verarbeitung von Office-Dokumenten. Ein moderner Xeon oder AMD EPYC mit mehreren Kernen ist ratsam.
  • RAM: PHP-Anwendungen sind speicherhungrig. 16 GB sollten das Minimum sein, 32 oder 64 GB sind für flüssiges Arbeiten mit mehreren gleichzeitigen Nutzern empfehlenswert.
  • Storage: Der größte Kosten- und Performance-Faktor. Hier scheiden sich die Geister. Einfache RAID-10-Arrays aus SATA-SSDs bieten guten Kompromiss aus Geschwindigkeit und Redundanz. Für höhere Ansprüche kommen SAS-Platten oder NVMe-SSDs in Frage. Wichtig: Nextcloud profitiert massiv von schnellem Storage. Langsame Festplatten führen zu frustrierend trägen Web-Interfaces. Die Kosten hierfür können leicht von 2.000 bis 10.000 Euro schwanken, abhängig von Kapazität und Technologie.
  • Backup: Ein oft vergessener Posten. Die Hardware für ein dediziertes Backup-System (z.B. ein NAS mit entsprechenden Laufwerken) kommt noch oben drauf.

Geht man von einem robusten, aber nicht übertriebenen Server (inkl. redundanten Netzteilen, ECC-RAM) für etwa 50-100 Nutzer aus, landet man inkl. Storage schnell bei 5.000 bis 8.000 Euro Anschaffungskosten. Das ist kein trivialer Posten mehr.

Die Software- und Betriebskosten: Die unsichtbare Rechnung

Die Hardware steht. Jetzt geht es ans Eingemachte. Das Betriebssystem: Viele setzen auf eine kostenlose Linux-Distribution wie Ubuntu Server oder Debian. Das ist klug. Doch selbst hier können Kosten entstehen, wenn man kommerziellen Support von Canonical (für Ubuntu) oder Red Hat (für RHEL oder CentOS Stream) in Betracht zieht – durchaus empfehlenswert für produktive Systeme.

Die eigentliche Arbeit beginnt mit der Installation und Feinjustierung. Ein Standard-Setup ist schnell erreicht. Eine performante, sichere und wartungsfreundliche Installation hingegen erfordert Zeit und Expertise:

  • Webserver-Optimierung (Nginx/Apache mit PHP-FPM)
  • Datenbank-Tuning
  • Konfiguration von Caching (Redis/Memcached) – essenziell für die Performance!
  • Einrichtung von SSL/TLS-Zertifikaten (via Let’s Encrypt kostenlos)
  • Konfiguration der Sicherheitsrichtlinien (Brute-Force-Schutz, Härtung der PHP-Umgebung)
  • Setup von Backups (z.B. mit BorgBackup oder restic)
  • Monitoring (z.B. mit Nagios, Icinga oder Prometheus)

Rechnen wir konservativ mit 3-5 Personentagen für einen erfahrenen Administrator für die Initialeinrichtung. Bei einem Stundensatz von 80-120 Euro (übliche Range für externe IT-Dienstleister oder interne Kostenansätze) summiert sich das auf einmalige Kosten von 2.000 bis 4.800 Euro. Und das ist nur der Start.

Der laufende Betrieb: Der stete Tropfen

Nextcloud ist keine Fire-and-Forget-Lösung. Sie verlangt kontinuierliche Pflege:

  • Updates: Sicherheitsupdates für das Betriebssystem, die Datenbank, PHP und Nextcloud selbst müssen regelmäßig eingespielt werden. Nextcloud veröffentlicht monatlich Sicherheitsupdates. Ein wöchentlicher oder zweiwöchentlicher Wartungszyklus ist sinnvoll. Das sind mindestens 2-4 Stunden pro Monat.
  • Monitoring und Problembehebung: Läuft der Sync? Sind die Speicher voll? Gibt es Performance-Einbrüche? Wer überwacht die Logs? Weitere 2-3 Stunden/Monat.
  • Backup-Verifikation: Backups sind nutzlos, wenn sie nicht funktionieren. Regelmäßige Restore-Tests kosten Zeit.
  • User-Support: Die Anwender haben Fragen zu Clients, Freigaben oder Kontingenten. Dieser Aufwand wird oft unterschätzt.

Konservativ geschätzt fallen also mindestens ein halber bis ein ganzer Arbeitstag pro Monat für Wartung und Betrieb an. Hochgerechnet aufs Jahr: 6 bis 12 Personentage. Bei internen Kosten von 500 Euro/Tag sind das 3.000 bis 6.000 Euro jährlich nur für den Betrieb. Extern könnte es teurer werden.

Dazu kommen die Stromkosten für den Server (und Kühlung), die jährlich mehrere hundert Euro ausmachen können, sowie Kosten für eventuelle Ersatzteile oder Hardware-Upgrades.

Fazit Selbsthosting: Die vermeintlich „kostenlose“ Option hat einen substanziellen Preis. Für eine 50-Nutzer-Instanz über drei Jahre gerechnet, können leicht 15.000 bis 25.000 Euro zusammenkommen (Hardware anteilig, Personalkosten, Betrieb). Der große Vorteil bleibt die absolute Kontrolle über Daten, Logs und das gesamte Systemdesign. Der Preis ist die hohe operative Last und die benötigte interne Expertise.

Pfad 2: Gehostetes Nextcloud – Der Managed-Service als Kompromiss

Hier betreten wir den Markt der Nextcloud Provider. Diese Firmen übernehmen die komplette Bereitstellung und Verwaltung der Nextcloud-Instanz. Der Kunde bekommt Zugangsdaten und ein Admin-Panel, muss sich aber nicht um Server, Updates oder Backups kümmern. Ein klassisches Software-as-a-Service-Modell (SaaS), nur mit Nextcloud als Software.

Das Angebotsspektrum der Hosting-Anbieter

Der Markt ist heterogen. Es gibt kleine, spezialisierte Anbieter, die Nextcloud als Herzensprojekt betreiben, und größere Hosting-Companyes, die Nextcloud als ein Produkt unter vielen im Portfolio führen. Die Unterschiede zeigen sich in Details:

  • Nextcloud-Version: Manche bieten nur die stabile Standardversion, andere ermöglichen frühen Zugang zu neuen Releases oder betreiben sogar maßgeschneiderte Branches.
  • Apps und Features: Ist Talk inklusive? Ist OnlyOffice oder Collabora Online für die Office-Bearbeitung vorinstalliert? Sind bestimmte Apps (wie End-to-End-Verschlüsselung) deaktiviert, weil sie im Multi-Tenant-Betrieb Probleme bereiten?
  • Speicher-Backend: Billige Anbieter nutzen einfache NAS-Systeme. Professionelle setzen auf hochverfügbare, redundante Storage-Lösungen, oft mit SSD-Caching.
  • Rechenzentrum und Compliance: Sitzen die Server in Deutschland/EU? Werden bestimmte Zertifizierungen (ISO 27001, BSI C5) erfüllt? Das ist für Behörden und Unternehmen mit strengen Compliance-Vorgaben entscheidend.
  • Support: Gibt es nur Ticket-Support oder auch telefonische Erreichbarkeit? Wie schnell werden kritische Probleme angegangen?

Die Kostenstruktur bei Managed Hosting

Die Preismodelle sind meist nutzer- und speicherbasiert. Typische Beispiele (Stand in etwa 2024, gerundet):

  • Einstieg: 5-10 Nutzer, 100-500 GB Speicher: 10-25 Euro/Monat.
  • Small Business: 25 Nutzer, 1 TB: 60-100 Euro/Monat.
  • Unternehmen: 100 Nutzer, 5 TB: 200-400 Euro/Monat.
  • Großkunden/Individual: Hier gibt es individuelle Angebote, die auch dedizierte Ressourcen, spezielle Compliance-Anforderungen oder Integrationen beinhalten. Preise nach Verhandlung.

Oft sind die Grundfunktionen (File Sync & Share, Kalender, Kontakte) inklusive. Für Zusatzfeatures wie Talk (Videokonferenzen) oder integrierte Office-Suite (Collabora/OnlyOffice) wird häufig ein Aufpreis verlangt, entweder pro Nutzer oder pauschal.

Die reinen Zahlen wirken auf den ersten Blick attraktiv. Für 100 Nutzer und 5 TB zahlt man im Beispiel oben zwischen 2.400 und 4.800 Euro pro Jahr. Verglichen mit den geschätzten Betriebskosten des Selbsthostings erscheint das konkurrenzfähig, ja oft günstiger. Man kauft sich Planungssicherheit und reduziert den internen Administrationsaufwand auf das Nutzer-Management.

Die Kehrseite der Bequemlichkeit

Doch der Komfort hat seinen Preis jenseits der Euro-Beträge:

  • Kontrolleverlust: Man hat keinen Root-Zugriff auf den Server. Bestimmte systemnahe Optimierungen oder die Installation spezieller PHP-Module sind nicht möglich. Sie sind auf das Feature-Set des Anbieters beschränkt.
  • Abhängigkeit: Sie binden sich an einen Dienstleister. Ein Wechsel ist zwar möglich (Datenexport über WebDAV oder der native Nextcloud-Export), aber aufwändig.
  • Shared Resources: Bei nicht-dedizierten Tarifen teilen Sie sich die Serverressourcen mit anderen Kunden. In der Praxis ist das selten ein Problem, kann aber bei sehr performance-sensitiven Anwendungen eine Rolle spielen.
  • Feature-Lag: Anbieter testen neue Nextcloud-Versionen meist intensiv, bevor sie sie ausrollen. Das bedeutet Sicherheit, aber auch, dass Sie nicht sofort auf das allerneueste Release updaten können.

Fazit Managed Hosting: Die finanziell häufig sinnvollste Option für kleine und mittlere Unternehmen ohne tiefgehende Server-Admin-Kapazitäten. Die monatlichen Kosten sind transparent, der Betriebsaufwand intern minimal. Die TCO über drei Jahre ist oft niedriger als beim Selbsthosting, wenn man die Personalkosten ehrlich gegenrechnet. Der Kompromiss liegt in der reduzierten Kontrolle und Flexibilität.

Pfad 3: Die Hybrid- und Nischenlösungen

Die Welt ist nicht schwarz-weiß. Es gibt zahlreiche Mischformen und spezielle Ansätze, die eigene Kosten-Nutzen-Profile haben.

Nextcloud als virtuelle Maschine (VM) vom IaaS-Provider

Ein Mittelweg: Man mietet eine virtuelle Maschine bei einem Cloud-Provider wie Hetzner Cloud, AWS, Google Cloud oder Azure und installiert Nextcloud selbst darauf. Das spart die Hardware-Investition. Man hat vollen Root-Zugriff und Kontrolle über die Software. Die laufenden Kosten sind die VM-Miete (abhängig von CPU, RAM und Storage) plus der eigene Administrationsaufwand (Betriebssystem, Updates, Nextcloud-Wartung).

Beispiel: Eine VM mit 4 vCPUs, 8 GB RAM und 500 GB SSD-Speicher kostet bei einem deutschen Anbieter etwa 30-50 Euro/Monat. Für 5 TB müsste man zusätzlichen Block-Sorage hinzubuchen, was die Kosten deutlich erhöhen kann. Der Admin-Aufwand bleibt in vollem Umfang erhalten. Diese Variante ist attraktiv für Admins, die Infrastruktur-Elastizität (skalierbare Ressourcen) benötigen, aber nicht in Hardware investieren wollen. Die Gesamtkosten liegen zwischen Selbsthosting und Managed Service, die Kontrolle ist hoch.

Nextcloud Box und vorkonfigurierte Appliances

In der Vergangenheit gab es Initiativen wie die „Nextcloud Box“ (eine Kooperation mit Western Digital und Canonical), eine vorkonfigurierte Hardware für den Heimbedarf. Dieses Konzept hat sich im Unternehmensumfeld nicht flächendeckend durchgesetzt. Der Grund liegt auf der Hand: Die Hardware ist geliefert, aber die Wartung des Betriebssystems und der Applikation obliegt weiterhin dem Nutzer. Es löst also nur einen Teil des Problems (die Initialinstallation) und ist für Unternehmen kaum relevant.

Nextcloud Enterprise Subscription – Support vom Source

Die Nextcloud GmbH, das kommerzielle Unternehmen hinter dem Open-Source-Projekt, verkauft keine gehosteten Lösungen direkt an Endkunden (mit wenigen Ausnahmen). Stattdessen bietet sie Enterprise Subscriptions an. Diese beinhalten:

  • Zugang zum Enterprise-Build (mit zusätzlichen Stabilitäts- und Sicherheits-Features, früheren Sicherheitsupdates).
  • Direkten Support von den Nextcloud-Entwicklern.
  • Zugang zu speziellen Enterprise-Apps (z.B. für erweiterte Compliance-Funktionen).

Diese Subscription ist zusätzlich zu den Hosting-Kosten zu sehen. Sie ist gedacht für Unternehmen, die entweder selbst hosten oder bei einem Partner hosten und dabei professionellen Support vom Hersteller wünschen. Die Kosten hierfür sind nicht öffentlich, bewegen sich aber im Bereich von mehreren tausend Euro pro Jahr, abhängig von der Nutzerzahl. Für kritische Unternehmenseinsätze kann diese Versicherungspolice jedoch sinnvoll sein.

Die versteckten Kostentreiber – woran viele nicht denken

Egal welchen Hosting-Pfad man wählt, bestimmte Kostenfaktoren werden systematisch unterschätzt.

Bandbreite und Traffic

Eine intensiv genutzte Nextcloud-Instanz kann enorme Datenmengen bewegen. Ständiges Synchronisieren großer Dateien, Videostreaming aus Talk-Aufzeichnungen oder der Download von Dokumenten durch externe Partner verursachen Traffic. Beim Selbsthosting bedeutet das: Die Internet-Anbindung des Rechenzentrums oder Serverraums muss dimensioniert (und bezahlt) werden. Beim Managed Hosting prüfen: Gibt es Traffic-Limits? Was kostet ein Overage? Bei Hybridlösungen in der Public Cloud sind ausgehender Traffic ein bekannter Kostenfaktor, der schnell aus dem Ruder laufen kann.

Migration und Onboarding

Die Kosten für die Nextcloud-Instanz selbst sind das eine. Die Migration bestehender Daten von alten Fileservern, Dropbox, Google Drive oder OneDrive ist ein eigenes, oft teures Projekt. Tools wie die „Migration“-App helfen, aber der Prozess muss geplant, getestet und durchgeführt werden. Das kostet Zeit und Geld. Ebenso das Onboarding der Nutzer: Schulungen, Anleitungen, Support bei der Client-Einrichtung – alles Posten, die in keiner Hosting-Rechnung stehen, aber real anfallen.

Sicherheit und Compliance beyond the Standard

Nextcloud bietet solide Sicherheitsfeatures. Doch spezielle Anforderungen treiben die Kosten: Die Einrichtung einer strikten Zwei-Faktor-Authentifizierung für alle Nutzer, die Integration in eine bestehende SIEM-Lösung (Security Information and Event Management) zur Log-Aggregation, regelmäßige externe Penetrationstests oder die Konfiguration einer DLP-ähnlichen (Data Loss Prevention) Kontrolle über Dateifreigaben – all das ist mit zusätzlichem Konfigurations- und Verwaltungsaufwand verbunden, egal bei welchem Hosting-Modell.

Eine pragmatische Entscheidungshilfe

Nach dieser ausführlichen Kostenbetrachtung: Wie trifft man eine rationale Entscheidung? Hier ein einfacher, nicht vollständiger Leitfaden:

Wählen Sie Selbsthosting, wenn…
… Sie über ein dediziertes, kompetentes Admin-Team verfügen.
… Die absolute Datenkontrolle und -isolierung oberste Priorität hat (z.B. bei geheimen Forschungsdaten).
… Sie starke, individuelle Anpassungen an der Infrastruktur benötigen (Integration in spezielles Storage, besondere Backup-Lösungen).
… Sie bereits eine virtualisierte oder containerisierte Infrastruktur (z.B. Kubernetes) betreiben, in die Nextcloud integriert werden soll.
… Die langfristige Gesamtbetrachtung (TCO über 5+ Jahre) unter Berücksichtigung Ihrer internen Personalkosten günstiger ausfällt.

Wählen Sie Managed Hosting, wenn…
… Sie Nextcloud als Dienst beziehen wollen, ohne sich um die Infrastruktur kümmern zu müssen.
… Sie keine umfangreichen internen Server-Admin-Kapazitäten haben oder diese für andere Projekte benötigen.
… Sie planbare, monatliche Betriebskosten bevorzugen (OPEX vs. CAPEX).
… Sie schnell starten müssen und eine robuste, standardisierte Lösung ausreicht.
… Compliance-Anforderungen (BSI, DSGVO) wichtig sind und Sie einen zertifizierten Partner bevorzugen.

Wählen Sie einen Hybridansatz (VM bei IaaS), wenn…
… Sie die Infrastrukturkontrolle behalten, aber nicht in Hardware investieren wollen.
… Sie die Skalierbarkeit der Public Cloud (kurzfristig mehr RAM/CPU dazu buchen) benötigen.
… Sie über Cloud-Admin-Kenntnisse, aber weniger physische Server-Expertise verfügen.

Schlussbetrachtung: Nextcloud ist keine Kostenfrage, sondern eine Strategiefrage

Die Diskussion um „Nextcloud hosting kosten“ führt oft in die Irre. Sie suggeriert, es gäbe eine billige und eine teure Lösung. Wie wir gesehen haben, ist die Wahrheit vielschichtiger. Die Kosten sind über die gesamte Lebensdauer der Installation betrachtet und über alle Modelle hinweg in einer ähnlichen Größenordnung – sie fallen nur an verschiedenen Stellen an: als Kapitalausgabe für Hardware, als laufende Personalkosten für Admins oder als monatliche Miete an einen Dienstleister.

Die eigentliche Entscheidung ist daher strategischer Natur. Geht es primär um Kostenoptimierung oder um maximale Kontrolle? Will man IT-Kapazitäten aufbauen oder sich auf sein Kerngeschäft konzentrieren? Ist Nextcloud ein experimentelles Projekt oder das zentrale File-Sharing- und Kollaborations-Backbone?

Nextcloud hat den Markt für selbstbestimmte Collaboration nachhaltig verändert. Sie bietet eine echte, enterprise-taugliche Alternative zu den US-dominierten Cloud-Giganten. Dass diese Freiheit ihren Preis hat, sollte niemanden überraschen. Doch dieser Preis ist kalkulierbar und – im Vergleich zu den langfristigen Risiken und Abhängigkeiten bei reinen SaaS-Angeboten – für viele Organisationen eine lohnende Investition in die eigene digitale Souveränität. Am Ende ist die Wahl des Hosting-Modells dann nur noch die konsequente Umsetzung dieser strategischen Grundsatzentscheidung.