Nextcloud: Die Speicherfrage – Kosten, Konfiguration und das große Aber der Selbstverwaltung
Es ist fast schon ein Ritual. In jeder zweiten Diskussion über digitale Souveränität oder die Abkehr von US-Cloud-Giganten fällt früher oder später der Name Nextcloud. Die Software gilt als das Schweizer Taschenmesser für die eigene Collaboration-Infrastruktur: Dateisynchronisation, Kalender, Kontakte, Videokonferenzen, sogar Online-Editoren – alles aus einer Hand und unter der eigenen Kontrolle. Die Idee ist verlockend. Doch der Teufel, das weiß jeder Administrator, steckt im Detail. Und eines der zentralsten Details ist die schlichte, aber vielschichtige Frage nach Speicherplatz und den damit verbundenen Kosten.
Denn Nextcloud ist im Kern nur Software. Sie läuft auf Ihrem eigenen Server, in Ihrem Rechenzentrum, bei einem Hoster Ihrer Wahl oder in einer Public Cloud. Diese Flexibilität ist Fluch und Segen zugleich. Sie befreit von den starren, oft undurchsichtigen Abomodellen kommerzieller Anbieter, verlagert aber die gesamte Verantwortung für Dimensionierung, Leistung und vor allem Kostenkontrolle auf Sie selbst. Eine pauschale Aussage wie „5 Euro pro Monat für 1 TB“ gibt es hier nicht. Stattdessen wird die Preisgestaltung zu einer Mischung aus Infrastruktur-OPEX, Personalkosten und strategischen Entscheidungen über Skalierbarkeit und Redundanz.
Wer also nach „Nextcloud Speicherplatz Preise“ sucht, stößt schnell auf eine unbefriedigende Wahrheit: Es gibt keine einfache Preisliste. Es gibt nur ein variables Geflecht aus Faktoren, die wir im Folgenden entwirren wollen. Dabei zeigt sich: Die reine Infrastrukturkosten pro Gigabyte sind oft nur die Spitze des Eisbergs.
Das Fundament: Wo läuft Ihre Nextcloud überhaupt?
Bevor man über Speicher und Kosten redet, muss man den Ort der Installation bestimmen. Die Wahl der Plattform ist der größte Kostentreiber überhaupt. Grob lassen sich drei Wege unterscheiden, die sich fundamental in ihrer Preislogik unterscheiden.
1. Der klassische Self-Hosted-Ansatz: Eigenes Hardware- und Rechenzentrum
Hier kaufen oder leasen Sie physische Server, stellen sie in einem Serverraum oder Rechenzentrum auf, verwalten Betriebssystem, Updates, Backups und Sicherheit selbst. Die Kosten sind vor allem kapitalintensiv (CAPEX) oder mietenintensiv. Der Speicherplatzpreis wird hier zur Rechenaufgabe: Anschaffungskosten für Server und Festplatten (oft in einem RAID-Verbund für Redundanz), Stromkosten, Kühlung, Miete für das Rack, Kosten für die Internetanbindung (Upload-Bandbreite ist kritisch!) und nicht zuletzt der beträchtliche Zeitaufwand für Wartung und Überwachung.
Ein Beispiel: Ein mittelgroßer Server mit 32 GB RAM, einer performanten CPU und 20 TB nutzbarem Speicherplatz (nach RAID-Redundanz) kann leicht 5.000 Euro Anschaffung oder 150-300 Euro monatliche Miete kosten. Rechnet man die Personalkosten für Setup und laufenden Betrieb hinzu, liegt der reine Speicherplatzpreis pro Gigabyte zwar rein rechnerisch oft unter einem Cent, ist aber eine Milchmädchenrechnung. Die wahren Kosten verstecken sich in der Grundlast der IT-Abteilung. Diese Variante lohnt sich fast ausschließlich für Unternehmen, die ohnehin über eine entsprechende Infrastruktur und Expertise verfügen oder aus regulatorischen Gründen physische Kontrolle benötigen.
2. Infrastructure as a Service (IaaS): Nextcloud in der Public Cloud
Der vermeintlich moderne Weg: Sie mieten einen virtuellen Server (VPS) oder eine komplette Kubernetes-Umgebung bei Anbietern wie Hetzner Cloud, AWS EC2, Google Compute Engine oder Microsoft Azure. Hier zahlen Sie nutzungsabhängig für Rechenleistung (vCPUs), Arbeitsspeicher (RAM) und – besonders relevant – für die bereitgestellte Block-Speichermenge.
Hier bekommt die Frage nach den Speicherplatzpreisen erstmals konkrete Zahlen. Ein Blick auf den Markt zeigt ein breites Feld. Ein einfacher VPS mit 2 vCPUs, 4 GB RAM und 80 GB SSD-Speicher ist bereits für 5-10 Euro im Monat zu haben. Für reine Dateiablage mag das genügen. Will man aber die Collaboration-Features wie Talk (Videokonferenzen) oder Collabora Online (Office-Suite) performant nutzen, braucht es mehr Ressourcen. Ein interessanter Aspekt ist der getrennte Preis für Compute und Storage. Oft kann man größere Speichermengen als zusätzliche Volumes zu einem Server hinzubuchen. Die Preise hierfür liegen typischerweise zwischen 0,08 und 0,20 Euro pro GB und Monat für SSD-basierten Speicher. Bei 1 TB wären das 80 bis 200 Euro monatlich – nur für den Speicherplatz, ohne den Rechner, der darauf zugreift.
Die Cloud bietet Skalierbarkeit: Bei Bedarf kann man mit ein paar Klicks mehr Speicher zubuchen. Doch Vorsicht: Die Kosten skalieren linear mit und sind oft schwer vorhersehbar. Ein unerwarteter Anstieg der Dateizugriffe kann auch die Kosten für ausgehenden Datenverkehr (Traffic) in die Höhe treiben, ein oft unterschätzter Posten.
3. Managed Nextcloud-Hosting: Die bequeme Alternative
Für diejenigen, die weder Hardware noch Betriebssysteme patchen wollen, gibt es einen ganzen Ökosystem von Hostern, die Nextcloud als fertigen, verwalteten Dienst anbieten. Hier zahlen Sie eine monatliche Pauschale, die in der Regel Speicherplatz, Rechenleistung, Backups, Updates und Support bündelt. Das ist der Bereich, in dem man dem Wunsch nach einer einfachen Preisliste am nächsten kommt.
Anbieter wie Hetzner (Storage Share), Ionos, oder auch spezialisierte Nextcloud-Partner wie regio-IT bieten Tarife an, die oft an klassische Webhosting-Pakete erinnern: 50 GB für 2 Euro/Monat, 500 GB für 7 Euro, 5 TB für 25 Euro – solche Modelle sind durchaus verbreitet. Die Preise pro Gigabyte sinken also mit wachsendem Volumen. Bei diesen Angeboten ist die Nextcloud-Instanz vorkonfiguriert, automatische Updates sind inkludiert, und der Support kümmert sich um Serverprobleme. Sie geben jedoch einen Teil der Kontrolle ab und sind in Bezug auf die Installation eigener Apps oder spezieller Konfigurationen oft eingeschränkter. Für Standard-Anwendungsfälle – Team-File-Sharing, Synchronisation von PCs und Mobilgeräten, Nutzung der Kern-Apps – ist dies jedoch für viele kleine bis mittlere Unternehmen die kostengünstigste und zeitsparendste Variante, wenn man die Personalkosten internalisiert.
Speicherplatz ist nicht gleich Speicherplatz: Die Architektur hinter den Gigabytes
Ein häufiges Missverständnis ist die Annahme, dass 1 TB gebuchter Speicher auch 1 TB nutzbare Dateikapazität bedeutet. In der Praxis muss man mehrere Ebenen der „Speicherhierarchie“ verstehen, die alle Einfluss auf Leistung und letztlich Kosten haben.
Primärspeicher (Local/Block Storage): Das ist der direkte, schnelle Festplattenspeicher, auf dem die Nextcloud-Instanz und die Datenbank laufen. Hier werden auch die hochgeladenen Dateien zunächst abgelegt. Die Performance dieser Platten (ob langsame HDDs oder schnelle NVMe-SSDs) bestimmt maßgeblich, wie flott die Web-Oberfläche reagiert und wie schnell Datei-Uploads und -Downloads sind. SSD-Speicher kostet in der Cloud oder beim Hoster deutlich mehr als HDD-Speicher, ist für eine akzeptable User Experience aber fast Pflicht.
Objekt- oder Externer Speicher (S3, Swift, FTP): Eine der mächtigsten Features von Nextcloud ist die Fähigkeit, sogenannten „externen Speicher“ einzubinden. Dabei kann Nextcloud seinen Primärspeicher durch billigere, skalierbare Objektspeicher-Dienste erweitern. Man kann zum Beispiel einen AWS S3 Bucket, einen kompatiblen S3-Dienst von Wasabi oder Backblaze B2, oder auch ein anderes FTP-Laufwerk anbinden. Dateien können dann automatisch auf diesen Sekundärspeicher ausgelagert werden.
Die Kostenvorteile sind erheblich. Objektspeicher wie Backblaze B2 oder Wasabi kosten oft nur 0,005 bis 0,006 Euro pro GB und Monat. Das ist nur ein Bruchteil der Kosten für SSD-Block-Speicher in der Cloud. Allerdings ist der Zugriff auf diese Dateien leicht verzögert, da sie erst „zurückgeholt“ werden müssen. Für selten genutzte Archive oder Backups ist das ideal. Durch geschickte Konfiguration kann man so eine Art automatische Tiering-Strategie umsetzen: Neue, aktive Dateien liegen auf teurem, schnellem SSD-Speicher, während alte, inaktive Dateien nach bestimmten Regeln auf den günstigen Objektspeicher verschoben werden. Diese Architektur kann die Gesamtkosten für Speicherplatz massiv senken, erfordert aber wiederum Planungsaufwand.
Die Datenbank: Der heimliche Performance-Fresser. Nicht der Dateispeicher allein entscheidet über die Geschwindigkeit. Nextcloud legt gewaltige Mengen an Metadaten in einer SQL-Datenbank ab (üblicherweise MySQL/MariaDB oder PostgreSQL). Jede Datei, jede Version, jede Freigabe, jeder Aktivitätslog-Eintrag landet dort. Bei großen Instanzen mit Millionen von Dateien kann diese Datenbank enorm wachsen und hohe Anforderungen an I/O und RAM stellen. Eine schlecht performende Datenbank macht die gesamte Nextcloud lahm – unabhängig davon, wie schneller der darunterliegende Dateispeicher ist. Die Kosten für eine hochverfügbare, schnelle Datenbankinstanz in der Cloud können die reinen Speicherkosten leicht übersteigen.
Die versteckten Kosten: Was neben dem reinen GB-Preis noch ins Geld geht
Fokussiert man sich nur auf den Preis pro Gigabyte, übersieht man leicht die Zusatzkosten, die eine produktive Nextcloud-Instanz verursacht. Diese Posten können das Budget schnell sprengen, wenn man sie nicht von Anfang an einkalkuliert.
Backup und Redundanz: Die Versicherung, die man braucht
Ihre Daten sind nur so sicher wie das letzte Backup. Nextcloud selbst ist keine Backup-Lösung. Die Daten müssen also regelmäßig und redundant gesichert werden. Bei 10 TB Daten bedeutet das 10 TB Backup-Speicherplatz, bestenfalls an einem physisch anderen Ort. Objektstorage-Dienste eignen sich auch hierfür oft gut, verdoppeln oder verdreifachen aber im Prinzip die reinen Speicherkosten. Managed-Hoster bieten Backups oft im Paket an, bei Selbsthosting-Lösungen muss man sie selbst einrichten und bezahlen.
Bandbreite und Traffic: Die Straßenmaut für Daten
Besonders bei Public-Cloud-Lösungen ist der ausgehende Datenverkehr (Egress Traffic) ein signifikanter Kostenpunkt. Jedes Herunterladen einer Datei durch einen User, jeder Sync-Vorgang eines Clients verursacht Kosten. Bei Anbietern wie AWS oder Azure können diese Gebieten bei 0,08 bis 0,12 Euro pro GB liegen. Bei einer aktiven Nutzerschaft, die regelmäßig große Dateien austauscht, summiert sich das schnell. Einige europäische Hoster wie Hetzner oder IONOS bieten oft Traffic-Flatrates oder sehr hohe Inklusivkontingente an, was sie für Nextcloud-Instanzen mit viel Außenverkehr attraktiv macht.
Personalkosten: Der Faktor Zeit
Die vielleicht größte variable Größe. Die Initialeinrichtung einer stabilen, sicheren Nextcloud mit SSL, korrekten Berechtigungen und integriertem externen Speicher kann Tage in Anspruch nehmen. Laufend fallen Updates an (Nextcloud, PHP, Datenbank, Betriebssystem), Sicherheitsmonitoring, Performance-Optimierung und User-Support. Rechnet man die Stunden einer Systemadministratorin oder eines DevOps Engineers auch nur mit internen Verrechnungssätzen gegenzu, übersteigen diese „weichen“ Kosten die reinen Infrastrukturausgaben meist um ein Vielfaches. Ein Managed-Dienst bündelt diese Kosten in einer vorhersehbaren Monatspauschale.
Skalierung: Die Kosten der Zukunft
Was passiert, wenn Ihr Team wächst oder plötzlich viel mehr Daten anfallen? Bei eigenen Serbern muss man frühzeitig und überdimensioniert kaufen. In der Cloud kann man skalieren, aber die Kosten skalieren mit. Bei Managed-Hostern stößt man eventuell an Tarifgrenzen und muss in einen teureren Plan wechseln. Die Architektur muss von Anfang an auf Erweiterbarkeit ausgelegt sein, was wiederum initial höhere Investitionen bedeuten kann, etwa in eine leistungsfähigere Datenbank oder eine verteilte Speicherarchitektur.
Preisvergleich: Einige konkrete Szenarien
Um die abstrakten Überlegungen zu konkretisieren, lohnt ein Blick auf fiktive, aber realistische Use Cases. Die folgenden Beispiele sind grobe Schätzungen und dienen der Illustration der grundsätzlichen Kostenlogik.
Szenario 1: Kleinunternehmen, 10 Nutzer, 500 GB Daten
- Managed Hosting: Tarif bei einem europäischen Anbieter. 500 GB inklusive, mit Backups und Support. Kosten: ca. 7-12 €/Monat. Gesamtkosten pro Jahr: ~120 €. Einfach, vorhersehbar, kaum Admin-Aufwand.
- Public Cloud (VPS): Mittelklasse-VPS mit 4 GB RAM, 2 vCPUs und 500 GB SSD-Speicher. Kosten: ca. 15-25 €/Monat. Hinzu kommen eventuell Traffic-Kosten (oft inklusive) und der Zeitaufwand für Setup und Wartung. Ohne Personalkosten: ~240 €/Jahr.
- Fazit: Für diesen kleinen Maßstab ist Managed Hosting fast immer wirtschaftlicher und stressfreier.
Szenario 2: Mittleres Unternehmen, 100 Nutzer, 5 TB Daten, hohe Aktivität
- Managed Hosting: Hier braucht es oft einen Business- oder Enterprise-Tarif. 5 TB können bei 50-100 €/Monat liegen. Wichtig ist, auf inkludierte Performance (RAM, CPU) und Nutzerzahlen zu achten.
- Public Cloud (mehrere VMs): Eine separate VM für Nextcloud (z.B. 8 GB RAM, 4 vCPUs) und eine für die Datenbank. Speicher: 5 TB SSD als Block-Storage. Kosten: VM: ~40 €/Monat, DB-VM: ~50 €/Monat, Speicher: 5 TB * 0,10 €/GB/Monat = 500 €/Monat. Summe: ~590 €/Monat plus Traffic. Dazu kommt erheblicher Konfigurationsaufwand.
- Hybrid-Ansatz (kostenoptimiert): Eine leistungsstarke VM für Nextcloud und DB (~80 €/Monat). Nur 500 GB schneller SSD für aktive Dateien (50 €/Monat). Die restlichen 4,5 TB lagern auf günstigem S3-kompatiblem Objektspeicher (z.B. Wasabi: 4,5 TB * 0,006 € = ~27 €/Monat). Summe: ~157 €/Monat. Deutlich günstiger, aber mit komplexerer Architektur und leichten Latenzen für alte Dateien.
- Fazit: Ab dieser Größe lohnt sich eine individuelle Architektur. Der reine Block-Storage-Ansatz in der Cloud ist extrem teuer. Managed Hosting kann noch konkurrenzfähig sein, wenn die Performance-Anforderungen moderat sind.
Szenario 3: Großes Projekt, 1000+ Nutzer, 50+ TB Daten
Hier ist man im Bereich der individuellen Lösungen. Selbstgehostete Cluster-Architekturen mit verteilten Dateisystemen (z.B. Ceph, GlusterFS) oder High-End-Managed-Enterprise-Angebote von Nextcloud-Partnern sind gefragt. Die Kosten bewegen sich im fünfstelligen Bereich pro Jahr. Die Entscheidung wird weniger vom Preis pro Gigabyte getrieben, sondern von Anforderungen an Compliance, Integration in bestehende Identity-Management-Systeme (LDAP, SAML) und garantierte SLAs. Die Speicherkosten selbst werden durch massive, skalierbare Objektspeicher-Backends minimiert.
Praktische Tipps für die Kostenkontrolle
Unabhängig vom gewählten Modell gibt es ein paar Stellschrauben, an denen man drehen kann, um die Kosten im Griff zu behalten.
Versioning ausschöpfen, aber begrenzen: Nextcloud speichert standardmäßig jede Änderung einer Datei als neue Version. Das ist ein hervorragendes Feature gegen Ransomware oder versehentliches Überschreiben, verbraucht aber exponentiell Speicherplatz. Setzen Sie ein sinnvolles Limits für die Anzahl gespeicherter Versionen und die Aufbewahrungsdauer. Alte Versionen können auf den günstigen Objektspeicher ausgelagert oder automatisch gelöscht werden.
File Retention und Löschrichtlinien etablieren: Datenmüll kostet Geld. Nutzen Sie die File Retention-App, um automatisch Dateien in bestimmten Ordnern nach einer Frist (z.B. 3 Jahre) zur Löschung vorzumerken. Kombinieren Sie das mit einer Kultur des Aufräumens.
Externen Speicher von Anfang an mitdenken: Auch wenn Sie initial nur wenig Daten haben, planen Sie die Architektur mit primärem und sekundärem Speicher vor. Das spart aufwendige Migrationen später. Tools wie occ files:scan und occ files:transfer-ownership können helfen, Daten zwischen Speicherbackends zu verschieben.
Monitoring implementieren: Beobachten Sie nicht nur den Speicherverbrauch, sondern auch die Datenbankgröße und die I/O-Last. Ein plötzlicher Anstieg kann auf ein Problem (z.B. fehlgeleitete Sync-Clients) oder auf legitimes Wachstum hinweisen, auf das man reagieren muss, bevor die Performance einbricht oder die Kosten explodieren.
Traffic-Analyse: Besonders in der Cloud: Verstehen Sie, woher Ihre Traffic-Kosten kommen. Gibt es externe Links zu großen Dateien, die stark genutzt werden? Können diese Downloads optimiert oder durch Upload-Limits geschützt werden?
Zukunftsaussicht: Wohin entwickelt sich die Kostenstruktur?
Die Preise für Speicher hardware fallen kontinuierlich, aber das wird teilweise durch die steigenden Anforderungen an Performance und Verfügbarkeit aufgefressen. Die wahre Kostenevolution liegt in der Softwarearchitektur. Nextcloud entwickelt sich stetig weiter in Richtung Skalierbarkeit.
Ein vielversprechender Trend ist die native Integration von skalierbaren Backends. Die Unterstützung für S3 und andere Objektspeicher wird immer ausgereifter, inklusive der Möglichkeit, diese als primary storage zu nutzen, womit die teure Block-Storage-Schicht eventuell ganz entfallen könnte. Projekte wie Nextcloud Scale, eine speziell für hochverfügbare, clusterfähige Umgebungen optimierte Variante, zielen genau auf diese großen, kostensensiblen Installationen.
Auf der Anbieterseite entsteht ein immer differenzierterer Markt für Managed Nextcloud. Neben den einfachen „Speicher-in-der-Cloud“-Angeboten etablieren sich spezialisierte Dienstleister, die komplexe, hybrid-architektierte Nextcloud-Umgebungen als voll verwalteten Service anbieten – zu Preisen, die für viele mittelständische Unternehmen attraktiver sind als der Aufbau einer eigenen Spezialisten-Kompetenz im Haus.
Nicht zuletzt wird das Thema „Kosten durch Ineffizienz“ angegangen. Der neue Nextcloud-Dateisynchronisationsclient (virtuelles Filesystem oder virtual file sync) lädt Dateien on-demand erst herunter, wenn sie gebraucht werden. Das kann den lokalen Speicherbedarf auf Client-Rechnern und den Traffic massiv reduzieren – eine direkte Kostenersparnis.
Fazit: Nextcloud-Preise sind eine Planungsdisziplin
Die Suche nach einer einfachen Preisliste für Nextcloud-Speicherplatz führt deshalb ins Leere, weil sie die falsche Frage stellt. Nextcloud ist kein Produkt, das man kauft, sondern eine Plattform, die man betreibt. Die Kosten sind das Ergebnis von architektonischen Entscheidungen.
Für den IT-Entscheider bedeutet das: Man muss zunächst den Use Case und die Wachstumserwartungen klar definieren. Wie viele Nutzer? Welche Datenmengen? Welche Performance-Anforderungen? Welche Compliance-Vorgaben? Erst dann kann man das ökonomisch sinnvolle Betriebsmodell wählen.
Als grobe Daumenregel lässt sich vielleicht festhalten: Bis zu einigen hundert Gigabyte und einer Handvoll Nutzer ist Managed Hosting unschlagbar einfach und kostengünstig. Im mittleren Bereich lohnt ein genauer Blick auf Hybrid-Architekturen in der Public Cloud oder leistungsstarke Managed-Angebote. Im Enterprise-Bereich werden die Kosten dann zur strategischen Investition in Datensouveränität und Integration, die sich weniger in Euro pro Gigabyte, sondern in reduzierten Risiken und gesteigerter Produktivität amortisiert.
Die eigentliche Stärke von Nextcloud liegt vielleicht genau in dieser Flexibilität der Kostenkontrolle. Man ist keinem einzigen Anbietermodell ausgeliefert, sondern kann die Infrastruktur stückweise optimieren – den Speicher hier, die Datenbank dort, die Backups wieder woanders. Das erfordert Expertise, aber es verhindert auch die typischen Lock-in-Effekte und die unerwarteten Kostenexplosionen, die man von anderen Cloud-Diensten nur allzu gut kennt. Am Ende ist der Preis für Nextcloud-Speicherplatz also der Preis für die wiedergewonnene Kontrolle. Und die ist, wie man so schön sagt, unbezahlbar. Oder zumindest sehr schwer in eine monatliche Rechnung zu packen.