Nextcloud vs. ownCloud: Die Wahl zwischen Bewegung und Institution

Die Wolke in Eigenregie: Nextcloud, ownCloud und der lange Schatten der Fork-Geschichte

Sie teilen eine gemeinsame Vergangenheit, prägen aber heute unterschiedliche Welten. Ein tiefer Blick auf Nextcloud, seinen Zwilling ownCloud und was die Entscheidung für die eine oder andere Plattform wirklich bedeutet – jenseits von Feature-Checklisten.

Es ist eine Geschichte, die in der Open-Source-Welt fast schon legendär ist. Ein Projekt erreicht kritische Masse, die Community wächst, die Ansprüche divergieren. Und dann kommt der Punkt, an dem ein Fork nicht nur eine technische Abspaltung, sondern eine fundamentale Weichenstellung ist. Genau das passierte 2016, als Frank Karlitschek, einer der Gründer von ownCloud, mit einem großen Teil des Kernteams und der Community ausstieg, um Nextcloud zu gründen. Dieser Moment prägt die Landschaft der selbstgehosteten Collaboration-Plattformen bis heute. Wer verstehen will, wohin die Reise geht, muss diesen Ursprung kennen.

Die Ausgangsfrage für viele Entscheider lautet simpel: Nextcloud oder ownCloud? Doch eine oberflächliche Gegenüberstellung aktueller Versionen greift zu kurz. Die Wahl zwischen beiden Systemen ist weniger ein Vergleich gleichwertiger Produkte, sondern eher eine Entscheidung für eine bestimmte Philosophie, ein Entwicklungsmodell und eine Vision für die Zukunft der digitalen Souveränität. Dabei zeigt sich: Die technische Basis ähnelt sich oft noch, aber die Wege, die beschritten werden, könnten unterschiedlicher nicht sein.

Eine Trennung mit Folgen: Mehr als nur ein neuer Name

Der Fork war kein klassischer Streit um Codezeilen, sondern um Kontrolle und Transparenz. Die Nextcloud-Gründer warfen dem damaligen ownCloud- Unternehmen vor, zu intransparent zu agieren, Community-Beiträge nicht angemessen zu würdigen und die eigene Enterprise-Entwicklung über die Bedürfnisse der Open-Source-Community zu stellen. Die Antwort war Nextcloud: ein Projekt, das von einer gleichberechtigten Community getragen und von einer GmbH gestützt werden sollte, die ausschließlich diesem einen Projekt dient. ownCloud blieb unter der Führung des verbliebenen Teams und der Investoren.

Dieser historische Kontext ist kein müßiges Geschichtsbuchwissen. Er erklärt die grundlegend unterschiedliche DNA der Projekte im Jahr 2024. Nextcloud agiert agil, fast schon getrieben von einer missionarischen Energie, das dezentrale, souveräne Web voranzutreiben. Das Projekt hat eine bemerkenswerte Geschwindigkeit an den Tag gelegt, nicht nur bei der Einführung neuer Features, sondern auch bei der Integration neuer Technologietrends. ownCloud wirkt dagegen konsolidierter, bedächtiger, vielleicht auch geschäftsfokussierter. Hier liegt der erste, große Unterschied: Tempo und Agilität versus Stabilität und Vorhersagbarkeit.

Technische Tiefenbohrung: Wo die Pfade sich trennen

Oberflächlich betrachtet, bieten beide Plattformen das erwartete Set: Dateisynchronisation, Kalender- und Kontaktemanagement via CalDAV/CardDAV, Collaborative Editing, Videokonferenzen, einen App-Marktplatz. Der Teufel – oder der Engel – steckt im Detail und in der strategischen Ausrichtung.

Die Nextcloud-Strategie: Alles unter einem Dach

Nextcloud verfolgt erkennbar eine „All-in-One“-Strategie. Die Plattform möchte nicht nur ein Dropbox-Ersatz sein, sondern ein umfassendes Digital Workplace Hub. Dies zeigt sich in der aggressiven Integration eigener, oft ehemals separater Projekte. Das Paradebeispiel ist Nextcloud Talk. Die Videokonferenz-Lösung wurde von Grund auf für Nextcloud entwickelt, ist tief integriert und bildet mittlerweile eine ernsthafte Alternative zu Lösungen wie Jitsi oder BigBlueButton innerhalb des Ökosystems. Die Integration geht so weit, dass Chat-Nachrichten direkt in der Dateiverwaltung erscheinen können – ein starkes Feature für Teamarbeit.

Ein weiteres Zugpferd ist Nextcloud Office, eine Integration der Collabora- oder OnlyOffice-Suiten für die Echtzeit-Bearbeitung von Dokumenten, Tabellen und Präsentationen. Nextcloud treibt diese Integration aktiv voran und optimiert sie kontinuierlich. Dieser Ansatz, möglichst viele Arbeitswerkzeuge aus einer Hand und einer Oberfläche anzubieten, reduziert Komplexität für Administratoren. Man muss weniger verschiedene Systeme integrieren, warten und absichern. Das ist ein klarer Wertversprechen für mittelständische Unternehmen oder Bildungseinrichtungen, die eine ganzheitliche Lösung suchen.

Technisch interessant ist die zunehmende Fokussierung auf Performance und Skalierbarkeit. Nextcloud hat in den letzten Jahren massiv in die Architektur investiert. Features wie der integrierte, hochperformante Backend-Speicher (Nextcloud High Performance Backend), die Unterstützung für Object Storage wie S3 kompatiblen Speicher und Verbesserungen an der Datenbankschicht zielen darauf ab, Installationen mit zehntausenden von Nutzern stabil zu betreiben. Die Einführung von Vue.js für die Oberfläche in Nextcloud 25 war ein weiterer Meilenstein, der eine modernere, reaktionsschnellere Benutzererfahrung ermöglicht.

Die ownCloud-Philosophie: Fokus und Interoperabilität

ownCloud geht einen anderen Weg. Statt alles in die Kernplattform zu integrieren, setzt das Projekt stärker auf Modularität und Interoperabilität mit spezialisierten Drittsystemen. ownCloud möchte die beste Dateiplattform sein und arbeitet dafür mit Partnern zusammen, die ihrerseits Experten auf ihrem Gebiet sind.

Im Bereich Videokonferenzen setzt ownCloud beispielsweise klassischerweise auf die Integration etablierter Open-Source-Lösungen wie Jitsi oder BigBlueButton. Statt eine eigene Lösung zu bauen, wird eine nahtlose Verknüpfung mit diesen Tools angestrebt. Ähnlich verhält es sich bei Office: Die Integration von Collabora Online oder OnlyOffice ist exzellent, aber ownCloud entwickelt nicht aktiv an einem eigenen Office-Frontend. Dieser Ansatz kann als „Best-of-Breed“-Strategie interpretiert werden. Der Administrator hat die Freiheit, die für ihn beste Videokonferenz- oder Office-Lösung zu wählen und diese mit ownCloud zu verbinden. Das erfordert jedoch mehr Integrationsaufwand und bringt die Herausforderung mit sich, mehrere Systeme parallel zu warten.

Ein technischer Bereich, in dem ownCloud oft als stark wahrgenommen wird, ist die Enterprise-Integration. Die Anbindung an bestehende Verzeichnisdienste wie LDAP oder Active Directory ist ausgereift, das Rechtemanagement granular und die Audit-Fähigkeiten für regulierte Branchen umfassend. Die ownCloud GmbH hat hier früh und konsequent investiert, um den spezifischen Anforderungen großer Organisationen gerecht zu werden. Die Architektur wirkt insgesamt stabil und erprobt, auch wenn sie vielleicht nicht die gleiche disruptive Innovationsgeschwindigkeit wie Nextcloud aufweist.

Der App-Marktplatz: Ein Spiegel der Community-Dynamik

Ein Blick in die jeweiligen App-Stores ist äußerst aufschlussreich. Der Nextcloud App Store platzt fast aus allen Nähten. Hunderte von Erweiterungen, von kleinen UI-Verbesserungen über komplexe Projektmanagement-Tools bis hin zu exotischen Integrationen, zeugen von einer äußerst aktiven und kreativen Community. Die Eintrittsbarriere für Entwickler ist bewusst niedrig gehalten, was zu einer lebendigen, wenn auch manchmal unübersichtlichen, Erweiterungslandschaft führt.

Der ownCloud Marktplatz wirkt dagegen übersichtlicher und kuratierter. Die Anzahl der Apps ist geringer, was aber nicht zwangsläufig ein Nachteil sein muss. Es kann auch für eine höhere durchschnittliche Qualität und bessere Wartung sprechen. Die Auswahl reflektiert den Fokus auf Kernfunktionalitäten und stabile Business-Erweiterungen. Für Unternehmen, die Wert auf geprüfte, gut dokumentierte und langfristig unterstützte Erweiterungen legen, kann dieser Ansatz attraktiver sein. Nextclouds Wildwuchs erfordert hingegen eine kritischere Prüfung durch den Administrator, birgt aber auch das Potenzial für überraschend nützliche Nischenlösungen.

Sicherheit und Datenschutz: Ein Wettlauf auf hohem Niveau

Beide Projekte nehmen das Thema Sicherheit extrem ernst, was bei Plattformen, die oft sensible Daten verwalten, auch nicht anders zu erwarten ist. Beide unterhalten ein verantwortungsvolles Verfahren für die Offenlegung von Sicherheitslücken (Responsible Disclosure), publizieren regelmäßig Sicherheitsupdates und haben Mechanismen wie Zwei-Faktor-Authentifizierung, Verschlüsselung im Ruhezustand (Server-side encryption) und Ende-zu-Ende-Verschlüsselung im Angebot.

Doch auch hier gibt es Nuancen. Nextcloud fällt durch eine besonders offensive Kommunikation in Sicherheitsfragen auf. Das Projekt betreibt einen eigenen Sicherheits-Blog, der nicht nur eigene Updates, sondern auch allgemeine Sicherheitstrends kommentiert. Die Einführung der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für Dateien und sogar für bestimmte App-Daten wurde lautstark vorangetrieben, auch wenn die praktische Nutzbarkeit – Stichwort: Suche in verschlüsselten Dateien, Freigaben – nach wie vor gewisse Kompromisse erfordert. Nextcloud positioniert sich hier klar als Privatsphäre-first-Lösung.

ownCloud kommuniziert in Sicherheitsfragen tendenziell nüchterner und orientiert sich stark an Compliance-Anforderungen. Die Sicherheitsarchitektur ist solide und vor allem für Unternehmen, die bestimmte Zertifizierungen oder Auditierungen benötigen, gut dokumentiert und nachvollziehbar. Ein interessanter Aspekt ist, dass ownCloud aufgrund seiner längeren Geschichte in großen Unternehmen oft in Umgebungen mit strengen Security-Policies im Einsatz ist, was wiederum die Entwicklung geprägt hat. Die Praxis zeigt: Beide Plattformen sind, bei sorgfältiger Konfiguration und Wartung, für den produktiven Betrieb hochsicherer Daten geeignet.

Das Geschäftsmodell: Wer finanziert die Zukunft?

Dies ist ein entscheidender Punkt für langfristige Investitionsentscheidungen. Beide Projekte werden von kommerziellen Unternehmen getragen – der Nextcloud GmbH und der ownCloud GmbH. Beide bieten kostenpflichtige Enterprise-Subscriptions an, die professionellen Support, langfristige Verfügbarkeit bestimmter Versionen (Long Term Support) und teilweise exklusive Enterprise-Apps beinhalten.

Der Unterschied liegt in der Ausrichtung. Die Nextcloud GmbH existiert ausschließlich, um das Nextcloud-Projekt voranzutreiben. Es gibt keine übergeordneten Investoren mehr, die Rendite erwarten. Dieser Fokus schafft eine sehr direkte Feedback-Schleife zwischen Kunden, Community und Entwicklern. Die wirtschaftliche Gesundheit der GmbH ist direkt an den Erfolg des Open-Source-Projekts gekoppelt. Das schafft Vertrauen.

Die ownCloud GmbH hat in der Vergangenheit Venture-Kapital eingesammelt. Das ermöglichte schnelles Wachstum, bringt aber auch den Druck mit sich, skalierbare Umsätze zu generieren. Dies kann sich in einer stärkeren Fokussierung auf große Enterprise-Deals und entsprechende Feature-Entwicklung niederschlagen. Für einen Kunden ist es wichtig zu verstehen, wem das Unternehmen letztlich verpflichtet ist: den Investoren oder der Community. In der Praxis mischen sich bei ownCloud wohl beide Interessen.

Die Community: Das Lebenselexier jedes Open-Source-Projekts

Hier ist der Unterschied am greifbarsten. Nextcloud hat es verstanden, eine enorme Community-Dynamik zu entfachen. Die regelmäßigen, großen Online-Konferenzen (Nextcloud Conference) sind gut besucht, der Beitrag auf Plattformen wie GitHub ist immens, und das Projekt pflegt einen offenen, einladenden Kommunikationsstil. Dies führt zu einer starken Identifikation der Nutzer mit „ihrer“ Plattform. Viele Administratoren sind nicht nur Anwender, sondern auch Botschafter.

Die ownCloud-Community wirkt kleiner und, wohl als Folge des Forks, auch etwas in sich gekehrter. Der Beitragsfluss ist stetig, aber weniger stürmisch. Das kann auch Vorteile haben: Entscheidungsprozesse wirken strukturierter, und der Einfluss der Kernentwickler ist wahrscheinlich größer. Für einen Enterprise-Kunden, der vorhersagbare Roadmaps und stabile APIs schätzt, ist eine weniger disruptive Community eventuell sogar ein Vorteil. Für die langfristige Innovationskraft eines Projekts ist jedoch eine breite, engagierte Basis unschätzbar – hier hat Nextcloud eindeutig die Nase vorn.

Praxiseinsatz: Wann welches System Sinn macht

Nach dieser Analyse lässt sich die anfängliche Frage konkreter beantworten. Die Entscheidung ist selten technisch absolut, sondern eine Abwägung von Prioritäten.

Nextcloud könnte die bessere Wahl sein für:

  • Organisationen, die eine ganzheitliche Collaboration-Suite wünschen: Wer möglichst viele Funktionen (Chat, Video, Office, Dateien) aus einer integrierten Quelle beziehen möchte, wird bei Nextcloud glücklicher. Die Reduzierung von Schnittstellen ist ein echter Gewinn.
  • Bildungseinrichtungen, NGOs und öffentliche Verwaltungen: Der starke Fokus auf Datenschutz, die lebendige Community für Support und der All-in-One-Charakter passen oft perfekt zu den Anforderungen und IT-Ressourcen dieser Sektoren.
  • Projekte mit hohem Innovationsanspruch: Wenn Sie am Puls der Entwicklung sein wollen, regelmäßig neue Features ausprobieren und in eine schnelllebige Plattform investieren möchten, ist Nextcloud das klarere Angebot.
  • Community-getriebene Installationen: Für Heimanwender, Hackerspaces oder kleine Vereine, die auf Community-Support setzen, ist die größere und aktivere Nextcloud-Community ein entscheidender Vorteil.

ownCloud könnte die bessere Wahl sein für:

  • Große Unternehmen mit etablierter IT-Landschaft: Wenn Sie primär eine hochskalierbare, stabile und auditable Dateiplattform suchen und für Funktionen wie Videokonferenzen oder Office ohnehin auf separate, etablierte Enterprise-Lösungen setzen (z.B. Microsoft Teams/365, Zoom), kann ownClouds fokussierterer Ansatz besser passen.
  • Umgebungen mit strengen Compliance-Vorgaben: Die langjährige Enterprise-Erfahrung und die entsprechende Dokumentation können den Compliance-Prozess erleichtern.
  • Organisationen, die Wert auf maximale Stabilität und Vorhersagbarkeit legen: Der konservativere Release-Zyklus und die Fokussierung auf Bewährtes können in Umgebungen, in denen jede Änderung ein Risiko darstellt, von Vorteil sein.
  • Kunden, die eine bestimmte, historisch gewachsene ownCloud-Integration nutzen: Bei umfangreichen individuellen Anpassungen oder Integrationen, die auf der alten ownCloud-Architektur aufbauen, kann ein Wechsel zu Nextcloud einen hohen Migrationsaufwand bedeuten.

Migration und Koexistenz: Keine Einbahnstraße

Ein oft übersehener Aspekt ist die Frage der Migration. Beide Systeme verwenden im Kern ähnliche Datenstrukturen, da sie den gleichen Ursprung teilen. Dennoch ist ein Wechsel von ownCloud zu Nextcloud (oder in seltenen Fällen umgekehrt) kein einfaches „Copy & Paste“. Die Metadaten, App-Konfigurationen und insbesondere die Benutzerdatenbanken haben sich auseinanderentwickelt. Es gibt migrierungshilfen und dokumentierte Verfahren, aber es bleibt ein Projekt, das sorgfältige Planung und Testphasen erfordert.

Ein interessanter Aspekt ist die Federation-Fähigkeit. Dank des offenen WebDAV- und CalDAV-Protokolls sowie der implementierten Nextcloud/ownCloud-spezifischen Federation-Protokolle können beide Systeme grundsätzlich miteinander kommunizieren. Ein Nutzer auf einer Nextcloud-Instanz kann eine Dateifreigabe von einer ownCloud-Instanz erhalten und umgekehrt. Diese Interoperabilität auf der Nutzerebene ist ein kleines Wunder des offenen Standards und sorgt dafür, dass man sich nicht in komplett abgeschottete Welten begibt.

Die Zukunft: Konvergenz oder weitere Divergenz?

Wohin geht die Reise? Es ist unwahrscheinlich, dass die beiden Projekte wieder zusammenfinden. Die unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Visionen sind zu stark verankert. Stattdessen ist mit einer weiteren Spezialisierung zu rechnen.

Nextcloud wird seinen Weg als innovativer, integrierter Digital Hub weitergehen. Die Integration von KI-Funktionen (wie z.B. lokale Sprachmodelle für die Inhaltsanalyse bei voller Datensouveränität) ist bereits in der Diskussion. Die Vernetzung mit anderen dezentralen Diensten im Sinne des „Fediverse“ (ActivityPub) wird vorangetrieben. Nextcloud positioniert sich zunehmend als Gegenentwurf zu den geschlossenen SaaS-Ökosystemen der Tech-Giganten.

ownCloud wird sich vermutlich weiter als die solide, integrierbare Enterprise-Dateiplattform profilieren. Die Anbindung an Cloud-Speicher-Hybridmodelle, die Vertiefung von Compliance-Features und die Optimierung für sehr große, globale Deployments stehen hier im Fokus. Die Stärke wird in der zuverlässigen Erfüllung klar umrissener Anforderungen im Geschäftsumfeld liegen.

Fazit: Eine Frage der Haltung

Die Entscheidung zwischen Nextcloud und ownCloud ist am Ende weniger eine technische Checklisten-Abgleichung als vielmehr eine philosophische und strategische Weichenstellung. Beide sind exzellente, enterprise-taugliche Open-Source-Plattformen, die der proprietären Konkurrenz aus dem Silicon Valley in puncto Datensouveränität und Kontrolle meilenweit voraus sind.

Nextcloud ist das Projekt mit dem höheren Puls. Es ist getrieben von einer Vision, die über reine Dateisynchronisation hinausgeht. Es ist mutig, schnell, manchmal vielleicht auch ein wenig chaotisch, aber immer voller Energie. Es ist die Wahl für diejenigen, die nicht nur eine Alternative suchen, sondern Teil einer Bewegung sein wollen.

ownCloud ist der erfahrene, solide Partner. Es hat seine Enterprise-Lektionen gelernt, bietet Stabilität und fokussierte Leistung in seinem Kernbereich. Es ist die Wahl für Umgebungen, in denen Veränderung ein kalkuliertes Risiko sein muss und in denen bewährte Stabilität oft mehr wert ist als das neueste Feature.

Letztlich profitiert die gesamte Welt der selbstgehosteten Collaboration von dieser Rivalität. Der Wettbewerb treibt beide Projekte an, verhindert Stagnation und zwingt sie, ihre jeweiligen Stärken kontinuierlich auszubauen. Egal, für welchen Pfad man sich entscheidet – man gewinnt eine mächtige, souveräne Plattform, die die Kontrolle über die eigenen Daten zurück in die eigenen Hände legt. In einer Zeit der data lock-ins und Plattformabhängigkeiten ist das allein schon ein gewonnener Krieg. Die Schlacht zwischen den beiden Geschwistern hingegen wird noch lange, und zum Wohle aller Nutzer, weitergehen.