Nextcloud ist längst mehr als nur ein Dateispeicher. Wer die Entwicklung der letzten Jahre verfolgt hat, weiß: Die Open-Source-Plattform hat sich zu einer Art Schweizer Taschenmesser für die digitale Infrastruktur entwickelt. Sie vereint Kollaboration, Kommunikation und mittlerweile auch das Internet der Dinge unter einem Dach. Genau hier setzt die Nextcloud Z-Wave-Integration an – eine Ergänzung, die auf den ersten Blick unscheinbar wirkt, aber tiefgreifende Implikationen für Unternehmen und private Anwender hat. Die Idee, Smart-Home-Geräte über eine selbstgehostete Cloud zu steuern, ist nicht neu, aber die Art und Weise, wie Nextcloud dies umsetzt, unterscheidet sich grundlegend von proprietären Lösungen. Es geht nicht um eine weitere Spielerei, sondern um die Frage, wer die Kontrolle über die eigenen Daten und Geräte behält – und das in einer Zeit, in der Vernetzung zum Standard wird.
Nextcloud als Rückgrat digitaler Souveränität
Bevor wir uns in die Tiefen der Z-Wave-Welt begeben, ein Schritt zurück. Nextcloud hat sich in den vergangenen Jahren einen festen Platz in der IT-Landschaft erobert. Ursprünglich als Alternative zu Dropbox und Google Drive gestartet, bietet die Plattform heute weit mehr: Kalender, Kontakte, E-Mail, Videokonferenzen, Office-Dokumente und eine Vielzahl von Apps, die sich über den integrierten Marktplatz nachrüsten lassen. Entscheidend ist das Prinzip der Selbstbestimmung: Die Software läuft auf eigenen Servern – ob in der Firma, im Rechenzentrum oder auf einem kleinen Raspberry Pi zu Hause. Kein externer Anbieter hat Zugriff auf die Daten, es sei denn, man lässt es zu. Dieses Modell spricht insbesondere Unternehmen an, die strengen Compliance-Vorgaben unterliegen, aber auch Privatnutzer, die dem Datenhunger der großen Konzerne misstrauen.
Die Erweiterbarkeit von Nextcloud ist einer ihrer größten Trumpfe. Über die App-API können Entwickler nahezu jede Funktionalität anbinden. Von Projektmanagement-Tools über Passwortmanager bis hin zu IoT-Steuerungen. Genau hier kommt die Nextcloud Z-Wave-App ins Spiel. Sie wurde von der Community entwickelt und ist als offizielle App im Nextcloud-App-Store verfügbar. Sie ermöglicht es, Z-Wave-fähige Geräte direkt über die Nextcloud-Oberfläche zu verwalten, ohne einen zusätzlichen proprietären Hub oder eine cloudbasierte Bridge eines Drittanbieters nutzen zu müssen. Das klingt zunächst unspektakulär, ist aber ein kleiner Quantensprung für diejenigen, die Wert auf Datenhoheit legen.
Ein interessanter Aspekt ist, dass Nextcloud mit der Z-Wave-Integration nicht nur einen weiteren Dienst anbietet, sondern eine Brücke schlägt zwischen zwei Welten, die bislang oft getrennt waren: der klassischen Büro-IT und der Gebäudeautomation. In vielen Unternehmen werden Heizung, Beleuchtung, Jalousien und Zutrittskontrolle noch über separate Systeme gesteuert, die selten mit der allgemeinen IT-Infrastruktur verzahnt sind. Das führt zu Ineffizienzen, Sicherheitslücken und einem hohen Administrationsaufwand. Nextcloud kann hier als zentrale Schaltstelle fungieren – vorausgesetzt, man ist bereit, sich mit den Eigenheiten von Z-Wave auseinanderzusetzen.
Z-Wave – der stille Standard für smarte Gebäude
Z-Wave ist kein junges Protokoll. Es wurde bereits Anfang der 2000er Jahre entwickelt und hat sich vor allem im Bereich der professionellen Hausautomation etabliert. Anders als WLAN-basierte Systeme, die oft unter Interferenzen und hohem Stromverbrauch leiden, setzt Z-Wave auf ein lizenzfreies Frequenzband im Sub-GHz-Bereich (je nach Region 868 MHz in Europa, 908 MHz in den USA). Das hat mehrere Vorteile: Die Signale dringen besser durch Wände und Decken, stören sich nicht mit dem oft überlasteten 2,4-GHz-Band und benötigen deutlich weniger Energie. Sensoren und Aktoren können jahrelang mit einer Knopfzelle betrieben werden – ein entscheidender Faktor für die Akzeptanz in der Praxis.
Die Mesh-Netzwerk-Topologie ist ein weiteres Markenzeichen von Z-Wave. Jedes Gerät fungiert als Repeater, leitet also Datenpakete von anderen Knoten weiter. Dadurch entsteht ein selbstheilendes Netz, das auch dann stabil bleibt, wenn einzelne Komponenten ausfallen oder hinzugefügt werden. Die Reichweite eines einzelnen Knotens beträgt etwa 30 Meter im Freien, in Gebäuden deutlich weniger – aber durch das Mesh können problemlos ganze Etagen abgedeckt werden. Ein Nachteil ist die begrenzte Bandbreite: Z-Wave eignet sich nicht für die Übertragung von Videoströmen oder großen Datenmengen, aber für Schaltbefehle, Sensordaten und Statusabfragen reicht es vollkommen.
Im Vergleich zu Zigbee, einem ähnlichen Protokoll, das ebenfalls im Sub-GHz-Bereich arbeitet, hat Z-Wave den Vorteil einer strengen Zertifizierung. Alle Geräte müssen bestimmte Interoperabilitätsstandards erfüllen, was die Kompatibilität erhöht. Zigbee ist offener, aber auch fragmentierter – nicht jeder Hub spricht mit jedem Sensor. Z-Wave ist da konservativer, aber zuverlässiger. Hinzu kommt die Unterstützung von Sicherheitsprotokollen wie S2, das eine verschlüsselte Kommunikation zwischen Controller und Geräten ermöglicht. Das ist wichtig, denn Smart-Home-Geräte sind traditionell ein Einfallstor für Angriffe, wie nicht zuletzt die Mirai-Botnetz-Attacken gezeigt haben.
Für Nextcloud-Anwender bedeutet das: Wer Z-Wave nutzen möchte, benötigt einen kompatiblen USB-Controller, der als Gateway fungiert. Die bekanntesten Modelle sind der Aeotec Z-Stick, der Sigma Designs UZB oder der Homey Bridge (allerdings nur teilweise offen). Über diesen Stick kommuniziert der Nextcloud-Server direkt mit den Z-Wave-Geräten. Die Konfiguration erfolgt über die Nextcloud-Oberfläche – ein kleiner, aber feiner Unterschied zu Lösungen wie Home Assistant, die oft ein separates Dashboard erfordern und sich nicht so nahtlos in eine bestehende Nextcloud-Umgebung einfügen.
Nextcloud Z-Wave App: Installation und erste Schritte
Die Installation der App ist denkbar einfach: Über den App-Store in der Nextcloud-Administration sucht man nach „Z-Wave“ und klickt auf „Aktivieren“. Das war’s. Allerdings ist der Teufel im Detail: Der Server muss über einen angeschlossenen Z-Wave-USB-Stick verfügen, und der Webserver-Benutzer (meist www-data) benötigt Lese- und Schreibrechte auf das entsprechende Gerät. Unter Linux ist das eine Sache von ein paar udev-Regeln, aber ohne grundlegende Systemadministrationskenntnisse kann es schnell frustrierend werden. Nextcloud hat hier in den letzten Versionen nachgebessert – die App erkennt den Stick automatisch, wenn er korrekt eingebunden ist. Dennoch: Eine gewisse Einarbeitungszeit sollte man einplanen.
Nach der Aktivierung erscheint im Nextcloud-Menü ein neuer Eintrag „Smart Home“ (oder direkt „Z-Wave“, je nach App-Version). Die Oberfläche ist minimalistisch gehalten: Eine Liste aller erkannten Geräte, deren Status (ein/aus, Temperatur, Batteriestand etc.) und Schaltflächen zum Senden von Befehlen. Die App unterstützt grundlegende Operationen wie Ein- und Ausschalten, Dimmen, das Setzen von Sollwerten bei Thermostaten und die Auslese von Sensordaten. Wer komplexe Automatisierungen erwartet, wird enttäuscht: Die App selbst bietet keine regelbasierten Trigger oder Szenen. Das ist bewusst so gehalten – Nextcloud soll eher die zentrale Verwaltungsschicht sein, während die Logik in anderen Komponenten wie der Nextcloud-Quecksilber-App (Kalender) oder über externe Skripte implementiert wird.
Hier liegt eine Schwäche, aber auch eine Chance. Nextcloud ist kein dediziertes Smart-Home-System wie Home Assistant oder openHAB. Es ist eine Kollaborationsplattform, die IoT-Funktionen als Nebenfeature anbietet. Das bedeutet: Wer bereits Nextcloud betreibt, kann ohne zusätzliche Hardware oder Softwarelizenz seine Z-Wave-Geräte einbinden und über die vertraute Oberfläche steuern. Das ist praktisch für kleine Büros oder Arbeitsgruppen, die nicht noch ein weiteres System aufsetzen wollen. Andererseits fehlen professionelle Features wie Zeitpläne, Schwellwertalarme oder eine grafische Vernetzung der Geräte. Hier muss man selbst Hand anlegen – etwa durch die Integration mit Nextcloud Talk, das als Benachrichtigungskanal dienen kann, oder durch die Nutzung der Nextcloud Tasks-App, um wiederkehrende Aktionen anzustoßen.
Ein Beispiel aus der Praxis: In einem mittelständischen Unternehmen mit Home-Office-Regelung könnte man die Heizung in den Besprechungsräumen automatisch herunterregeln, wenn keine Termine im Nextcloud-Kalender eingetragen sind. Das setzt jedoch voraus, dass man die Kalenderdaten per Skript abfragt und entsprechende Z-Wave-Befehle generiert. Nextcloud bietet dafür eine REST-API, die externe Skripte ansprechen können. Die Z-Wave-App selbst legt die Geräteliste und Statusdaten als JSON-Endpunkt offen – ein gefundenes Fressen für Python-Bastler oder Node-RED-Enthusiasten. Aber der durchschnittliche Administrator, der Nextcloud vor allem für Dateisynchronisation nutzt, wird an dieser Stelle vielleicht abgeschreckt. Man muss schon ein gewisses Faible für Automatisierung mitbringen.
Integration in den Arbeitsalltag: Szenarien und Mehrwert
Stellen Sie sich vor: Ein Mitarbeiter kommt morgens ins Büro, seine Anwesenheit wird über einen Z-Wave-Bewegungsmelder erfasst, und das System schaltet automatisch das Licht ein, hebt die Jalousien und aktiviert die Lüftung. Gleichzeitig könnte über Nextcloud Talk eine kurze Nachricht an den Teamkanal gesendet werden: „Guten Morgen, der Besprechungsraum ist vorgeheizt.“ Klingt futuristisch, ist aber mit Nextcloud Z-Wave durchaus realisierbar – wenn auch nicht aus der Box. Die Basis ist die Möglichkeit, Geräte in Gruppen zu organisieren und über die Web-Oberfläche zu steuern. Die Automatisierung muss man sich selbst stricken.
Ein interessanter Anwendungsfall ist die Integration von Energiemonitoring. Z-Wave-Energiestecker (z.B. von Fibaro oder Aeotec) messen den Stromverbrauch angeschlossener Geräte. Diese Daten können über die Nextcloud-API ausgelesen und in einer Datei oder einer externen Auswertung gespeichert werden. Administratoren können so nachvollziehen, welche Arbeitsplätze unnötig Strom verbrauchen – und bei Bedarf über die Nextcloud-App gezielt abschalten. Datenschutzrechtlich ist das eine Grauzone, aber in vielen Unternehmen gewünscht. Wichtig ist, dass die Daten auf dem eigenen Server bleiben und nicht an Drittanbieter fließen – ein klares Plus gegenüber herkömmlichen Smart-Home-Lösungen, die oft mit Cloud-Diensten des Herstellers verbunden sind.
Ein weiteres Szenario: In Co-Working-Spaces oder Mehrparteienhäusern können Mieter oder Mitglieder über ihre Nextcloud-Accounts auf bestimmte Z-Wave-Geräte zugreifen. Die App unterstützt Berechtigungen auf Gruppenebene: Der Administrator legt fest, wer welche Geräte steuern darf. Ein Freelancer in einem Co-Working-Space könnte so die Klimaanlage in seinem angemieteten Raum selbst regeln, ohne dass ein zentrales Facility-Management eingreifen muss. Das entlastet die Verwaltung und gibt den Nutzern ein Gefühl von Kontrolle – ein nicht zu unterschätzender Faktor für die Zufriedenheit.
Doch nicht alles ist eitel Sonnenschein. Die Nextcloud Z-Wave-App ist kein Massenprodukt. Sie wird von einer kleinen Entwicklergruppe gepflegt, und die Updates kommen unregelmäßig. Bei den großen Nextcloud-Versionen (z.B. 28 und 29) gab es immer wieder Kompatibilitätsprobleme, die erst nach einigen Wochen gefixt wurden. Wer auf Stabilität und Langzeitsupport angewiesen ist, sollte vorsichtig sein. Die App eignet sich eher für Early Adopter und Bastler, nicht für den produktiven Einsatz in einer unternehmenskritischen Umgebung. Das mag sich ändern, wenn die Nachfrage steigt – aber derzeit ist es noch ein Nischenprodukt.
Sicherheit: Ein zweischneidiges Schwert
Nextcloud wirbt gerne mit „Ende-zu-Ende-Verschlüsselung“ für Dateien. Das ist löblich, aber bei der Z-Wave-Integration stellt sich die Frage, wie sicher die Kommunikation zwischen Server und den Z-Wave-Geräten ist. Z-Wave unterstützt ab der zweiten Generation (Z-Wave Plus) die Verschlüsselung S2, die AES-128-basiert ist. Das ist ein guter Standard. Allerdings: Die Nextcloud-App übernimmt die Verwaltung der Netzwerkschlüssel – und diese liegen im Klartext auf dem Server, in der Konfigurationsdatei. Wenn ein Angreifer Zugriff auf den Server erlangt, sind alle Z-Wave-Geräte kompromittiert. Das ist kein spezifisches Problem von Nextcloud, sondern betrifft alle zentralen Smart-Home-Gateways. Trotzdem sollte man sich der Risiken bewusst sein.
Ein weiterer Punkt: Die Z-Wave-App selbst ist nicht in die Nextcloud-„Files“-Verschlüsselung eingebunden. Das bedeutet, dass die Gerätekonfiguration und ggf. historische Sensordaten unverschlüsselt in der Datenbank liegen. Sensible Daten wie Anwesenheitsmuster oder Heizprotokolle könnten so bei einem Datenleck nach außen dringen. Unternehmen mit hohen Sicherheitsanforderungen sollten daher separate Sicherheitsmaßnahmen ergreifen – etwa die Datenbankverschlüsselung auf Betriebssystemebene oder die Auslagerung der Z-Wave-Kommunikation auf einen dedizierten, isolierten Server, der nur die nötigsten Ports freigibt. Das ist zwar umständlich, aber machbar.
Positiv hervorzuheben ist, dass Nextcloud die Authentifizierung über OAuth2 und SAML ermöglicht. Das klassische Problem vieler Smart-Home-Lösungen – ein schwaches Passwort für den lokalen Hub – wird hier umgangen, indem man die bestehenden Nextcloud-Benutzerkonten nutzt. Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) lässt sich für den Zugriff auf die Z-Wave-App ebenfalls einrichten. Das ist ein deutlicher Sicherheitsgewinn gegenüber Geräten, die nur eine einfache PIN oder gar keine Absicherung bieten.
Die Konkurrenz schläft nicht: Vergleich mit Home Assistant und openHAB
Man könnte fragen: Warum sollte ich Nextcloud für Z-Wave nutzen, wenn es mit Home Assistant eine ausgereifte, spezialisierte Open-Source-Lösung gibt? Die Antwort liegt im Integrationsszenario. Home Assistant ist hervorragend, wenn man eine reine Smart-Home-Zentrale sucht – es unterstützt Hunderte von Protokollen (Z-Wave, Zigbee, MQTT, WLAN, etc.) und bietet eine mächtige Automatisierungsengine. Aber Home Assistant ist kein Dateispeicher, keine Kollaborationsplattform. Wer bereits Nextcloud betreibt, müsste eine zweite Instanz aufsetzen, pflegen und in die bestehende Infrastruktur einbinden. Das bedeutet doppelter Administrationsaufwand, doppelte Sicherheitskonzepte, doppelte Update-Politik. Nextcloud Z-Wave ist der Versuch, beides unter einen Hut zu bringen – mit Abstrichen in der Tiefe der Automatisierung.
openHAB wiederum ist sehr erweiterbar, aber die Lernkurve ist steil. Die Oberfläche wirkt oft überladen, und die Einrichtung erfordert umfangreiches Regelwissen. Nextcloud Z-Wave ist vergleichsweise simpel – was für Einsteiger ein Vorteil ist, für fortgeschrittene Nutzer aber schnell an seine Grenzen stößt. Wer umfangreiche Szenarien mit Bedingungen, Verzögerungen und mehrstufigen Aktionen plant, wird mit Nextcloud nicht glücklich. Er sollte besser zu Home Assistant greifen, das eine visuelle Automatisierung („Blueprints“) mitbringt und über Node-RED integriert werden kann.
Trotz dieser Einschränkungen: Nextcloud Z-Wave hat eine Daseinsberechtigung. In Umgebungen, wo Nextcloud bereits als zentrale Plattform etabliert ist, kann man mit wenig Zusatzaufwand einige Smart-Home-Funktionen nachrüsten. Das ist ideal für kleine Teams, Forschungseinrichtungen oder Schulen, die IoT-Projekte umsetzen, ohne eine separate Infrastruktur aufzubauen. Auch für Privatnutzer, die Nextcloud auf einem Raspberry Pi betreiben, ist die App einen Blick wert – vorausgesetzt, sie sind bereit, sich mit den Eigenheiten des Z-Wave-Protokolls auseinanderzusetzen.
Herausforderungen und offene Punkte
Die Nextcloud Z-Wave-App ist kein ausgereiftes Produkt, sondern eher ein Werkzeug für Technikaffine. Das zeigt sich in mehreren Bereichen. Erstens: Die Unterstützung von Z-Wave-Chipsätzen ist nicht umfassend. Manche USB-Sticks, die unter Linux mit der Open-Source-Bibliothek OpenZWave funktionieren, werden von der App nicht erkannt. Die Entwickler setzen auf die OZW-DLL, die inzwischen als veraltet gilt. Einige Projekte sind auf die neuere Bibliothek Z-Wave JS umgestiegen, die von der Community bevorzugt wird. Nextcloud hinkt hier hinterher. Es gibt Bestrebungen, die App auf Z-Wave JS zu portieren, aber bislang fehlt ein offizieller Termin.
Zweitens: Die Benutzeroberfläche ist funktional, aber nicht schön. Manche Icons wirken pixelig, die Darstellung auf mobilen Endgeräten ist suboptimal. Nextcloud setzt auf responsives Design, aber die Z-Wave-Kacheln sind für Touch-Steuerung nicht optimiert – das Drücken winziger Schaltflächen auf dem Smartphone ist fummelig. Hier könnte ein Redesign Abhilfe schaffen, aber die Entwicklerressourcen sind knapp.
Drittens: Die Automatisierung ist, wie schon erwähnt, rudimentär. Es gibt keine eingebauten Regeln wie „Wenn Sensor X einen Wert über Y meldet, dann schalte Gerät Z ein“. Man muss sich selbst mit Skripten behelfen. Nextcloud bietet zwar die Option, über die API Befehle zu senden, und man kann Cron-Jobs auf dem Server nutzen, um zyklisch Abfragen durchzuführen – aber das ist für den Normalanwender zu technisch. Ein grafischer Regeleditor wäre wünschenswert, fehlt aber.
Viertens: Die Dokumentation ist lückenhaft. Die offizielle Nextcloud-Doku behandelt die Z-Wave-App nur am Rande. Die Community hat zwar einige Forenbeiträge und Wiki-Artikel verfasst, aber sie sind oft veraltet oder widersprüchlich. Wer ein Problem hat, ist häufig auf sich allein gestellt. Das mag für Bastler in Ordnung sein, aber nicht für IT-Entscheider, die eine verlässliche Lösung für ihr Unternehmen suchen.
Zukunftsperspektiven: Matter, Thread und die Konvergenz der Protokolle
Die Smart-Home-Branche ist in Bewegung. Mit Matter und Thread hat sich ein neuer Standard etabliert, der von den großen Playern (Apple, Google, Amazon, Samsung) unterstützt wird. Matter basiert auf IP und verspricht nahtlose Interoperabilität zwischen verschiedenen Ökosystemen. Thread ist ein Mesh-Funkprotokoll ähnlich wie Z-Wave, aber mit höherer Bandbreite und besserer Skalierbarkeit. Es ist absehbar, dass Z-Wave langsam an Bedeutung verlieren wird – zumindest im Massenmarkt. In der professionellen Gebäudeautomation (z.B. Hotels, Krankenhäuser) ist Z-Wave aber noch stark verankert, weil es sich über Jahre bewährt hat und eine breite Gerätepalette existiert.
Nextcloud müsste sich also überlegen, ob es auf den fahrenden Zug von Matter aufspringt. Einige Mitglieder der Nextcloud-Community haben bereits eine Matter-Integration in einer frühen Phase entwickelt (Nextcloud Mattermost? – nein, eher Nextcloud Matter Bridge), aber das steckt noch in den Kinderschuhen. Solange Nextcloud keine native Unterstützung für Matter oder Thread anbietet, bleibt die Z-Wave-App ein temporäres Vehikel für IoT-Steuerung. Das ist nicht per se negativ – viele Unternehmen werden noch Jahre mit Z-Wave-Geräten arbeiten, bevor sie auf neue Standards umsteigen.
Ein wichtiger Punkt ist die Open-Source-Natur von Nextcloud. Anders als proprietäre Systeme kann die Community selbstständig Erweiterungen entwickeln. Wenn genug Entwickler Interesse an einer Matter-Integration haben, wird sie kommen. Das ist die Stärke der Plattform. Aber es ist auch eine Schwäche: Die Prioritäten setzt nicht ein Produktmanager, sondern der Zufall des Community-Engagements. Unternehmen, die auf Nextcloud setzen, müssen damit leben, dass die IoT-Funktionalität nicht auf dem gleichen Niveau wie spezialisierte Systeme sein wird – zumindest vorerst.
Fazit: Ein nützliches Werkzeug mit klaren Grenzen
Nextcloud Z-Wave ist kein Allheilmittel für die Smart-Home-Steuerung, aber für eine bestimmte Zielgruppe ein echter Gewinn. Wer bereits Nextcloud im Einsatz hat und einen unkomplizierten Einstieg in die Gebäudeautomation sucht, ohne sich mit einer zweiten Plattform herumzuschlagen, findet hier eine solide Lösung. Die Integration ist einfach, die Sicherheit grundsolide (mit den genannten Einschränkungen), und die Datenhoheit bleibt gewahrt. Für Administratoren, die ohnehin regelmäßig auf der Nextcloud-Oberfläche unterwegs sind, entfällt der Wechsel zwischen verschiedenen Dashboards – ein nicht zu unterschätzender Komfortgewinn.
Auf der anderen Seite steht eine App, die in vielen Bereichen noch unfertig wirkt: fehlende Automatisierungslogik, eingeschränkte Gerätekompatibilität, veraltete Bibliotheken und eine überschaubare Dokumentation. Power-User, die komplexe Szenarien fahren wollen, werden schnell an ihre Grenzen stoßen. Und wer auf der Suche nach einer zukunftssicheren IoT-Plattform ist, wird sich fragen, ob Z-Wave heute noch die richtige Wahl ist – angesichts von Matter und Thread.
Mein Rat: Betrachten Sie Nextcloud Z-Wave als das, was es ist – ein erweiterndes Modul für eine bereits laufende Nextcloud-Instanz. Planen Sie nicht Ihr gesamtes Smart-Home rundherum, aber nutzen Sie es, um einzelne Geräte oder Bereiche kostengünstig und datenschutzkonform zu steuern. Für Experimente, Prototypen und kleinere Installationen ist es bestens geeignet. Für den professionellen Einsatz in großen Gebäuden oder unternehmenskritischen Prozessen würde ich jedoch zu spezialisierten Lösungen greifen – Home Assistant, KNX oder einer professionellen Gebäudeautomation mit BACnet.
Die Kombination von Nextcloud und Z-Wave zeigt einmal mehr, wie Open Source Räume eröffnet, die proprietäre Systeme nicht bieten können: die Freiheit, selbst zu entscheiden, welche Komponenten zusammenarbeiten, und die Kontrolle über die eigenen Daten zu behalten. Das hat einen Wert, der sich in Euro und Cent nur schwer beziffern lässt. In einer Zeit, in der immer mehr Geräte „intelligent“ werden, ist diese Freiheit vielleicht das kostbarste Gut überhaupt. Nextcloud Z-Wave ist ein kleiner, aber wichtiger Schritt in diese Richtung – auch wenn der Weg noch holprig ist.
Wer sich auf dieses Abenteuer einlässt, sollte sich der Mühen bewusst sein. Aber die Belohnung ist ein Stück digitale Souveränität, das man mit keiner Cloudlösung der großen Anbieter bekommt. Und das ist letztlich der Grund, warum Nextcloud und Z-Wave trotz aller Unzulänglichkeiten eine Symbiose eingehen, die man im Auge behalten sollte. Die Reise hat gerade erst begonnen.