Eine Frage der Erwartung
Ein IT-Koordinator eines Betriebs mit gut 200 Beschäftigten erzählte mir kürzlich, er habe die Nase voll von der alten Haus-Website, die auf einem gemieteten Webhosting-Server vor sich hin rostet. Sein Wunsch klingt nach Standard: ein paar Seiten, ein Terminkalender, eine kleine Wissensdatenbank. Wer etwas veröffentlichen möchte, soll sich anmelden können – und am liebsten soll es dafür keinen zusätzlichen Server geben. Er habe jetzt von einer Sache gehört, die sich „Nextcloud CMS Page“ nennt. Ob das nicht endlich die Lösung für seine Anforderungen sei?
Es war eine Frage, die mehr über den Stand der Dinge verrät als mancher Vortrag über „moderne Arbeitswelten“. Nextcloud, die selbst gehostete Dateiablage, als Content-Management-System? Die erste Ernüchterung folgt auf dem Fuß. Klassische CMS-Plattformen wie WordPress, Joomla oder Contao sehen grundlegend anders aus: Sie trennen Inhalt, Darstellung und technische Konfiguration in einem eigenen Datenmodell, verfügen über ein ausgefeiltes Redaktionsrechtesystem und sprechen mit ihren Autoren vor allem über den Browser. Nextcloud CMS Page will diesen Werkzeugkasten nicht ersetzen. Es will eine Brücke schlagen – und genau das macht den Reiz aus, aber auch die Verwirrung.
Wer mit Nextcloud bislang nicht viel anfangen kann, dem sei es kurz erklärt: Es ist eine Open-Source-Plattform, die Unternehmen, Behörden und Schulen auf dem eigenen Server betreiben können. Dort liegen nicht nur Dokumente und Multimedia-Dateien, sondern auch Kontakte, Kalender, Aufgaben, Chats und inzwischen ganze Office-Dokumente. Der entscheidende Unterschied zu den großen Cloud-Diensten aus den USA ist der Anspruch, dass alle Daten unter eigener Kontrolle bleiben. Vor allem im deutschsprachigen Raum hat sich Nextcloud deshalb längst zu einer Art Grundausstattung für datensparsame Organisationen entwickelt. „Selbst gehostet“ heißt dabei nicht automatisch „selbst gestrickt“: Die Plattform lässt sich zentral administrieren, überwachen und über das eingebaute App-System erweitern.
An dieser Stelle kommt CMS Page ins Spiel. Diese App bedeutet den Versuch, einzelne Inhaltsseiten direkt in der Nextcloud-Umgebung entstehen und veröffentlichen zu lassen, ohne dass dafür eine zweite Software aufgemacht werden muss. Die Grundidee ist bestechend einfach: Eine Seite ist nicht mehr als eine Datei – man kann sie anlegen, bearbeiten, kommentieren und in der Versionierung wiederherstellen. Statt sich um Datenbanktabellen und PHP-Footnotes kümmern zu müssen, wird der gewohnte Umgang mit Ordnern und Dokumenten zum redaktionellen Prinzip.
Wie die App ins Bild passt
Wer im App-Verzeichnis von Nextcloud nach „CMS Page“ sucht, stößt auf eine Erweiterung, die man am ehesten als schlanken Content-Manager beschreiben kann. Die App gehört nicht zum offiziellen Pflichtprogramm der Nextcloud GmbH, sondern ist ein Stück Community-Arbeit, das je nach Version mal besser und mal schlechter gepflegt wird. Ein interessanter Aspekt ist dabei, dass sie auf einem Paradigma aufbaut, das inzwischen auch die großen Hersteller wiederentdeckt haben: Dateien als Quellen der Wahrheit.
Konkret heißt das: Inhalte liegen in einem normalen Nextcloud-Ordner, den der Administrator festlegt. Die App wertet diesen Ordner aus und stellt die Struktur als Website beziehungsweise als Seitenbaum dar. Wer eine neue Seite anlegen möchte, erstellt eine Textdatei – in der Regel im Markdown-Format – und ordnet sie einem Verzeichnis zu. Die CMS-Erweiterung kümmert sich darum, dass diese Datei als HTML-Seite über das Webinterface oder eine geteilte URL erreichbar ist. Möchte man ein Bild einbinden, lädt man es einfach in einen Bilderordner und referenziert es wie in einem normalen Textdokument. Ein Datenbank-Schema, das gepflegt werden muss, entsteht dabei nicht. Es ist im Prinzip so, als würde man seine Website in einem gut strukturierten Laufwerk ablegen – nur eben mit sauberer Ausgabe und der ganzen Nextcloud-Infrastruktur dahinter.
Man kann es drehen und wenden, wie man will: Auf den ersten Blick ist das nichts Sensationelles. Die App erfindet das Content-Management nicht neu. Aber sie fügt sich in die alltägliche Arbeit so nahtlos ein, dass manche Kollegen gar nicht merken, dass sie gerade an einer „Website“ arbeiten. Für viele Organisationen ist genau das ein entscheidender Vorteil. Wer es gewohnt ist, Projektstände, Protokolle und Anleitungen als Dokumente in der Cloud abzulegen, muss nicht plötzlich die Denkweise eines Webredakteurs annehmen. Er kann weiterhin in seiner gewohnten Umgebung schreiben – und das Ergebnis sieht später wie eine schlichte, aber ordentliche Webseite aus.
Nicht zuletzt gegenüber klassischen Wikisystemen zeigt sich hier ein Unterschied: Ein Wiki lebt von der ständigen Verlinkung zwischen Artikeln und davon, dass Inhalte kleinteilig wachsen. CMS Page bleibt näher an der klassischen Website-Struktur mit Haupt- und Unterseiten. Das ist für Fälle gedacht, in denen eben nicht ein wild wucherndes Wissensnetz entstehen soll, sondern ein überschaubarer Auftritt: ein paar Seiten für das Intranet, eine Abteilungs-Website, eine Projektseite mit Zwischenständen oder eine Sammlung von FAQ. Struktur statt Chaos, könnte man sagen.
Installation und erste Schritte
Die Installation ist kein Hexenwerk. Wenn man die App nicht direkt über das Nextcloud-App-Interface installiert, legt man sie im Apps-Verzeichnis des Servers ab und aktiviert sie anschließend auf der Kommandozeile. Dazu genügt ein Aufruf in der gewohnten occ-Konsole – Nextcloud-Administratoren kennen das Prozedere von zahlreichen anderen Erweiterungen auch. Ein kleiner Hinweis am Rande: Wer occ verwendet, sollte zuvor ein Backup des Systems haben. Das ist keine spezielle CMS-Page-Eigenschaft, aber bei vielen Nextcloud-Modulen ist es einfacher, sie sauber zu deinstallieren, wenn sie sich – wie hier üblich – nur im Dateisystem ausbreiten. Nach der Aktivierung erscheint die App im Anwendungsmanager. Es reicht nicht, sie nur für den Administrator sichtbar zu schalten; gerade in größeren Umgebungen sollte man sich früh überlegen, welchen Gruppen das Modul zur Verfügung stehen soll.
Weniger angenehm überrascht sind dagegen Einsteiger, die nach der Installation keinen einladenden Konfigurationsassistenten vorfinden. Die App setzt grundlegende Nextcloud-Kenntnisse voraus. Man muss wissen, was Gruppen und Ordnerfreigaben sind, wie Benutzerverzeichnisse aufgebaut sind und wo die eigenen Daten liegen. Ein Konfigurationsfeld in den App-Einstellungen erwartet den Namen oder Pfad des Verzeichnisses, das als Content-Quelle dienen soll. Danach ist etwas technisches Verständnis gefragt, wenn es darum geht, die passende Menüreihenfolge festzulegen oder URLs zu definieren. Für einen Administrator, der sich schon einmal mit Apache-VirtualHosts beschäftigt hat, ist das kein Hindernis. Für jemanden, der bisher nichts weiter tat, als Nextcloud per Docker-Container zu starten, kann es durchaus eine kleine Durststrecke sein.
Erstaunlich schnell ist dagegen das erste Erfolgserlebnis erreicht: Eine Textdatei anlegen, ein paar Sätze hineinschreiben, die Datei in dem konfigurierten Ordner ablegen – schon lässt sich die Seite im Browser aufrufen. Was fehlt, ist die oft bemühte „schöne Oberfläche“ mit Blöcken, Drag-and-drop und Gestaltungsfreiheit. Dafür bekommt man ein System, das man sofort versteht und das sich mit den vorhandenen Werkzeugen steuern lässt. Wer schon einmal mit statischen Seitengeneratoren wie Hugo oder Jekyll gearbeitet hat, dem kommt das Konzept bekannt vor: Der Inhalt ist die Datei, das Layout ist zweitrangig. CSS-Templates sorgen für eine einheitliche Darstellung, aber niemand erwartet ein pixelgenaues Marketing-Juwel.
Ein interessanter Aspekt ist die enge Verzahnung mit den Berechtigungen. Da CMS Page auf Nextcloud-Ordnern basiert, gelten automatisch die Zugriffsrechte, die man für andere Dateien ohnehin verwendet. Öffentliche Seiten erlauben den Zugriff für alle, die den Link kennen, sofern der Administrator das zulässt. Interne Seiten hingegen lassen sich auf einzelne Gruppen beschränken. Damit ist man nah an dem, was sich viele Firmen wünschen: eine Website, die nicht entweder völlig öffentlich oder streng geheim ist, sondern in der einzelne Bereiche verschiedene Zielgruppen sehen. So kann die allgemeine Mitarbeiterinformationsseite für jeden in der Firma gelten, die Projektdokumentation nur für das jeweilige Team. Diese Berechtigungslogik muss man nicht extra einrichten, sie ergibt sich aus der Nextcloud-Struktur.
Redaktionsalltag: Dateien werden Inhalte
Wenn man sich mit CMS Page näher beschäftigt, stellt sich schnell die Frage: Wie fühlt sich die tägliche Arbeit damit an? Die Antwort ist angenehmer, als Skeptiker vermuten würden. Wer eine Seite editieren möchte, öffnet sie im Nextcloud-Texteditor. Da die Inhalte als Markdown vorliegen, gibt es keine störenden Formatierungsprobleme. Überschriften, Aufzählungen, Zitate und Verlinkungen funktionieren ohne Mausgebastel. Und weil Markdown inzwischen in vielen technischen Teams Standard ist, fällt der Einstieg erstaunlich leicht. Für Redakteure, die lieber in Word denken, mag das ungewohnt sein, aber es gibt genug nächste Schritte: parallel zum internen Editor kann man auch externe Programme auf die Dateien loslassen, sofern sie per WebDAV oder Desktop-Client mit der Cloud verbunden sind.
Die Versionskontrolle ist einer der großen Pluspunkte. Nextcloud speichert bei jeder Bearbeitung eine ältere Fassung. Wenn jemand versehentlich einen ganzen Absatz löscht oder eine Seite verunstaltet, lässt sich der Zustand per Mausklick wiederherstellen. In einem klassischen CMS muss dafür ein Plugin installiert sein, und in manchen Konstruktionen ist es nicht möglich, zwischen verschiedenen Versionen so bequem hin- und herzuspringen. In Nextcloud gehört das seit Jahren zum Standard. Das ist kein Geld in der Marketingabteilung wert, aber in der Praxis oft der Unterschied zwischen einem technischen Spielzeug und einem Werkzeug, dem man vertraut.
Ein weiterer Bereich ist das Kommentieren. Da CMS Page auf die Nextcloud-Dateien aufsetzt, kann man zu jeder Inhaltsseite direkt in der Plattform Kommentare schreiben. Das ist etwas anderes als die typische Website-Kommentarfunktion, bei der Leser unter einem Artikel ihre Meinung hinterlassen. Es ist eher ein internes Redaktionsgespräch. Jemand legt eine neue Seite an, ein Kollege merkt an, dass die Formulierung noch überarbeitet werden muss, die nächste Version lässt sich gezielt planen. Damit bekommt ein Kleinst-Redaktionsteam das, wofür man in großen Verlagen oft eigene Software einkauft: einen nachvollziehbaren Weg von der Entstehung bis zur Veröffentlichung.
Nicht verschwiegen werden soll, dass die Auswahl an Vorlagen überschaubar ist. Wer sich ein modernes Design mit vielen Gestaltungsmöglichkeiten erhofft, wird enttäuscht. Die App setzt auf Einfachheit und klare Typografie. Das kann man als Beschränkung sehen oder als Befreiung von der ständigen Layout-Last. Wer schlanke, wenig verschnörkelte Seiten bevorzugt, lebt damit gut. Und wer es ansprechender braucht, muss ohnehin ins Dateisystem eingreifen und ein eigenes CSS-Template anlegen. Dafür fehlt allerdings ein sichtbarer Editor; man schreibt Code, nicht Mausklicks. Für einen mittelständischen Betrieb ist das inzwischen meistens in Ordnung, weil ohnehin jemand im Team vorhanden ist, der die Grundzüge von HTML und CSS beherrscht.
Ein Redaktionsalltag besteht aber nicht nur aus Schreiben und Gestalten, sondern auch aus Organisieren. CMS Page erweitert die Plattform hier nicht um ein eigenes Rechte-Workflow-Tool. Man kann also keine Kette „Entwurf – Prüfung – Freigabe – Veröffentlichung“ einrichten, die hart an die Benutzerführung gekoppelt ist. Diese Aufgabe muss man sich selbst bauen – etwa über Folder-Watches, Aufgaben in der Nextcloud-App Deck oder durch eine klare Ordnerlogik. Das ist ein Stück Selbstdisziplin. Manche Teams vermissen das, andere stört es nicht, weil sie die Freigabe über Besprechungen und Mails ohnehin längst geregelt haben. Es wäre aber unehrlich, das nicht zu erwähnen: eine vollwertige Publishing-Pipeline ist CMS Page nicht.
Technischer Blick unter die Haube
Ein Artikel über Nextcloud und CMS Page käme ohne einen kurzen Blick auf die Technik nicht aus. Die App lebt davon, dass Nextcloud selbst eine weitgehend stabile Plattform bereitstellt. Sämtliche Anfragen – ob über den Browser, einen WebDAV-Client oder die mobile App – laufen in der Nextcloud-Infrastruktur zusammen. Wenn diese Infrastruktur langsam ist, wird auch das CMS nicht schnell. Wer CMS Page produktiv einsetzen will, sollte also zuerst in einen ordentlichen Server und in eine saubere Konfiguration investieren. Es bringt wenig, die App als Feigenblatt zu nutzen, während die zugrunde liegende Nextcloud-Instanz bei jedem Seitenaufruf müde PHP-Finger heben muss.
Die App selbst ist, je nach Ausbaustufe, eine Mischung aus Routinen im Hintergrund und neu angelegten Endpunkten. Sie liest die Inhaltsdateien ein, bereitet Metadaten auf und reichert die Ausgabe mit Grundlagen wie Navigation oder Seitentiteln an. Ein konstantes Neuinterpretieren bei jedem Seitenaufruf wäre allerdings unnötig. Deshalb verwenden ähnliche Erweiterungen Caching. Auch CMS Page verfügt über Mechanismen, um bereits generierte Darstellungen vorzuhalten und die Serverlast zu begrenzen. Das gilt besonders dann, wenn eine Seite öffentlich zugänglich ist und nicht nur von internen, angemeldeten Benutzern aufgerufen wird. Der Administrator sollte die Cache-Einstellungen im Blick behalten, sonst kommen Änderungen unter Umständen nicht sofort beim Betrachter an.
Neben dem klassischen Webserver-Setup mit Apache oder Nginx läuft Nextcloud nicht selten in Docker-Containern oder auch in Kubernetes-Umgebungen. CMS Page verhält sich dabei – gelinde gesagt – unkompliziert. Da es keine eigenen Datenbankinstanzen anlegt, eignet es sich durchaus für containerisierte Betriebsarten. Die Inhaltsverzeichnisse liegen im persistenten Storage oder in entsprechend eingebundenen Volumes. Wer möchte, kann die App in einem einzelnen Container mitlaufen lassen, solange der Zugriff auf die Nextcloud-Daten gesichert ist. Nicht zuletzt aus diesem Grund beobachten wir die Entwicklung solcher Anwendungsmodule genauer als früher: Sie zeigen, dass Nextcloud nicht mehr nur ein Datei-Tresor ist, sondern zunehmend als Betriebssystem für kleine digitale Arbeitswelten fungiert.
Dabei zeigt sich ein interessanter Unterschied zu Web-CMS im klassischen Sinn. Dort sind Title, Slug, Meta-Beschreibung, Autor und Veröffentlichungsdatum in einem eigenen Datenmodell untergebracht. Bei CMS Page stehen diese Angaben meistens als Metadaten am Anfang der Textdatei, sogenanntes Frontmatter. Es ist die gleiche Technik, die man von statischen Blog-Generatoren kennt. Wer schon einmal eine Hugo-Seite konfiguriert hat, findet sich sofort zurecht. Wer lieber alles über Formulare eintippt, muss sich darauf einlassen, am Anfang einer Markdown-Datei einige Zeilen im vorgegebenen Schema einzufügen. Das ist kein Hexenwerk, aber eine kleine Umstellung.
Einsatzszenarien und ihre Tücken
Beim Blick auf reale Anwendungen fallen vor allem drei Bereiche auf: Intranet, Projektkommunikation und Bildung. Ein Intranet auf Basis von CMS Page ist eine elegante Lösung, wenn die Umgebung ohnehin auf Nextcloud läuft. Das Unternehmen bekommt eine zentrale Anlaufstelle mit aktuellen Mitteilungen, ablauforganisatorischen Hinweisen, Urlaubsregelungen und internen Kontakten. All das kann bei Bedarf aus der Cloud heraus gespeist werden. Verantwortliche müssen keine neue Software erlernen, und der gesamte Datenbestand ist für die IT-Abteilung an einem Ort sichtbar.
Für Projektteams kann die App ebenfalls nützlich sein. Anstatt Projektstände als E-Mails zu verschicken oder sie mühsam in Tabellen zu erfassen, wird eine kleine Seite zum Statusbericht. Jedes Teammitglied kann darin Änderungen vornehmen, und wer die Seite aufruft, sieht den jeweils aktuellen Stand. Da Nextcloud die Lesezeichen und Freigaben verwaltet, bleibt nachvollziehbar, wer überhaupt Zugriff hat. Das ist vor allem in interdisziplinären Gruppen hilfreich, in denen nicht jede Person ein Interesse daran hat, die neueste Software zu erlernen. Eine Seite im Browser ist überschaubarer als ein Ordnerpfad, der in einem Dateimanager aufgerufen wird.
Im Bildungsbereich sind es häufig Schulen und Hochschulen, die Nextcloud einsetzen, etwa über die sogenannte „Nextcloud für Schulen“-Lösung in verschiedenen Bundesländern. Hier lassen sich über CMS Page Kursinformationen, Materiallisten und Hinweise für Eltern bereitstellen – geschützt durch die Zugangsdaten der Lernplattform. Öffentliche Seiten hingegen sollte man besser nicht unbedingt in der App abbilden wollen. Eltern ohne Nextcloud-Zugang müssten sich jedes Mal durch eine Freigabe-Logik hangeln, und für die große Schulwebsite gibt es im Zweifel bessere Werkzeuge. Eine Ausnahme sind kleine Projektpräsentationen, die zeitlich begrenzt unter einem öffentlichen Link stehen.
Die Tücken zeigen sich in der Detailarbeit. Wer viele Besucher und viel Traffic erwartet, wird die App an ihre Grenzen führen. Nextcloud ist kein Hochleistungs-Webserver. Die Plattform ist auf kollaboratives Arbeiten mit angemeldeten Benutzern ausgelegt, nicht auf eine unbegrenzte Anzahl anonymer Zugriffe. Zwar lassen sich einzelne CMS-Seiten öffentlich teilen, doch je stärker sie genutzt werden, desto eher spürt man die Last. Eine öffentliche Marketing-Website mit mehreren tausend Besuchern pro Tag sollte also weiterhin auf einem dedizierten CMS oder einem statischen Seitengenerator laufen. CMS Page ist kein Ersatz dafür, sondern eine sinnvolle Ergänzung in der eigenen Cloud.
Ein weiteres Problem kann die Suchfunktion sein. Die Volltextsuche von Nextcloud findet inzwischen viele Dateitypen, doch der Schwerpunkt liegt nicht auf der Optimierung von öffentlichen Web-Inhalten. Suchmaschinenoptimierung im klassischen Sinne – etwa gezielte Snippets oder saubere Indexierung durch Google – ist nicht die Kernkompetenz dieser App. Wer möchte, kann einzelne Seiten über den öffentlichen Link ins Web bringen, aber wer auf organischen Suchverkehr angewiesen ist, muss eine CMS-Lösung mit entsprechenden SEO-Werkzeugen verwenden. In einem internen Intranet spielt das kaum eine Rolle; dort ist eher die schnelle Auffindbarkeit über die firmeneigene Suche relevant.
Datenschutz als Argument
Ein entscheidender Vorteil, der im deutschsprachigen Raum vielerlei Argumentationen überstrahlt, ist die Datenschutzfrage. CMS Page setzt auf Nextcloud auf, und Nextcloud kann auf dem eigenen Server oder bei einem europäischen Provider betrieben werden. Damit unterliegen Inhalte nicht automatisch den Datenschutzregeln eines US-Konzerns oder der unsicheren Rechtslage von Drittstaaten. Vor allem öffentliche Einrichtungen, Gemeinden und Unternehmen mit strengen Compliance-Vorgaben schätzen diesen Umstand. Es gibt zwar durchaus europäische Cloud-Angebote für Nextcloud, aber die Grundfrage bleibt dieselbe: Wer die Kontrolle über die Daten behalten möchte, fährt mit einer selbst gehosteten Lösung tendenziell besser.
Natürlich ist Nextcloud kein Freibrief. Eine Software allein macht noch keinen Datenschutz. Es müssen Serverstandort, Zugriffsrechte, Verschlüsselung, Backups, Notfallkonzepte und die Verarbeitung von Zugriffsprotokollen klar geregelt sein. CMS Page setzt keine eigenen Akzente, sondern erbt die Rahmenbedingungen der Plattform. Wenn die Nextcloud-Instanz sauber konfiguriert ist, gilt das automatisch auch für die Inhaltsseiten. Wenn sie schlecht konfiguriert ist, nützt auch die beste App nichts. Ich beobachte immer wieder, dass Organisationen die hohen Erwartungen an die Datenschutzfreundlichkeit von Nextcloud nicht mit entsprechenden Test- und Auditprozessen unterlegen. Das ist keine Kritik an der Software, sondern an der Praxis.
Erfreulicherweise bringt die App in diesem Punkt ein Stück Transparenz mit: Da alle Inhalte als normale Dateien in der Nextcloud-Cloud vorliegen, lassen sie sich leicht exportieren, sichern und überprüfen. Man muss keinem proprietären Datenbankformat vertrauen. Wer sich irgendwann entscheidet, CMS Page nicht mehr zu verwenden, kann die Dateien in andere Systeme überführen oder weiterhin als Dokumente nutzen. Diese Offenheit ist in Zeiten von Cloud-Lock-in nicht zu unterschätzen. Es ist ein Grund, warum gerade technisch versierte Nutzer der App gegenüber wohlwollender sind als manche Mitbewerber.
Was CMS Page nicht kann
Wer einen ausgewogenen Artikel schreibt, kommt an einer unbequemen Wahrheit nicht vorbei: CMS Page ist nicht das Ei des Kolumbus. Es gibt Situationen, in denen die App schlicht an ihre Grenzen stößt, und zwar schneller, als es die Werbebroschüre eines Softwareherstellers glauben machen will.
So fehlt ein professionelles Layout-Management. Wer eine Website im Corporate Design benötigt, mit unterschiedlichen Kopfzeilen für einzelne Unternehmensbereiche oder komplexen responsiven Darstellungen auf allen Endgeräten, der wird mit CMS Page nicht glücklich. Zwar sind grundlegende Anpassungen im CSS möglich, aber die App bildet keine grafischen Vorlagen im Editor ab. Man arbeitet weiterhin mit Textdateien und muss sich das Design durch die Template-Fassung aneignen, statt es im Browser zusammenzuklicken. Das mag Vorteile haben, weil weniger Abhängigkeit von Designern entsteht, aber es ist kein Werkzeug für klassische Marketingabteilungen.
Ebenfalls nicht vorhanden ist eine ausgefeilte Planungskomponente. Mehrsprachige Seiten etwa lassen sich nur über Dateiablagen realisieren, die der Administrator mitdenken muss. Ein Sprachumschalter für Besucher, der automatisch die richtige Übersetzung anzeigt, gehört nicht zum Basisumfang. Es gibt weder ein Mehrsprachen-Modul noch ein ausgeprägtes Rollenmodell für Übersetzer. Für viele mittelständische Unternehmen, die Inhalte in Deutsch und Englisch anbieten, ist das ein Grund, doch lieber auf ein größeres CMS zu setzen. In rein internen Systemen mag das keine Rolle spielen, aber sobald das öffentliche Web angesprochen wird, wird diese Lücke schmerzhaft.
Noch ein Punkt, der oft unterschätzt wird: die Pflege der Software selbst. CMS Page ist keine riesige kommerzielle Anwendung, die ein großes Entwicklerteam ständig weiterentwickelt. Wie viele Nextcloud-Erweiterungen hängt ihr Lebenszyklus an ehrenamtlichem Engagement oder an der Nachfrage aus der Community. Das kann bedeuten, dass eine neue Nextcloud-Hauptversion erscheint und die App noch nicht angepasst ist. Manche Betriebe mögen das locker sehen, doch im professionellen Einsatz ist eine derartige Abhängigkeit ein relevantes Risiko. Die IT-Abteilung muss sich daher vorab damit beschäftigen, wie schnell Updates der Erweiterung erscheinen und ob es eine Alternative im Notfall gibt.
Alternativen im Nextcloud-Universum
Natürlich ist CMS Page nicht die einzige Möglichkeit, in Nextcloud Inhalte zu verwalten. Wer ein Wiki mit verschachtelten Seiten sucht, wird inzwischen auf Collectives aufmerksam. Diese App ist vergleichsweise komfortabel, weil sie Seitenstrukturen anbietet, eine Volltextsuche über die Inhalte ermöglicht und sich sehr eng in die Nextcloud-Umgebung einfügt. Collectives kann man fast als den kleinen Bruder von CMS Page bezeichnen, allerdings mit anderem Fokus. Während Collectives stärker die kollaborative Wissensarbeit abbildet, versucht CMS Page, Inhalte in einer webseitenartigen Form darzustellen. Für viele Einsatzfälle sind beide Werkzeuge denkbar; man muss nur wissen, ob man eher ein Team-Wiki oder eine kleine Web-Präsenz möchte.
Ein weiteres Modul, das immer wieder ins Spiel kommt, ist Deck. Es ist ein Projekt- und Aufgabenboard, das auf Kanban-Prinzipien beruht und sich nicht als CMS versteht. Trotzdem lassen sich Deck-Karten mit Notizen, Dateien und Checklisten anreichern, sodass auch dort kleine redaktionelle Prozesse abgebildet werden können, etwa das Erstellen von Wochenberichten. Wer jedoch mehr will als ein Aufgaben-Tool, wird an Deck keine Freude haben: Es fehlt die feinere Struktur für Seiten, Unterordnungen und Veröffentlichungsansichten. CMS Page ist da schon näher an einem Website-Konzept dran, auch wenn seine Benutzeroberfläche weniger spielerisch wirkt.
Interessant ist auch ein Vergleich mit Nextcloud Office, der eingebauten Dokumentenbearbeitung. In der Praxis zeigt sich, dass viele Menschen dazu neigen, längere Inhalte in Writer zu verfassen und anschließend in ein CMS zu kopieren. CMS Page kann das überflüssig machen, indem es die Inhalte direkt in der Datenablage lässt. Allerdings nutzt Nextcloud Office das OpenDocument-Format; CMS Page bevorzugt Markdown. Dadurch kommt es kaum zu einem direkten Konkurrenzverhältnis. Die eine Seite ist die Büro-Arbeit, die andere die strukturierte Web-Ausgabe – idealerweise ergänzen sie sich: Man schreibt im Editor, exportiert als Markdown und hat damit die Grundlage für eine Seite. Das ist kein automatischer Prozess, aber immerhin eine schlanke Linie.
Außerhalb der Nextcloud-Welt gibt es natürlich viele Alternativen. Wiki.js verfolgt ein ähnliches Prinzip, legt Inhalte jedoch in einer eigenen Datenbank ab. WordPress bleibt das Maß der Dinge, wenn es um Plugins, Themes und die breite Verfügbarkeit von Entwicklern geht. Und wer ohnehin kein Problem mit modernen Web-Techniken hat, für den führen Static-Site-Generatoren wie Astro oder Jekyll möglicherweise zu den besten Ergebnissen. Sie benötigen keinerlei Datenbank, erzeugen blitzschnelle Seiten und können direkt in der Cloud gehostet werden. Der Nachteil ist, dass sie keine interaktive Redaktionsoberfläche bieten. CMS Page liegt irgendwo dazwischen und macht deutlich, welche Vorteile die Kombination aus Cloud-Speicher und einfacher Webausgabe hat.
Einordnung: Wo die Reise hingeht
Ob CMS Page sich auf Dauer als eigenständige App behaupten kann, hängt davon ab, ob die Community das Projekt mitnimmt. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein nützliches Modul in den Nextcloud-Hauptentwicklungsstrang aufgesogen wird. Nextcloud selbst sammelt seit Jahren Features ein, die zunächst als separate Erweiterungen existierten. Die Idee, Inhalte als Dateien in der Cloud zu verwalten und sie als Webseiten auszugeben, liegt nahe. Sie könnte sich in einem späteren Produktzyklus als eigene Funktion von Nextcloud wiederfinden, ohne dass man eine separate App installieren muss. Vor allem die wachsende Bedeutung von Nextcloud als digitaler Drehscheibe für Teams macht solche Entwicklungen wahrscheinlich.
Schon heute ist Nextcloud mehr als nur ein Datentresor. Wer das System mit Office, Chat, Videokonferenz und Gruppenordnern betreibt, hat praktisch eine kleine Arbeitsplattform. CMS Page ergänzt diese Plattform um eine schlanke Veröffentlichungsschicht. Sie richtet sich an Menschen, die nicht ständig zwischen verschiedenen Systemen wechseln wollen: Sie bleiben in der gewohnten Umgebung, um Dokumente zu teilen, gemeinsam zu bearbeiten und schließlich etwas auf einer Website sichtbar zu machen. Das ist ein Stück Digitalisierung, wie sie im Alltag stattfindet – unspektakulär, aber wirksam.
Manche werden nun einwenden, dass ein solches System weder die Performance noch die Flexibilität eines etablierten CMS erreicht. Das stimmt. Aber im IT-Bereich geht es nicht immer darum, das theoretisch beste Werkzeug einzusetzen, sondern dasjenige, das im Betrieb funktioniert. Wenn der Schulungsaufwand gering ist, die Daten an einem Ort liegen und die Rechteverwaltung in die bestehende Cloud integriert ist, dann sind das Vorteile, die man nicht leichtfertig übergehen sollte. Für wen die App zu schwach ist, der wird zu WordPress oder einem Wiki greifen. Für Teams, die ohnehin in Nextcloud arbeiten, ist CMS Page aber einen genaueren Blick wert.
Ich wage eine Prognose: Die Zukunft gehört nicht den großen, monolithischen CMS-Dinosauriern, sondern einer durchdachten Kombination aus Speicher, Kollaboration und Ausgabe. Nextcloud hat mit seiner offenen Architektur gute Karten, diese Rolle zu spielen. CMS Page ist ein erster, wichtiger Schritt in diese Richtung – auch wenn die Software noch nicht überall ausgereift ist. Es wäre gelacht, wenn genau dieser Ansatz nicht weiterentwickelt würde, haben wir es doch mit einer der bekanntesten Cloud- und Open-Source-Plattformen aus dem deutschsprachigen Raum zu tun. Das Interesse an derartigen Lösungen ist ja nicht das Problem; die Frage ist nur, wer sich langfristig um die Pflege kümmert.
Für den IT-Koordinator aus dem Eingangsbeispiel lässt sich das Fazit klar formulieren: Wer ein kleines, klares Seitenkonstrukt im bestehenden Nextcloud-System aufziehen will, kann mit CMS Page schnell eine brauchbare Lösung aufbauen. Wer dagegen eine nach außen gerichtete Website mit Gestaltungsanspruch und optimierter Reichweite betreibt, sollte lieber auf bewährte Spezialisten setzen. Und dazwischen gibt es genügend Fälle, in denen eine einfache, offene und datenschutzfreundliche Anwendung genau das richtige ist. Das Beste am Open-Source-Gedanken ist, dass man nicht ewig auf fertige Produkte warten muss. Man kann sich aus dem Baukasten bedienen, den Nextcloud ohnehin schon bietet – und CMS Page gehört inzwischen zu den Fächern in diesem Baukasten, die man kennen sollte.