Nextcloud Music als Alternative zu Streamingdiensten

Die eigene Musiksammlung ist ein seltenes Gut geworden. In Zeiten, in denen Streaming-Dienste den Zugriff auf nahezu jeden Titel versprechen, wirkt eine lokal gespeicherte Bibliothek beinahe antiquiert. Doch spätestens wenn man sich dabei ertappt, wie man denselben Algorithmus verdächtigt, einem immer wieder die gleichen Lieder unterzuschieben, oder wenn ein Album vom Dienst verschwindet, weil Lizenzverhandlungen gescheitert sind, keimt der Gedanke an Selbstbestimmung. Wer bereits Nextcloud nutzt, um Dateien zu synchronisieren, Kontakte zu verwalten oder Dokumente zu teilen, stößt früher oder später auf das Ökosystem rund um die Musik. Nextcloud Music ist das bekannteste Projekt in diesem Umfeld, aber längst nicht das einzige. Der Anspruch dahinter ist nicht weniger als das eigene Streaming-Erlebnis ins eigene Haus zu holen, weitgehend ohne Cloud-Monopol, ohne Werbung und ohne das Gefühl, nur Mieter in einem fremden System zu sein.

Was sich in der Praxis bewährt und wo die Tücken liegen, soll dieser Artikel zeigen. Es geht um die Installation, um die Arbeit mit großen Bibliotheken, um den Klang über verschiedene Geräte, um die Einbindung in bestehende Abläufe und auch um die Frage, ob man nicht besser zu einer spezialisierten Software greift. Natürlich kommt man dabei nicht umhin, ein paar Grundlagen zu erwähnen, doch das eigentliche Interesse gilt der Frage: Wie gut ist die Musiklösung innerhalb von Nextcloud wirklich?

Von der Dateiablage zum Abspielgerät

Nextcloud ist in erster Linie eine Plattform, keine fertige Anwendung für einen einzigen Zweck. Das Prinzip ist modular, und genau hier liegt die Stärke. Wer Musik in der Cloud speichert, hat zunächst nur Dateien auf einem Server liegen, in einem Ordner, der von verschiedenen Geräten aus erreichbar ist. Das schafft Ordnung, aber noch kein Hörerlebnis. Dafür braucht es einen Weg, diese Dateien nicht nur zu verwalten, sondern auch abzuspielen. Man könnte zwar einfach die Dateien über den Browser herunterladen oder per VLC-Stream öffnen, aber komfortabel ist das nicht, vor allem nicht unterwegs. Die Offizielle Nextcloud-App für Android und iOS besitzt zwar einen eigenen Mediaplayer, der rudimentär funktioniert, aber für eine ernsthafte Nutzung fehlen dort Funktionen wie Wiedergabelisten, Caching für offline hören oder eine ansprechende Oberfläche. Genau hier setzt die App „Music“ an, die es seit vielen Jahren gibt und die unter dem Dach von Nextcloud weiterentwickelt wird.

Die Grundidee ist simpel: Die App scannt die im Nextcloud-Speicher abgelegten Musikdateien, liest die Metadaten aus und erstellt daraus eine Datenbank. Diese Datenbank kann dann nach Interpreten, Alben, Titeln oder Genres durchsucht werden, ganz ähnlich wie bei iTunes oder einer lokalen Musikverwaltung. Dass dieser Scan nicht sofort nach dem Hochladen passiert, sondern regelmäßig über sogenannte Cronjobs angestoßen wird, ist ein wichtiger Punkt. Viele Nutzer wundern sich zunächst, warum frisch hochgeladene Songs nicht sofort in der Bibliothek auftauchen. Eine kleine Verzögerung von ein paar Minuten ist normal, bei sehr großen Sammlungen kann der Scan auch schon mal einige Zeit in Anspruch nehmen. Wer sich für den Anfang einen Überblick verschaffen möchte, findet die App im Nextcloud-App-Store, der direkt über die Administration zu erreichen ist. Die Installation ist unkompliziert, die App hängt keine weiteren Abhängigkeiten an, was man nicht von allen Komponenten behaupten kann.

Die Software im Detail: Installation und erste Schritte

Nach der Aktivierung des Music-Players in Nextcloud, so heißt die App in der administrativen Oberfläche, taucht im Anwendungsmenü ein neues Symbol auf. Beim ersten Aufruf wirkt die Oberfläche schlicht, fast schon nüchtern. Aber das ist beabsichtigt. Im Vordergrund stehen die Alben, präsentiert als Cover-Ansicht, links daneben eine Kategorie-Leiste für Interpreten, Ordner oder die kürzlich hinzugefügten Titel. Bevor die App loslegen kann, muss die Musiksammlung entweder im standardmäßigen Musikordner liegen oder in einem benutzerdefinierten Verzeichnis, das in den Einstellungen der App festgelegt wird. Letzteres hat sich bewährt, weil viele Benutzer ihre Musik nicht unbedingt im üblichen Datenordner abgelegt haben, sondern vielleicht auf einer separaten Festplatte oder einem Netzwerklaufwerk, das auf dem Server gemountet ist. Nextcloud kann mit solchen externen Speichern ohnehin gut umgehen, und die Music-App respektiert diese Verzeichnisse, solange sie dem Benutzer in Nextcloud zugänglich sind.

Ein interessanter Aspekt ist die Rolle der Metadaten. Die Musik-App ist, anders als viele andere Programme, sehr stark auf die sogenannten ID3-Tags angewiesen, also auf die eingebetteten Informationen in den Dateien. Wer seine Sammlung über Jahre hinweg gepflegt hat, wird keine Probleme haben. Wer aber MP3s besitzt, die irgendwann in den frühen 2000ern aus Tauschbörsen stammen und als Dateiname nur eine kryptische Zahlenkombination tragen, bekommt eine Bibliothek zu sehen, die eher an einen Trümmerhaufen erinnert. Das ist eine gewisse Hürde, aber keine Unsittlichkeit der Software. Man sollte also damit rechnen, dass die Qualität der Sammlung den ersten Eindruck prägt. Dabei zeigt sich ein typisches Problem der Selbstverwaltung: Die Verantwortung für die eigene Datenhygiene liegt beim Nutzer. Das kann man lästig finden, hat aber auch etwas Befreiendes, schließlich kauft man dabei keine teuren Tools von Drittanbietern, sondern stellt sich der Aufgabe selbst.

Für diejenigen, die den ersten Scan durchgeführt haben, bietet die Oberfläche dann eine schnelle und flüssige Suche. Das Durchsuchen tausender Titel funktioniert erstaunlich gut, weil die App die Abfragen direkt gegen die Datenbank ausführt und nicht etwa ein Ordner-Streaming mit clientseitiger Filterung betreibt. Es gibt auch die Möglichkeit, Alben zu bewerten und als Favoriten zu markieren, was sich wiederum auf die automatisch generierte „Favoriten“-Wiedergabeliste auswirkt. Das ist ein Detail, das man sonst von komplizierteren Systemen kennt, aber hier unaufdringlich in die Benutzeroberfläche integriert ist.

Die Wiedergabe im Browser: praktisch, aber nicht perfekt

Die Musikwiedergabe im Browser ist ein heikles Thema, weil es hier auf viele technische Faktoren ankommt, nicht zuletzt auf die Bandbreite des Servers, die Kompatibilität des Browsers und die Frage, ob der Server in der Lage ist, Audio-Dateien in Formate zu konvertieren, die der Browser direkt abspielen kann. Die Nextcloud-App setzt hier auf einen Trick, den man von Streaming-Plattformen kennt: Die Dateien werden, wenn nötig, in kleinere Chunks zerlegt und fortlaufend geladen. Das ermöglicht ein Abspielen, ohne dass die gesamte Datei heruntergeladen werden muss. Klingt gut, ist in der Praxis aber manchmal etwas hakelig. Insbesondere beim Vor- und Zurückspulen innerhalb eines längeren Musikstücks kann es zu Verzögerungen kommen, die man von Diensten wie Spotify nicht kennt. Das liegt weniger an der App selbst, sondern an der Arbeitsweise des HTTP-Streamings, das hier nur schwer eine perfekte Lösung bieten kann.

In der Standardkonfiguration liefert Nextcloud die Musikdateien normal aus, was bei MP3-Dateien im Browser, egal ob Firefox, Chrome oder Safari, keine größeren Schwierigkeiten bereitet. Problematisch wird es bei Formaten wie FLAC oder anderen verlustfreien Kodierungen, die direkt im Browser nicht immer ohne zusätzliche Erweiterungen abgespielt werden können. An dieser Stelle kommt die Transkodierung ins Spiel, also die Umwandlung in ein verlustbehaftetes, aber gut komprimiertes Format wie OGG oder MP3. Allerdings: Nextcloud selbst kann dies nicht ohne Weiteres, da es keine eingebaute Audio-Transkodierung gibt. Die Music-App hat hierfür eine Schnittstelle geschaffen, die es ermöglicht, externe Konverter einzubinden, aber das ist kein Fall für den ungeduldigen Anwender. Man muss auf eine zusätzliche App ausweichen oder auf dem Server Kommandozeilenwerkzeuge wie ffmpeg installieren und konfigurieren. Das ist ein Schritt, der nicht unbedingt Missbehagen auslöst, aber doch zeigt, dass die Lösung eher für technikaffine Nutzer gedacht ist.

Wer also eine reine Browser-Lösung erwartet, die plug-and-play funktioniert, könnte enttäuscht werden. Aber die Rechnung geht aus Sicht der Entwickler auf: Der Hauptfokus liegt auf der Möglichkeit, die Musik in andere Clients zu streamen, die mit der Nextcloud-Sync-App verbunden sind oder die eine native App für das Betriebssystem des Nutzers verwenden. Und an dieser Stelle wird es spannend, denn Nextcloud besitzt ein eigenes Ökosystem für Musik, das nicht nur die eine offizielle App umfasst.

Die App für unterwegs: Nextcloud Music auf dem Smartphone

Für Mobilgeräte gibt es die Nextcloud-App selbst, die auch Musik abspielen kann, und die separat erhältliche Music-App für Android und iOS, die zwar den Namen Nextcloud trägt, aber von unabhängigen Entwicklern gepflegt wird. Die Android-Version ist dabei weit verbreitet, da sie die Verbindung zu Nextcloud-Servern über das entsprechende Protokoll herstellt. Man gibt einfach die Serveradresse ein, verbindet sich mit dem Konto und erhält dann Zugriff auf die in der Cloud abgelegte Musikbibliothek. Dabei ist es möglich, Alben oder Wiedergabelisten für die Offline-Nutzung zu speichern, was für alle diejenigen wichtig ist, die nicht dauerhaft im WLAN oder unterwegs mit teurem Datenvolumen streamen möchten.

Im Alltag erweist sich diese App als stabil und ausgereift. Die Bedienung ist einfacher als die Weboberfläche, die Darstellung der Alben und Interpreten wirkt auf dem Touchscreen fast schon entspannt. Was ein wenig stört, ist die gelegentlich träge Synchronisation, wenn man einen Titel vom Server löscht oder umbenennt. Die App merkt sich die Metadaten und übernimmt Änderungen nicht immer sofort in die lokale Datenbank. Das führt hin und wieder zu dem Phänomen, dass man einen Titel abspielen möchte, den es auf dem Server gar nicht mehr gibt. Ein kleiner Wermutstropfen, aber einer, der durch häufige Updates und die aktive Entwicklergemeinschaft weitgehend abgemildert wird.

Interessanterweise gibt es auch die offizielle Nextcloud-App, die in den letzten Jahren ihren eigenen Musikplayer deutlich verbessert hat. Man kann direkt aus der Dateiübersicht heraus Musik abspielen, ohne die separate Music-App zu öffnen. Aber diese Funktion ist eher als Notfalllösung gedacht, denn die Wiedergabe erfolgt dann nicht über die Musik-Datenbank, sondern über die Dateistruktur. Man sieht also keine Alben-Artworks und keine sinnvollen Zusatzinfos, sondern nur Ordner und Dateien. Für den gelegentlichen Hörgenuss, etwa beim schnellen Abspielen einer im Chat geteilten Audiodatei, reicht das aus. Für die eigene Musiksammlung ist die dedizierte App die bessere Wahl.

Der Faktor Stream: Wie man Musik auch außerhalb von Nextcloud nutzt

Ein Highlight, das viele Benutzer nicht auf dem Schirm haben, ist die Möglichkeit, Nextcloud als Musikserver in Kombination mit anderen Programmen zu nutzen. Dies gelingt, weil Nextcloud eine Schnittstelle bietet, die mit älteren Streaming-Protokollen kompatibel ist. Die Rede ist von Subsonic und Ampache, zwei Standards, die ursprünglich aus den Anfangstagen des Musikstreamings stammen und von vielen Open-Source-Playern bis heute unterstützt werden. Über die Music-App kann man diese API-Erweiterung aktivieren und erhält dann eine Adresse, die man in Apps wie DSub, Ultrasonic oder sogar in ältere Versionen von Clementine einbinden kann. Das klingt nach Archäologie, hat aber einen ernsten Hintergrund: Man ist dadurch nicht mehr auf die offiziellen Nextcloud-Clients angewiesen, sondern kann eine individuelle Auswahl treffen, die den eigenen Ansprüchen an Klangqualität und Bedienung entspricht.

Dabei zeigt sich, dass Nextcloud Music eher als Grundpfeiler eines eigenen Streaming-Setups taugt, denn als abgeschlossene Anwendung für sich. Wer einmal die Subsonic-API in einer modernen App wie Subtracks oder SoundWave benutzt hat, schätzt die Freiheit, den Client wechseln zu können, ohne alles neu aufzusetzen. Die API ist dabei nicht besonders schnell, aber sie funktioniert zuverlässig, solange der Server stabil läuft. Hin und wieder gibt es Probleme mit der Authentifizierung, wenn man zwei Nutzerkonten gleichzeitig verwendet, aber das Einrichtungshandbuch gibt Aufschluss über die passenden Einstellungen.

Große Sammlungen und die Performance

Eine der häufigsten Fragen in Foren betrifft die Performance bei großen Musikbibliotheken. Natürlich ist es ein Unterschied, ob man fünfhundert Alben oder zehntausend hi-res Alben auf dem Server liegen hat. Die Datenbank, die von der Music-App erzeugt wird, ist hierbei der entscheidende Faktor. Die App speichert Informationen über jeden Titel, jedes Album und jede Wiedergabeliste. Die Suche erfolgt über Indizes, die von der Datenbank angelegt werden. Solange der Server eine ordentliche CPU und genügend Arbeitsspeicher besitzt, läuft die Abfrage auch bei ausufernden Bibliotheken flüssig. Das Problem ist eher der Scan-Vorgang, der bei jeder Aktualisierung der Dateien die gesamte Struktur überprüft. Wenn man also tausende Dateien auf einmal hochlädt, kann es sein, dass der Server für eine Weile beschäftigt ist. Das ist normal und kein Zeichen für einen Defekt. Einige Administratoren schwören darauf, den Musikordner aus dem normalen Nextcloud-Sync auszuschließen und stattdessen nur den Scan-Auftrag laufen zu lassen. Das ist pragmatisch, erfordert aber einen etwas tieferen Einblick in die Serverkonfiguration.

Nicht zuletzt spielt die Qualität des Speichermediums eine Rolle. Eine Musikbibliothek, die auf einer gewöhnlichen Festplatte liegt, die gleichzeitig noch andere Nextcloud-Dienste bedient, wird bei mehreren parallelen Streaming-Anfragen langsam. Wer also viel hört und gleichzeitig andere Benutzer auf dem Server hat, sollte den Musikbestand auf eine separate, ausreichend dimensionierte SSD legen. Das empfiehlt sich auch deshalb, weil die Music-App beim Auslesen der Tags viele kleine Dateizuordnung betrifft, und genau daran drehen mechanische Festplatten im Vergleich zu SSDs oft lange. Es sind also weniger die Datenmengen als die Zugriffsmuster, die den Unterschied machen, und hier bietet eine SSD auch bei moderater Größe ein deutlich besseres Nutzererlebnis.

Aufbau und Pflege einer Wiedergabeliste

Wiedergabelisten werden in der Web-Oberfläche und in den mobilen Apps unterschiedlich behandelt. In der Web-Oberfläche erstellt man eine neue Liste, zieht Titel per Drag-and-drop hinein und speichert sie. Das funktioniert sauber, kann jedoch bei sehr großen Listen etwas zäh werden. Die mobile App bietet einen recht ähnlichen Ablauf, wobei die Touch-Bedienung hier nicht immer intuitiv wirkt. Man muss die Titel zunächst markieren und über das Kontextmenü hinzufügen. Einfacher ist es oft, ein ganzes Album zu übernehmen und später einzelne Stücke zu löschen. Das erledigt die App zuverlässig. Wiedergabelisten werden in der Datenbank gespeichert und sind mit dem Benutzerkonto verknüpft, was bedeutet, dass sie auf allen Geräten synchron sind. Das ist ein komfortabler Zustand, den man von manch einem kommerziellen Streamingdienst nicht kennt, wo eine Liste nur auf dem Gerät existiert, auf dem sie erstellt wurde.

Wer seine Listen mit anderen teilen möchte, kann dies über einen direkten Link tun. Allerdings sollte man sich über die damit einhergehenden Zugriffsrechte im Klaren sein, zumindest wenn der Server nicht nur privat genutzt wird. Die Listen-App bietet hier rudimentäre Einstellungen, um das Teilen zu unterbinden oder auf ausgewählte Gruppen zu beschränken. Ein interessanter Aspekt ist die Möglichkeit, solche Listen auch als RSS-Feed zu abonnieren, was allerdings mehr für Journalisten als für Musikhörer relevant sein dürfte. Für den normalen Gebrauch reicht es, dass die Listen unkompliziert zu handhaben sind und die Synchronisation zwischen Desktop und Mobil reibungslos funktioniert.

Cover, Metadaten und das leidige Thema der Lyrics

Die Cover-Darstellung in der Musik-App ist hübsch und leistungsfähig. Die App extrahiert die Cover aus den Dateien selbst, was bei den meisten digital gekauften Alben auch der Fall ist. Bei selbst gerippten CD-Sammlungen kann es vorkommen, dass kein Bild eingebettet wurde. Die App bietet dann die Möglichkeit, manuell auf dem Server nach einem Bild zu suchen und es als Albumbild zu setzen. Das funktioniert erstaunlich gut, ist aber ein manueller Schritt, den man von großen Streaming-Diensten nicht kennt. Die automatische Bildersuche ist leider nicht eingebaut, was man als Ausdruck des Datenschutzgedankens interpretieren kann, aber auch als fehlende Bequemlichkeit. Beim Einbinden von Cover in die Datei selbst hilft ein Tool wie MusicBrainz Picard vom PC aus, das auch die ID3-Tags ergänzt. Diese Arbeit ist einmalig und schafft ein dauerhaft gutes Erlebnis in der Web-Oberfläche und in den Apps.

Beim Thema Liedtexte sieht es anders aus. Die Nextcloud Music App besitzt keine eingebaute Liedtext-Anzeige, was also ein großes Manko ist, wenn man ein Fan von Karaoke ist. Es gibt zwar Community-Erweiterungen und Hacks, die es ermöglichen, über externe Dienste Liedtexte abzurufen, aber das ist nichts, was man als regulären Standard funktioniert. Man muss abwägen, ob man darauf Wert legt. Ein erfahrener Musikliebhaber wird eher feststellen, dass die Abwesenheit von Lyrics die Konzentration auf das Wesentliche zurückbringt, nämlich auf den Klang. Aber wer sein eigenes System aufbaut, erwartet manchmal auch, dass es ebenso komfortabel wie die großen Streaming-Dienste funktioniert. Hier ist also noch Luft nach oben.

Klangqualität: Ein Thema für sich

Die Frage nach der Klangqualität hängt von drei Faktoren ab: dem Audioformat, dem Abspielgerät und der Übertragungsstrecke zwischen Server und Client. Nextcloud Music unterstützt alle gängigen Formate, je nachdem, was der Browser oder der Client dekodieren kann. Wer FLAC-Dateien ins eigene System stellt, bekommt im Idealfall auch den verlustfreien Klang geliefert, solange die Server-Last nicht zu hoch ist. Allerdings kann die Entscheidung, FLAC zu verwenden, beim direkten Streaming im Browser zu Komplikationen führen, wie oben beschrieben. Daher nutzen viele Selbst-Hoster gleich ein verlustbehaftetes Format, das der moderne Standard ist: OGG Vorbis oder Opus. Diese Formate bieten bei gleicher Dateigröße eine bessere Klangqualität als MP3 und können in den meisten Browsern und Apps abgespielt werden. Der Umweg über eine Transkodierung ist nicht notwendig, und das System bleibt klar und einfach. Wenn man ohnehin eigene CDs besitzt, kann man sie ohne Reue in OGG oder Opus umwandeln. Die Audioqualität ist exzellent, und die Speicherplatzausbeute ist gut.

Eine gewisse Skepsis ist angebracht, wenn es um den Klang über die mobile Datenverbindung geht. Die Nextcloud-Apps neigen dazu, die volle Datei zu laden, wenn der Speicherplatz auf dem Endgerät nicht knapp ist. Das ist für die Klangtreue gut, aber es kann das Datenvolumen stark belasten. Eine Funktion, um die Bitrate zu reduzieren und so Daten zu sparen, ist standardmäßig nicht vorhanden. Man kann aber in der App des Musikplayers selbst einstellen, dass die Wiedergabe auf niedrige Bitrate begrenzt wird, wenn man weiß, dass man sich im mobilen Netz befindet. Manche Nutzer haben hierfür eigene Skripte oder Server-Konfigurationen, die eine Transkodierung in eine kleinere Datei vornehmen. Das ist ein Feld für Spezialisten und nicht unbedingt für Anwender, die einfach nur ihre Musik hören möchten.

Benutzerverwaltung und Mehrbenutzer-Betrieb

Nextcloud ist als Plattform für mehrere Benutzer ausgelegt, und das gilt auch für Music. Innerhalb desselben Servers können mehrere Personen ihre eigene Musikbibliothek haben, solange sie ihre Dateien in den jeweils eigenen Ordnern ablegen. In der Musik-App kann man den Musikordner pro Benutzer festlegen, sofern man die Einstellungen entsprechend aufruft. Das ist eine große Flexibilität, denn so kann sich eine Familie einen einzelnen Server teilen, ohne dass die Geschmäcker kollidieren. Wichtig ist, dass die App beim Scan zwar global über alle Benutzer läuft, was manchmal zu einer erhöhten Serverlast führen kann. Es lohnt sich also, die Cron-Jobs zu entzerren oder die entsprechenden Benutzer in Zeitfenstern zu scannen. Administratoren, die diese Konfiguration vornehmen, sollten zudem darauf achten, dass die Speicherkontingente der Benutzer begrenzt sind, um das gesamte System nicht zu überlasten.

Das Teilen von Musik zwischen Benutzern ist ebenfalls möglich, wird aber über die Musik-App nicht direkt abgedeckt. Stattdessen kann man einen Ordner in Nextcloud mit einem anderen Benutzer oder über einen Link teilen, und der Empfänger kann diesen Ordner als Musikordner ergänzen oder nur die Dateien abspielen. Das funktioniert, ist aber nicht so komfortabel wie ein gemeinsames Album in einer dynamischen Playlist. Insgesamt wirkt die Mehrbenutzer-Abbildung in der Music-App solide, aber nicht herausragend – sie erfüllt den Zweck, ohne dass man überall an Grenzen stößt.

Sicherheit und Datenschutz beim Musikstreaming

Ein wesentlicher Vorteil der eigenen Cloud liegt auf der Hand: Man kontrolliert die Daten. Die Musikdateien verlassen den Server nicht, sondern werden direkt an den Client geliefert, die Verbindung läuft verschlüsselt über HTTPS, sofern der Server richtig konfiguriert ist. Wer seinen Server nicht mit einem eigenen Zertifikat betreibt, kann Let’s Encrypt verwenden, das ist der Standard schlechthin. Somit ist die gesamte Kommunikation abgesichert. Was die Zugriffskontrolle betrifft, so verwendet Nextcloud die üblichen Mechanismen, also Benutzernamen, Kennwörter und optional Zwei-Faktor-Authentifizierung. Auch die Musik-App respektiert diese Rechte. Ein Benutzer kann also niemals auf die Bibliothek eines anderen zugreifen, es sei denn, es wird explizit per Teilen-Funktion erlaubt.

Ein anderer Aspekt ist das Thema der Datenbank. Die Music-App erstellt eine Datenbank mit Informationen über die Dateien, einschließlich Dateipfaden. Diese Daten sind für den Betrieb notwendig. Es ist jedoch möglich, die Datenbank zu verschlüsseln, was allerdings zu Lasten der Performance geht, da die Suchanfragen dann über eine Entschlüsselung laufen müssen. Im normalen Betrieb ist das nicht zu empfehlen, es sei denn, man hat rechtliche Gründe. Wer absolute Datensouveränität anstrebt, sollte die Musik-App nicht mit dem Rest von Nextcloud vermischen, sondern isoliert auf einem separaten Server betreiben, der ausschließlich für die Musik da ist. Das ist zwar ein Mehraufwand, aber aus Datenschutzperspektive die sauberste Lösung. Nur wenige Nutzer werden sich die Mühe machen, aber es zeigt, dass das System für unterschiedliche Bedürfnisse anpassbar ist.

Die Konkurrenz: Was andere Musikserver besser machen

Nextcloud Music ist nicht das einzige Open-Source-Programm für das eigene Streaming. Es gibt ausgereifte Lösungen wie Navidrome, Funkwhale oder Koel, die von der Funktionsvielfalt her weiter sind, zumindest wenn es um Musik und Podcasts geht. Gerade Navidrome erfreut sich großer Beliebtheit, weil es die Subsonic-API implementiert und mit unzähligen Clients kompatibel ist. Funkwhale setzt auf eine federierte Struktur, was soziale Features wie das Teilen von Musik mit anderen Instanzen erlaubt. Koel bietet eine sehr moderne Benutzeroberfläche, verlangt aber etwas nach einer eigenen Datenbank und einer sauberen Einrichtung. Alle diese Programme haben einen entscheidenden Nachteil: Sie sind eigenständige Anwendungen, die neben Nextcloud laufen müssen. Man benötigt also zusätzliche Prozesse, Container und unter Umständen eigene Benutzerkonten. Nextcloud Music hingegen schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe, weil es die Überstruktur bereits nutzt, die man für andere Cloud-Dienste eingerichtet hat.

Das ist für viele Administratoren der entscheidende Vorteil. Wer sich bereits mit Nextcloud beschäftigt hat, kennt die Grundlagen. Die Konfiguration der Music-App ist im Vergleich zu einem dedizierten Musikserver weniger Aufwand. Allerdings spürt man beim Komfort den Unterschied. Navidrome zum Beispiel besitzt eine intelligentere Suche und eine bessere Interpretation von Alben mit mehreren Interpreten (z.B. Soundtracks). Nextcloud Music behandelt solche Compilations meist als einen einzigen Interpreten, was nicht immer befriedigend ist. Es ist also eine Frage des Schwerpunkts. Für diejenigen, die eine schlanke und einfache Lösung suchen und bereits Nextcloud betreiben, ist Music oft ausreichend. Für anspruchsvollere ist ein spezialisierter Server vielleicht die zweite Wahl, sofern man den zusätzlichen Betrieb nicht scheut.

Erweiterungen: Podcasts und andere Audioquellen

Nextcloud kennt auch Podcasts, aber nicht innerhalb der Music-App, sondern über den App-Store, in dem es eine eigene Podcast-App gibt. Diese ist funktional ganz ordentlich, aber es verwirrt manchmal, dass man zwei verschiedene Apps für die Audio-Verwaltung besitzt. Die Podcast-App besitzt eine eigene Abonnement-Verwaltung und lädt Episoden im Hintergrund herunter, sofern der Server es erlaubt. Sie kann die Podcasts auch über die Media-Funktion abspielen. Eine vollständige Integration in die Musik-App hat es jedoch nie gegeben, was wohl auch an den unterschiedlichen Konzepten der Entwickler liegt. Wer also beides nutzen möchte, muss sich mit zwei verschiedenen Oberflächen anfreunden. Das ist nicht schlimm, aber bei der Konfiguration des Servers sollte man beides im Blick behalten, da die Podcasts ebenfalls regelmäßig neue Dateien herunterladen und dadurch Speicherplatz belegen, was manchmal zu einer Überraschung bei der begrenzten Festplatte führt.

Für Audio-Dateien, die man über andere Wege in die Nextcloud bekommt, etwa über WebDAV oder die Desktop-Sync-Clients, ist die Music-App stets offen. Es spielt keine Rolle, ob die Dateien vom Smartphone, vom Laptop oder von einer Remote-Quelle stammen. Einer der interessanten Anwendungsfälle ist die Integration von Sprachmemos oder Diktiergeräten, die man automatisch in den Musikordner synchronisiert. Die App erkennt diese Dateien als Audio, ordnet sie aber mangels Metadaten einem „Unbekannt“-Bereich zu. Mit ein wenig Datenpflege kann man so aus einer einfachen Cloud ein privates Audio-Archiv machen. Der Phantasie sind kaum Grenzen gesetzt, und gerade das kreative Potenzial solcher Systeme ist es, das die Selbst-Hosting-Szene antreibt.

Wartung, Updates und Fallstricke

Wie bei jeder Nextcloud-Komponente gilt: Updates der Hauptinstanz können auch Auswirkungen auf die Music-App haben. Es gab in der Vergangenheit größere Versionen, bei denen die Musik-App nicht mit der neuesten Nextcloud-Hauptversion kompatibel war, bis ein Update nachgereicht wurde. Solche Phasen dauern oft nur wenige Tage, aber für einen produktiv genutzten Server kann das unangenehm sein. Administratoren sollten also nicht aus dem Bauch heraus aktualisieren, sondern vorab prüfen, ob die Kompatibilität gegeben ist. Auf derNextcloud-Website gibt es eine Kompatibilitätsliste, und auch im App-Store wird die passende Nextcloud-Version angezeigt. Abgesehen davon ist die Music-App stabil und gut getestet. Es lohnt sich, die Dokumentation im Blick zu behalten, da neue Funktionen nicht immer sofort offensichtlich sind. Die Entwickler kommunizieren kleinere Änderungen häufig nur über die Release-Notes, die man im Changelog findet.

Ein weiteres Fallstrick-Thema ist das Dateisystem. Nextcloud nutzt ein ausgeklügeltes System von Datei-Locks, um parallele Schreibzugriffe zu verhindern. Die Music-App greift darauf zurück und kann daher nicht einfach eine Datei bearbeiten, während sie von einem Benutzer geladen wird. In der Praxis führt das selten zu Problemen, aber es kann zu Konflikten kommen, wenn man neue Musiktitel auf den Server kopiert, während die App gerade einen Scan durchführt. Der Scan erkennt die neue Datei möglicherweise nicht, wenn sie gerade nicht vollständig geschrieben wurde. Normalerweise wird der Scan beim nächsten Durchlauf die Datei erkennen, aber bei sehr großen Dateien kann es passieren, dass der Scan abgeschlossen ist, bevor die Datei übertragen wurde. Eine Verzögerung ist also normal, und ein erneuter Scan, entweder manuell oder durch einen Cron-Auftrag, behebt das Problem. Es ist nicht notwendig, den gesamten Server neu zu starten, was viele Nutzer zunächst vermuten.

Der Blick in die Zukunft: Wohin steuert Nextcloud Music?

Die Entwicklung der Nextcloud-Music-App ist in den letzten Jahren etwas verlangsamt, nicht zuletzt weil sich die Hauptentwickler auf andere Bereiche konzentrieren. Die App gehört nicht zu den Kernfunktionen von Nextcloud, sondern wird von einer kleinen Gemeinschaft gepflegt. Das bedeutet, dass man nicht mit schnellen Innovationen rechnen sollte, aber auch, dass die Stabilität im Vordergrund steht. Ein interessanter Aspekt ist die Diskussion über die Verwendung von AI-Funktionen, etwa automatische Stimmungsanalysen oder das Generieren von Playlists basierend auf Hörgewohnheiten. Bisher gibt es dort aber nichts, was in die App integriert wurde. Das ist vielleicht auch gut so, denn die Fokussierung auf einfache Funktionen ist eine Tugend dieses Projekts.

Für die Zukunft wäre es wünschenswert, dass die Zusammenarbeit zwischen der Music-App und den mobilen Clients weiter verbessert wird, insbesondere hinsichtlich der Offline-Wiedergabe und der Integration von Lyrics. Auch die Performance bei sehr großen Sammlungen bleibt ein Dauerthema. Solange Nextcloud jedoch die Plattform für die eigenen Daten bleibt, ist Music eine vollwertige Option, die keine Wünsche offen lässt, sofern man die bekannten Eigenheiten akzeptiert. Wer das jedoch nicht möchte, der greift zu einem dedizierten System. Dabei sollte man nicht vergessen, dass Nextcloud Music nicht nur eine Software ist, sondern auch eine Philosophie: die Musik gehört dem, der sie besitzt, und sie liegt auf dem eigenen Server.

Am Ende bleibt eine einfache Erkenntnis. Die Musik-App ist keine Revolution, aber sie ist ein solider Baustein im eigenen digitalen Leben. Sie funktioniert, wenn man sich einarbeitet, und sie hat den Charme des Selbstgemachten. Sie fordert an manchen Stellen ein wenig Geduld, aber sie belohnt mit Selbstbestimmung und Unabhängigkeit von kommerziellen Diensten. Ob man sich darauf einlässt, ist eine Frage der Einstellung, nicht der Technik.