Zwei Projekte, eine Wurzel
Es gibt nur wenige Softwareprojekte, die sich so ähnlich sind und doch so unterschiedlich entwickeln wie Nextcloud und ownCloud. Wer sich heute mit dem Thema beschäftigt, steht vor einer Wahl, die eigentlich keine sein sollte – denn beide Produkte teilen sich dieselbe Wurzel. Ein Blick auf die Geschichte hilft, die Unterschiede von heute zu verstehen, und zwar besser als jeder Feature-Vergleich.
Alles begann im Jahr 2010, als Frank Karlitschek ownCloud ins Leben rief. Die Idee war simpel und zugleich visionär: Ein eigener Cloud-Speicher, der auf dem eigenen Server läuft, ohne dass Daten bei einem amerikanischen Konzern liegen. Das traf damals einen Nerv. Systemadministratoren feierten das Projekt als Befreiung vom Diktat der großen Cloud-Anbieter, und auch viele Unternehmen stiegen früh ein, weil sie eine Alternative zu Dropbox und Co. suchten. ownCloud wurde zum Vorzeigeprojekt der Open-Source-Gemeinde, ausgezeichnet, gelobt und in unzähligen Rechenzentren installiert.
Doch wie so oft im Open-Source-Bereich folgte der Euphorie der Streit. Karlitschek verließ das Projekt 2016, nachdem es strategische Differenzen mit der eigenen Firma gegeben hatte. Die Gründe waren vielschichtig, aber im Kern ging es um eine Frage, die bis heute relevant ist: Wie viel proprietäre Kontrolle verträgt eine freie Software? Aus der Trennung entstand Nextcloud, ein Fork, der das Erbe von ownCloud antreten sollte – und das, wie man heute sagen kann, ziemlich erfolgreich tat.
Die interessante Pointe ist, dass ownCloud weiter existierte. Während Nextcloud mit hoher Kadenz neue Versionen veröffentlichte, zog sich ownCloud zunächst in eine Art Schattenreich zurück. Viele Branchenbeobachter gingen davon aus, dass das ursprüngliche Projekt langsam auslaufen würde. Doch die ownCloud GmbH, die das Projekt kommerziell begleitet, überraschte mit einer radikalen Veränderung: Statt an der klassischen PHP-Codebasis festzuhalten, entwickelte sie eine komplett neue Plattform namens ownCloud Infinite Scale. Das war nicht weniger als ein Neustart auf der grünen Wiese.
Damit stehen sich heute zwei Projekte gegenüber, die zwar denselben Funktionsbereich abdecken, aber architektonisch kaum unterschiedlicher sein könnten. Auf der einen Seite Nextcloud, das als direkter Nachfolger der ursprünglichen ownCloud-Codebasis gilt, auf der anderen Seite ownCloud, das in seiner neuen Form den mutigen, aber auch riskanten Schritt in eine moderne, containerisierte Softwarearchitektur gewagt hat. Das macht die Entscheidung zwischen beiden Lösungen nicht unbedingt einfacher – aber auf jeden Fall interessanter.
Für alle, die sich mit der Frage Nextcloud vs. ownCloud beschäftigen, bedeutet das: Man kann die beiden Systeme nicht mehr einfach nebeneinanderlegen und Funktionen abhaken. Es geht vielmehr um grundsätzliche strategische Überlegungen, um Lizenzmodelle, um Kompatibilität mit der eigenen Weiterentwicklung und nicht zuletzt um die Frage, welcher Hersteller langfristig in der Lage ist, die Software auszubauen und zu pflegen. Genau dabei zeigt sich, dass der Schein trügt: ownCloud ist nicht einfach der ewige Zweite, und Nextcloud ist nicht automatisch für jede Umgebung die beste Wahl.
Die Trennung und ihre Folgen
Um die heutige Situation zu verstehen, muss man sich die Umstände des Forks noch einmal genauer ansehen. Als Karlitschek 2016 ging, steckte ownCloud bereits in einem Zwiespalt. Die Software war frei, aber das Geschäftsmodell der Firma setzte zunehmend auf Enterprise-Funktionen und komplizierte Lizenzmodelle. Das passte nicht zu dem Anspruch, eine offene Plattform zu sein, die von einer breiten Community getragen wird. In der Folge spaltete sich die Entwicklergemeinde, und Nextcloud startete mit einem Großteil der aktiven ownCloud-Entwickler.
Für die Nutzer war das zunächst eine schwierige Situation. Wer eine ownCloud-Instanz im Unternehmen betrieb, musste sich entscheiden, ob er dem ursprünglichen Hersteller treu bleibt oder auf den Fork wechselt. Nextcloud versprach einen nahtlosen Umstieg, ownCloud versprach Kontinuität. Beide Seiten beteuerten, den besseren Weg zu kennen. Rückblickend muss man sagen: Nextcloud hat diese Auseinandersetzung gewonnen, zumindest was die öffentliche Wahrnehmung angeht. Die Plattform verzeichnet heute eine deutlich größere Community, mehr dauerhafte Mitentwickler und ein breiteres Partnernetzwerk.
Aber dieser Sieg ist nicht vollständig. ownCloud hat aus der Krise gelernt und etwas geschaffen, das man als Antwort auf die eigene Geschichte verstehen kann: eine Plattform, die nicht mehr auf den alten PHP-Stack angewiesen ist. Damit umgeht ownCloud die technischen Altlasten, die auch Nextcloud noch mitschleppt. Diese Entscheidung ist mutig, und sie hat einen Preis: Die neue ownCloud-Generation ist kein einfaches Update, sondern eine Neuentwicklung. Wer heute eine alte ownCloud-Instanz betreibt und auf Infinite Scale wechseln möchte, muss seine Hausaufgaben machen.
Dabei zeigt sich ein grundlegender Unterschied im Entwicklungsansatz. Nextcloud hat den inkrementellen Weg gewählt: Der Code ist über die Jahre gewachsen, wurde moderner, aber die Grundarchitektur blieb erhalten. Das hat den Vorteil, dass Nextcloud stabil, ausgereift und extrem gut dokumentiert ist. Der Nachteil ist, dass die Plattform in vielerlei Hinsicht ein Kind seiner Zeit ist. PHP gilt nicht gerade als Hochleistungstechnik, und manche altgedienten Strukturen wirken heute sperrig. ownCloud hingegen hat sich von der Vergangenheit verabschiedet und auf eine moderne Microservices-Architektur gesetzt, die in Go geschrieben ist. Das dürfte performanter und sicherer sein, ist aber eben auch deutlich junger.
Für Admins ist das keine rein akademische Frage. Wer einen Cloud-Dienst für ein paar hundert User betreibt, merkt den Unterschied zwischen PHP und Go vielleicht kaum. Wer aber eine Plattform plant, die mehrere zehntausend Nutzer verkraften soll, der steht vor einer echten Richtungsentscheidung. Genau hier spielen Performance, Skalierbarkeit und Betriebsaufwand eine Rolle, und genau hier punkten die konzeptionellen Vorteile von ownCloud Infinite Scale.
Technik im Vergleich: PHP-Klassiker gegen Microservices
Man kann es nicht oft genug sagen: Nextcloud und ownCloud Infinite Scale sind unter der Haube grundverschiedene Systeme. Nextcloud besteht im Kern aus einer PHP-Anwendung, die in einem herkömmlichen Webserver wie Apache oder Nginx läuft und Daten in einer relationalen Datenbank speichert. Wer eine Nextcloud-Instanz betreibt, braucht also eine klassische LAMP-Umgebung – also Linux, Apache, MySQL/MariaDB und PHP. Das ist gut verstanden, gut dokumentiert und in unzähligen Rechenzentren erprobt.
ownCloud Infinite Scale verzichtet weitgehend auf diese Altlasten. Die einzelnen Dienste sind in Go implementiert, einer Sprache, die für ihre Effizienz und Robustheit bekannt ist. Die Anwendung läuft containerisiert, benötigt keine Datenbank im klassischen Sinne und nutzt für die Dateiablage direkt kompatible Speicher-Schnittstellen. Besonders eng ist die Anbindung an S3-kompatible Objektspeicher. Wer ohnehin auf S3-basierte Systeme wie MinIO oder den eigenen Storage setzt, bekommt bei ownCloud eine Architektur, die deutlich schlanker ist als ein klassischer PHP-Server.
Interessant ist auch der Umgang mit Metadaten. Bei Nextcloud werden Dateiinformationen klassisch in der Datenbank abgelegt. Das funktioniert zuverlässig, stößt aber bei sehr großen Installationen irgendwann an Grenzen. ownCloud Infinite Scale verfolgt hier einen anderen Ansatz: Metadaten werden dezentral und leistungsfähiger verwaltet, was sich insbesondere bei vielen kleinen Dateien positiv bemerkbar macht. Das ist ein Aspekt, der in Tests und Benchmarks häufig untergeht, in der Praxis aber entscheidend sein kann.
Für den Administrator bedeutet das: Nextcloud ist einfach aufzusetzen, auch auf kleiner Hardware, und es gibt unzählige Anleitungen. ownCloud Infinite Scale verlangt mehr Verständnis für Container- und Service-Architekturen, bietet dafür aber auch mehr Flexibilität. Wer schon mit Docker und Kubernetes gearbeitet hat, wird sich schnell zurechtfinden. Wer klassische Server betreibt und einfache Strukturen bevorzugt, dürfte mit Nextcloud glücklicher werden.
Man sollte allerdings nicht den Fehler machen, Nextcloud als veraltet abzutun. Die Plattform hat in den letzten Jahren massiv nachgerüstet, zahlreiche Abhängigkeiten reduziert und die Server-Performance spürbar verbessert. Seit der Einführung von Nextcloud Hub arbeitet das System auch im Bereich Collaboration deutlich moderner. Dass Nextcloud immer noch auf PHP setzt, ist weniger ein Makel als eine Frage der Pflege. PHP ist keineswegs tot, sondern hat in Version 8 deutliche Fortschritte gemacht. Und eine ausgereifte Codebasis ist mitunter zuverlässiger als ein junger Wurf, der noch Kinderkrankheiten hat.
Das Ökosystem: Mehr als nur Dateien
Wenn es um den Funktionsumfang geht, hat Nextcloud die Nase klar vorn – das muss man so deutlich sagen. Nextcloud ist nicht mehr nur ein Cloud-Speicher für Dateien, sondern eine komplette Collaboration-Plattform. Mit Nextcloud Talk bietet die Software Videokonferenzen und Chat in Selbstverwaltung, was gerade in Zeiten von Homeoffice und DSGVO-konformer Kommunikation ein starkes Argument ist. Dazu kommen ein vollwertiges E-Mail-Modul, Kalender, Kontakte, Aufgaben und eine nahtlose Einbindung von Online-Office-Lösungen wie Collabora Online oder OnlyOffice.
Die Liste der verfügbaren Apps und Integrationen ist schlichtweg beeindruckend. Ob Jitsi, Webex oder ein eigener Team-Calendar – für fast jeden Zweck gibt es eine Erweiterung. Dazu kommen die typischen Features, die man von einem modernen File-Sharing-System erwartet: Versionsverwaltung, Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, Dateikommentare, Freigaben mit Ablaufdatum und ein ausgefeiltes Rechtemanagement. All das ist in einer einheitlichen Oberfläche integriert, die auch für weniger technische Nutzer intuitiv bedienbar ist.
ownCloud hat sich in dieser Hinsicht auf das Wesentliche konzentriert. Die klassische ownCloud-Version bietet ebenfalls Dateifreigabe, Kalender, Kontakte und begrenzte Collaboration-Funktionen, aber die Auswahl an Apps ist deutlich kleiner. Das neue ownCloud Infinite Scale ist in seiner jetzigen Form sogar noch reduzierter: Der Fokus liegt auf stabiler Dateisynchronisierung, sicheren Freigaben und einem robusten Kern. Für Nutzer, die einfach nur einen zuverlässigen, selbst gehosteten Cloud-Speicher suchen, kann das eine Tugend sein. Wer jedoch ein digitales Arbeitsumfeld für ein ganzes Unternehmen schaffen will, kommt an Nextcloud praktisch nicht vorbei.
Ein interessanter Aspekt ist die Integration von Drittanbietern. Nextcloud hat es geschafft, ein großes Partnernetzwerk aufzubauen. Es gibt Lösungen für Branchenlösungen, Integrationen in DMS-Systeme und Schnittstellen zu unzähligen Unternehmensanwendungen. ownCloud ist hier vorsichtiger unterwegs. Das kann man als Kritik an der Innovationskraft werten oder als Vorteil, weil das System dadurch schlank und weniger fehleranfällig bleibt. Aber in einer Welt, in der Unternehmen ihre IT-Landschaft aus vielen Speziallösungen zusammensetzen, ist die Breite des Ökosystems ein wichtiges Kaufargument – und da hat Nextcloud eindeutig mehr zu bieten.
Dabei sollte man den Blick nicht allein auf die technischen Features richten. Ein entscheidender Faktor ist auch die Community. Nextcloud wird von einer aktiven Gemeinschaft aus Entwicklern und Anwendern getragen, die regelmäßig neue Ideen einbringt, Bug-Reports schreibt und bei Diskussionen in Foren hilft. ownCloud hingegen konzentriert sich stärker auf seine kommerziellen Kunden. Das zeigt sich in der Schnelligkeit, mit der neue Funktionen erscheinen, und auch in der Menge an publizierten Best Practices. Wer ein Problem hat, bekommt bei Nextcloud mit größerer Wahrscheinlichkeit schnell eine Antwort aus der Community, als bei ownCloud.
Benutzerfreundlichkeit und Administration
Ein entscheidendes Kriterium für die Wahl vieler Administratoren ist die Bedienbarkeit der Plattform. Nextcloud hat sich hier in den letzten Jahren stark verbessert. Die Weboberfläche ist aufgeräumt, moderne Themes lassen sich einfach anpassen, und der Umstieg von der klassischen ownCloud-Oberfläche ist angenehm. Auch die Verwaltungsoberfläche überzeugt: Updater, App-Store, Protokollierung und die Konfiguration von Freigaben sind klar strukturiert und weitgehend selbsterklärend.
ownCloud Infinite Scale geht noch einen Schritt weiter, was die Modernität der Benutzeroberfläche angeht. Die UI wurde komplett neu gestaltet, wirkt aufgeräumter und reduzierter als die von Nextcloud. Konsequent werden Moderne Webtechnologien eingesetzt, das macht die Anwendung schnell und reaktionsfreudig. Aber es gibt auch Schattenseiten: Nicht alle Funktionen, die in der klassischen ownCloud verfügbar waren, sind in der neuen Generation schon wieder angekommen. Das ist ein Punkt, der in der Praxis häufig zu Frustration führt.
Wer von der alten ownCloud auf Nextcloud wechselt, wird kaum Probleme haben. Die beiden Systeme sind sich so ähnlich, dass ein Datenumzug und die Neukonfiguration meist innerhalb weniger Stunden erledigt ist. Der Wechsel von ownCloud zu ownCloud Infinite Scale dagegen ist ein ehrliches Migrationsprojekt. Es gibt zwar Werkzeuge, aber die Unterschiede zwischen dem PHP-System und dem Go-Nachfolger sind so groß, dass man nicht einfach eine bestehende Instanz übertragen kann. Das sollten Unternehmen einplanen, bevor sie sich für ownCloud entscheiden.
Auch bei kleinen Dingen zeigen sich Unterschiede. Die Desktop-Clients von Nextcloud unterstützen übrigens alle gängigen Betriebssysteme und sind in der Lage, mehrere Konten zu verwalten. ownCloud bietet ebenfalls Clients, aber die Entwicklung wirkt mitunter weniger intensiv. Dasselbe gilt für die mobilen Apps: Nextcloud bietet eine sehr umfangreiche App für Android und iOS, die auch Offline-Freigaben und den direkten Zugriff auf mehrere Server unterstützt. Bei ownCloud Infinite Scale gibt es inzwischen ebenfalls eine neue App, doch der Funktionsumfang hinkt der Konkurrenz noch etwas hinterher.
Man kann den Unterschied also kurz zusammenfassen: Nextcloud fühlt sich an wie ein ausgereiftes, in die Jahre gekommenes Werkzeug, das ständig runderneuert wird. ownCloud Infinite Scale dagegen ist eher wie ein Werkzeugkasten, der endlich neu aufgezogen wurde – mit modernen Griffen, aber noch einigen leeren Fächern. Für Entscheider, die auf Kontinuität und sofortige Verfügbarkeit setzen, ist Nextcloud die einfachere Wahl. Für alle, die eine langfristig zukunftsfähige Architektur suchen und Zeit für die Migration mitbringen, kann ownCloud die interessantere Perspektive bieten.
Performance und Skalierung: Die Frage des Maßstabs
Die Frage nach der Performance ist nicht ganz einfach zu beantworten, weil sie stark von den Einsatzbedingungen abhängt. Nextcloud hat in den letzten Jahren viel dafür getan, die Plattform effizienter zu machen. Die Einführung der Nextcloud Hub-Generation brachte spürbare Verbesserungen bei der Geschwindigkeit der Web-Oberfläche und der Synchronisation. Für kleine bis mittelgroße Installationen ist Nextcloud völlig ausreichend, und mit entsprechendem Server-Speicher lassen sich auch mehrere tausend Nutzer problemlos bedienen.
Wer höhere Anforderungen hat, stößt allerdings irgendwann an Grenzen. PHP-Anwendungen haben traditionell Probleme mit sehr vielen gleichzeitigen Anfragen, weil jeder Request einen gewissen Grundaufwand benötigt. Zwar lassen sich Nextcloud-Server horizontal skalieren, aber das erfordert aufwändige Konfigurationen und eine durchdachte Speicheranbindung. Es gibt durchaus Unternehmen, die Nextcloud mit mehreren zehntausend Nutzern betreiben, doch der Aufwand dafür ist nicht zu unterschätzen.
ownCloud Infinite Scale wurde mit diesen Anforderungen im Hinterkopf entwickelt. Die Go-basierten Dienste sind leichtgewichtig, benötigen weniger Ressourcen und reagieren schneller auf Lastspitzen. Die Microservices-Architektur ermöglicht zudem eine gezielte Skalierung einzelner Komponenten. Das ist ein echter Vorteil für große Installationen, bei denen der Engpass meist nicht die Dateiablage, sondern die Metadatenverwaltung ist. Und weil ownCloud im Gegensatz zu Nextcloud keine klassische Datenbank benötigt, entfallen bestimmte Flaschenhälse von vornherein.
Allerdings sollte man die Skalierungsvorteile nicht überbewerten. Die meisten Unternehmen betreiben keine Cloud für zehntausende User, sondern eine überschaubare Instanz für ein paar Dutzend oder wenige hundert Mitarbeiter. In diesem Bereich spielt die Architektur kaum eine Rolle, wohl aber die Frage, wie stabil das System läuft und wie schnell neue Funktionen ausgerollt werden. Und da ist Nextcloud immer noch konkurrenzlos. Die Plattform erscheint in einem schnellen Rhythmus mit neuen Versionen, und der Funktionsumfang wächst kontinuierlich.
Ein weiterer Aspekt ist der Betriebsaufwand. Nextcloud lässt sich auf einem einzelnen kleinen Server betreiben, was für viele Unternehmen eine attraktive Lösung ist. ownCloud Infinite Scale dagegen ist in seiner modernen Form auf Container ausgelegt. Man kann es zwar auch auf einem einzelnen Rechner fahren, aber die volle Leistungsfähigkeit entfaltet sich erst in einer Containerumgebung mit entsprechendem Orchestrierungswerkzeug. Das ist für manche Unternehmen ein Hindernis, für andere wiederum ein Vorteil, weil sie die Software so besser in ihre bestehende Infrastruktur integrieren können.
Sicherheit, Datenschutz und Compliance
Sicherheit ist das wichtigste Argument für selbst gehostete Lösungen überhaupt. Und genau hier steht Nextcloud sehr gut da. Die Plattform setzt auf etablierte Verschlüsselungsverfahren, sowohl bei der Übertragung als auch bei der Speicherung. Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist für Dateifreigaben möglich, wenn auch nicht standardmäßig aktiviert. Auch die Kompatibilität mit externen Storage-Systemen wie S3 oder NFS ist gegeben, sodass Unternehmen ihre eigenen Sicherheitsrichtlinien anwenden können.
ownCloud Infinite Scale hat bei der Sicherheit einen entscheidenden Vorteil: Die Architektur ist deutlich schlanker und damit potenziell weniger angreifbar. Jede Zeile Go-Code ist im Vergleich zu einer historisch gewachsenen PHP-Codebasis einfacher zu überprüfen. Zudem wird ownCloud Infinite Scale regelmäßig von unabhängigen Sicherheitsexperten geprüft, und das open-source Modell trägt dazu bei, dass Sicherheitslücken meist schnell entdeckt und geschlossen werden.
Beide Plattformen legen großen Wert auf Compliance. Nextcloud hat sich in Europa als eine Art Standard für datenschutzkonforme Collaboration etabliert. Viele Hochschulen, öffentliche Einrichtungen und Behörden setzen Nextcloud ein, um die Anforderungen der DSGVO zu erfüllen. ownCloud hat in dieser Disziplin eine ähnliche Tradition, und mit ownCloud Infinite Scale wird der Anspruch fortgeführt, sensible Daten in der eigenen Infrastruktur zu halten. Beide Anbieter bieten zudem die Möglichkeit, die Server in Deutschland oder zumindest in der EU zu betreiben.
Genau hier liegt ein politisches Argument, das über die reine Technik hinausgeht. In einer Zeit, in der viele Unternehmen ihre Cloud-Dienste aus den USA abziehen wollen, sind Lösungen gefragt, die eine hoheitliche Kontrolle über die Daten ermöglichen. Nextcloud ist dabei das bekanntere und häufiger diskutierte System. ownCloud tut sich schwerer, in der öffentlichen Wahrnehmung die gleiche Aufmerksamkeit zu bekommen. Dabei hat ownCloud als eines der ältesten Projekte im Bereich Self-Hosted Collaboration unbedingt eigene Stärken, die man nicht unterschlagen sollte.
Ein etwas kritischer Punkt bei beiden Systemen: Das Sicherheitsniveau hängt stark vom Betreiber ab. Eine selbst gehostete Cloud ist kein Garant für automatische Sicherheit. Wer einen Server nicht regelmäßig updated, keine Backups macht und keine sinnvollen Zugriffskontrollen einrichtet, gefährdet die Daten in gleicher Weise wie bei einem externen Dienst. Deshalb sollte die Entscheidung für Nextcloud oder ownCloud immer auch von den eigenen IT-Kapazitäten abhängig gemacht werden. Oder anders gesagt: Die beste Software hilft nichts, wenn niemand da ist, der sie sorgfältig betreibt.
Open Source und Lizenzfragen: ein mühsames Thema mit Auswirkungen
Lizenzfragen sind bei Open-Source-Projekten nicht nur etwas für Juristen. Sie entscheiden mitunter darüber, wie frei man eine Software nutzen und anpassen kann. Sowohl Nextcloud als auch ownCloud setzen grundsätzlich auf offene Lizenzen. Nextcloud verwendet die GNU Affero General Public License, die sicherstellt, dass auch bei einem Netzzugriff der Quellcode offengelegt wird. Das ist eine starke Lizenz, die viele Entwickler als besonders fair empfinden.
ownCloud verfolgt bei der klassischen Version ähnliche Ziele, hat aber bei Infinite Scale die Option, verschiedene Lizenzmodelle zu kombinieren. Der offene Kern steht unter einer freien Lizenz, während einige fortgeschrittene Module und Funktionen nur in der kommerziellen Enterprise-Version erhältlich sind. Das ist ein übliches Modell, aber es führt zu einer klaren Zweiteilung der Software. Man kann das als pragmatische Entscheidung werten, weil sich die Entwicklungsarbeit eben irgendwie finanzieren muss. Es führt aber auch dazu, dass die Grenze zwischen freier und proprietärer Komponente nicht immer klar erkennbar ist.
Nextcloud hat in dieser Hinsicht eine etwas puristischere Position. Zwar bietet auch Nextcloud eine Enterprise-Edition mit zusätzlichen Funktionen und Support, aber die Kernfunktionen der Plattform sind in der Community-Edition vollständig enthalten. Das erleichtert es Kunden, das System erst einmal ohne großes Budget zu testen und später in eine bezahlte Variante zu wechseln. Für Unternehmen, die bereits eigene Entwickler haben, ist das ein Vorteil, weil sie den Code anpassen können, ohne auf versteckte Hürden zu stoßen.
Nicht zuletzt wegen dieser Lizenzpolitik ist Nextcloud in der Welt der Open-Source-Enthusiasten die erste Wahl. ownCloud wird von vornherein eher als kommerzielles Produkt wahrgenommen, selbst wenn die Basis offen ist. Das ist ein Image-Problem, das die ownCloud GmbH durchaus erkannt hat. Die neue Generation Infinite Scale ist ein Versuch, wieder Vertrauen in der Open-Source-Community zu gewinnen und gleichzeitig neue technische Wege zu gehen. Ob das gelingt, hängt nicht zuletzt davon ab, wie viel die Community zur Weiterentwicklung beitragen kann.
Für Unternehmen, die eine langfristige strategische Entscheidung treffen müssen, ist das Lizenzthema nicht bloß eine Detailfrage. Es bestimmt nämlich auch, wie abhängig man vom jeweiligen Hersteller ist. Beide Anbieter gewähren weitgehende Freiheiten, aber die Richtung wird von den Firmen vorgegeben. nextCloud hat sich als Firma sehr stark auf Community-Beteiligung fokussiert und investiert in einen offenen Entwicklungsprozess. ownCloud hingegen wirkt geschlossener, was auch daran liegt, dass die Entwicklung von Infinite Scale ein sehr ambitioniertes Projekt ist, das nicht in großen Teilen von externen Entwicklern gestemmt werden kann.
Von ownCloud zu Nextcloud und zurück: Migration ist mehr als Dateien kopieren
Für alle, die bereits eine eigene Cloud-Instanz betreiben, stellt sich die Frage nach dem Wechsel. Nextcloud hat sich bei der Migration ausdrücklich auf die oldCloud-Datenbestände eingestellt – es gibt Migrationswerkzeuge und unzählige Anleitungen, wie man von ownCloud zu Nextcloud wechselt. In der Praxis funktioniert das meist reibungslos, weil Nextcloud in den ersten Jahren schlicht ein Fork von ownCloud war und die Datenstrukturen kompatibel blieben. Das gilt bis heute für die klassische ownCloud-Variante.
Der Weg in die andere Richtung – also von Nextcloud zu ownCloud – ist dagegen weniger komfortabel. Zwar kann man die übrlichen Verzeichnisse und Freigaben exportieren, aber die App-Konfigurationen und viele Einstellungen müssen neu aufgesetzt werden. Und wenn es um ownCloud Infinite Scale geht, dann ist ein direkter Umzug ohne Datenverlust kaum möglich. Die neue Plattform verwendet eine andere Metadaten-Architektur, weshalb man bei einem Wechsel die Freigabeverläufe und Kommentare unter Umständen nicht einfach mitnehmen kann.
Das ist ein wichtiger Faktor, der in Beratungsgesprächen oft unterschätzt wird. Viele IT-Verantwortliche haben den Eindruck, dass man zwischen zwei Open-Source-Produkten beliebig hin- und herwechseln kann. Dem ist nicht so. Die Kosten einer Migration liegen weniger im Dateitransfer als im Funktionsumfang und in der Anbindung an andere Systeme. Wer bereits eine Nextcloud-Umgebung mit Talk, Groupware und zahlreichen Apps betreibt, kann mächtige Arbeit darauf verwenden, diese Funktionen auf einer eigenen Infrastruktur zu rekonstruieren.
Umgekehrt gilt dasselbe für ownCloud-Nutzer, die zu Nextcloud wechseln wollen. Zwar ist der Start ins System einfach, aber die Übernahme von Nutzerkonten, Gerätezuordnungen und Freigabeeinstellungen erfordert eine sorgfältige Planung. Wer das per Hand macht, verliert schnell ein paar Nächte. Ein Umstieg sollte daher immer mit einem konkreten Zeitplan und vorherigem Testbetrieb geschehen. In den meisten Fällen ist der Umstieg aber genauso sinnvoll wie schmerzlos, weil Nextcloud gerade bei Migrationsthemen sehr viel Erfahrung mitbringt.
Auch die Kompatibilität der Clients spielt eine Rolle. Nextcloud und ownCloud verwenden für die Synchronisation das bekannte WebDAV-Protokoll, sodass die Desktop-Clients theoretisch auch mit der Konkurrenz umgehen können. Praktisch sollte man darauf aber nicht bauen. Die Hersteller optimieren ihre Clients auf die eigenen Server, und nur die eigenen Clients unterstützen alle Funktionen wie Dateikommentare, Verschlüsselung oder Freigabevorgänge. Wer umsteigt, sollte also einkalkulieren, dass die Client-Software umgestellt werden muss – ein Punkt, den auch erfahrene Admins gerne mal übersehen.
Kostenbetrachtung: Open Source heißt nicht automatisch billig
Ein großes Versprechen von Open-Source-Software ist die Freiheit von Lizenzgebühren. Das gilt für Nextcloud wie für ownCloud gleichermaßen. Beide Systeme sind in einer freien Version erhältlich und lassen sich ohne Lizenzkosten nutzen. Doch der Teufel steckt im Detail. Bei Nextcloud ist die Community-Edition zwar voll funktionsfähig, aber der Hersteller bietet daneben kostenpflichtige Enterprise-Versionen an, die vor allem Support, Übernahme von Sicherheitsupdates und erweiterte Verwaltungsfeatures enthalten. Ähnlich ist es bei ownCloud.
Für Unternehmen stellt sich also weniger die Frage, ob sie Geld für die Software selbst ausgeben. Entscheidend ist, ob sie eine externe Unterstützung brauchen. Wer intern über ausreichend Know-how verfügt, kann sowohl Nextcloud als auch ownCloud ohne Lizenzkosten betreiben. Gerade bei Nextcloud gibt es eine lebendige Community, die mit Foren, Wikis und Musterlösungen hilft. ownCloud unterstützt die Community ebenfalls, aber die Masse an frei verfügbarem Wissen ist kleiner.
Hinzu kommen die Kosten für den Betrieb. Nextcloud braucht vergleichsweise wenig Ressourcen und lässt sich auch auf kleiner Hardware installieren. ownCloud Infinite Scale ist, was die Ressourcennutzung betrifft, ebenfalls effizient, benötigt aber eine modernere Infrastruktur. In einer Umgebung mit Containerplattform sind die zusätzlichen Kosten gering, doch kleine und mittlere Unternehmen, die keine Container-Infrastruktur haben, müssen hier erst investieren. Das relativiert den Vorteil der freien Software.
Abschließend lässt sich sagen: Die Frage nach den Kosten ist eigentlich eine Frage nach der Bereitschaft, Eigenleistung zu erbringen. Nextcloud hat den Vorteil, dass die Einstiegshürde niedriger ist und viele Dinge bereits funktionieren, ohne dass man dafür zahlen muss. ownCloud hingegen verlangt mehr Engagement, bietet aber potenziell eine modernere Basis für anspruchsvolle Szenarien. Für den klassischen Mittelstand, der einfach eine funktionierende Dateiablage mit ein paar Extras möchte, ist Nextcloud in den meisten Fällen die wirtschaftlichere Wahl.
Community und langfristige Perspektive
Bei der Auswahl einer Open-Source-Lösung spielt die Frage der Nachhaltigkeit eine große Rolle. Es gibt viele Projekte, die mit großem Enthusiasmus starten und nach ein paar Jahren im digitalen Nirwana verschwinden. nextCloud ist nicht nur ein Projekt mit großer Verbreitung, sondern auch mit einem stetig wachsenden Entwicklerteam. Die Veranstaltungen wie Nextcloud Conference oder die zahlreichen Meetups ziehen Technikbegeisterte und Unternehmen aus ganz Europa an. Diese Vitalität ist ein Zeichen dafür, dass die Plattform auch in zehn Jahren noch weiterentwickelt wird.
ownCloud hat es in dieser Hinsicht ungleich schwerer. Das Projekt hat nach dem Fork viel von seiner Strahlkraft verloren. Die Zahl der aktiven Beitragenden auf der Plattform ist deutlich kleiner, und auch wenn die Firma hinter dem Projekt solide wirkt, fehlt ihr die breite Unterstützung der Community. Daher hängt die Zukunft von ownCloud umso stärker am kommerziellen Erfolg der GmbH. Das ist nicht zwingend negativ, denn einige Open-Source-Projekte werden sehr erfolgreich von Unternehmen getragen. Es birgt für die Nutzer jedoch ein höheres Risiko, wenn sich die wirtschaftliche Lage des Anbieters verschlechtern sollte.
Beide Projekte veröffentlichen regelmäßig neue Versionen, aber das Tempo unterscheidet sich erheblich. Nextcloud folgt einem stabilen Release-Zyklus mit mehreren größeren Updates pro Jahr. ownCloud Infinite Scale veröffentlicht ebenfalls regelmäßig, aber die Veränderungen sind mitunter fundamentaler. Das liegt daran, dass die Plattform noch in einem Reifungsprozess steckt. Während Nextcloud als ausgereift gelten kann, wird ownCloud Infinite Scale typischerweise als „moderne Basis“ beschrieben – eine Basis, die noch Zeit braucht, um zu einer vollwertigen Collaboration-Umgebung zu werden.
Ein weiterer Punkt ist das Partnernetzwerk. Nextcloud verfügt über eine breite Allianz aus Systemhäusern, Hosting-Providern und Technologiepartnern. Das macht es einfach, Kompetenz für Projekte zu finden, ganz gleich ob bei der Einführung, der Integration oder beim Betrieb. ownCloud hat ebenfalls Partner, aber das Netz ist weniger dicht und in bestimmten Regionen könnte es schwierig sein, lokale Experten zu finden. Gerade für Unternehmen, die auf externe Dienstleister setzen, ist das ein harter Faktor.
Alles in allem ist die langfristige Perspektive von Nextcloud aus heutiger Sicht besser. Das Projekt braucht die Technik-Magergazmologie nicht zu scheuen, denn die große Community und das breite Partnernetzwerk geben Sicherheit. ownCloud bleibt dennoch ein spannender Konkurrent, gerade weil die Architektur von Infinite Scale das Potenzial hat, die nächste Generation von Cloud-Lösungen zu beeinflussen. Man sollte die beiden Systeme also nicht als Todfeinde sehen, sondern eher als zwei Geschwister, die unterschiedliche Wege eingeschlagen haben – und genau deshalb für verschiedene Anforderungen passend sind.
Praxisbeispiele: Wo sich Nextcloud durchsetzt, wo ownCloud punktet
Es ist hilfreich, sich konkrete Anwendungsszenarien anzusehen. Eine Universität mit 20.000 Studierenden und Lehrenden benötigt eine Plattform, die Dateien, E-Learning-Aufgaben und Kommunikation integriert. Hier führt an Nextcloud praktisch kein Weg vorbei, weil das Funktionsspektrum von Talk bis OnlyOffice direkt brauchbar ist. Auch Behörden und öffentliche Verwaltungen, die Wert auf Datenschutz legen, setzen sehr häufig auf Nextcloud. Nicht zuletzt der Faktor Europa ist hier ausschlaggebend, denn der Hersteller sitzt in Deutschland und ist damit gut positioniert für die Anforderungen der Digitalstrategie von Bund und Ländern.
ownCloud findet sich dagegen eher in Umgebungen, die bereits stark in Container-Infrastrukturen investiert haben oder die eine reine Dateiablage mit hohen Performance-Anforderungen benötigen. Ein Beispiel wäre ein Logistikunternehmen, das an vielen Standorten Daten synchronisieren und dabei auf S3-Storage setzen möchte. ownCloud Infinite Scale könnte hier punkten, weil es eine sehr enge Anbindung an den Speicher und ein effizientes Datenmanagement bietet. Auch im Bereich der IT-Dienstleister, die Multi-Tenant-Lösungen für ihre Kunden bauen, kann die Service-Orientierung von ownCloud ein Vorteil sein.
Für den klassischen Anwender, der von Dropbox oder einem anderen Cloud-Dienst zu einer selbst gehosteten Lösung wechseln möchte, sind beide Systeme gut, aber Nextcloud ist einfacher. Die Installation mit dem Nextcloud Appliance Setup ist in wenigen Minuten erledigt, und die Benutzerführung erinnert stark an die großen kommerziellen Cloud-Dienste. ownCloud war in seiner klassischen Form ebenfalls schnell installiert, aber das neue Infinite Scale verlangt von Anfang an etwas mehr Denken in Prozessen und Containern. Das ist für erfahrene Entwickler eine Freude, für Einsteiger aber eine Hürde.
Man sollte an dieser Stelle auch die eigenen Daten-Strategien nicht unerwähnt lassen. Nextcloud ist eine Datenplattform mit einer sehr durchdachten Freigabeverwaltung. Man kann Dateien mit Personen innerhalb und außerhalb der Organisation teilen, Passwörter vergeben, Gültigkeiten einstellen und sogar Kommentare von Freigaben einholen. ownCloud bietet diese Funktionen ebenfalls an, aber in einer weniger ausgereiften Form. Wer also ein starkes externes Teilen benötigt, etwa mit Kunden und Lieferanten, wird sich bei Nextcloud wohler fühlen.
Auch die Integration in bestehende IT-Landschaften fällt unterschiedlich aus. Nextcloud besitzt zahlreiche Adapter für Active Directory, LDAP, SAML und OpenID Connect und lässt sich dadurch sehr gut in Unternehmen mit etablierter Benutzerverwaltung integrieren. ownCloud ist hier ebenfalls fit, aber die Dokumentation und die vorgefertigten Integrationsmuster sind weniger umfangreich. Dieser Punkt manifestiert sich in den Projekten, bei denen die Planung am Ende mehr Zeit kostet, weil unklar ist, wie bestimmte Dienste am besten eingebunden werden.
Fazit: Kein Sieger ohne Kontext
Wenn man all diese Aspekte abwägt, kommt man nicht umhin, einen Satz zu sagen, der in der Technikwelt oft missverstanden wird: Es kommt darauf an. Nextcloud ist für die Mehrheit der Unternehmen die bessere Wahl, weil es ausgereift, weit verbreitet, funktionsreich und leicht zu betreiben ist. ownCloud Infinite Scale ist die interessantere Wahl für eine Minderheit, die Wert auf eine moderne Architektur legt und bereit ist, dafür ein jüngeres System zu ertragen.
Die Entscheidung sollte man nicht auf Basis von Marketingversprechen treffen, sondern auf der Grundlage einer gründlichen Bestandsaufnahme: Welche Funktionen sind wirklich gefordert? Wie schnell soll die Lösung laufen? Wie viel Personal ist für den Betrieb und die Weiterentwicklung vorhanden? Welche Migrationen stehen an? Und wie wichtig ist die langfristige Zusammenarbeit mit einer großen Community? Die Antworten auf diese Fragen schrumpfen oft auf einen einzigen Verweis: Wer heute mit den üblichen Collaboration-Anforderungen arbeitet, wird mit Nextcloud besser fahren. Wer dagegen ein technisch sauberes Fundament bauen will, das in einigen Jahren noch modern sein soll, sollte ownCloud nicht gering schätzen.
Ein Detail noch, das für beide Systeme gilt: Die Konkurrenz zwischen Nextcloud und ownCloud hat die Entwicklung insgesamt vorangetrieben. Ohne ownCloud gäbe es Nextcloud vermutlich nicht, und ohne Nextcloud wäre ownCloud nicht zu einer so radikalen Modernisierung gezwungen. Wer heute vor der Wahl eines selbst gehosteten Cloud-Dienstes steht, kann sich freuen, dass es überhaupt zwei so ernst zu nehmende Optionen gibt – und dass beide auf einer offenen Lizenzierung basieren, die den Anwender nicht bevormundet. Das ist ein Zustand, den man in der kommerziellen Softwarewelt selten antrifft, und man sollte ihn nutzen, solange er besteht.
Dabei zeigt sich auch: Nextcloud hat sich den Status des Platzhirsches verdient, den man als Anwender nicht ignorieren kann. Die Plattform ist in den vergangenen Jahren gereift, die Neuerungen wie Nextcloud Hub, integrated Office oder Talk sind substantiell. ownCloud wiederum verdient für den Mut, eine etablierte Codebasis hinter sich zu lassen, großen Respekt. Ob sich dieser Schritt am Ende auszahlt, wird die kommenden Jahre zeigen. Bis dahin dürfte die kluge Entscheidung für die meisten klare lauten: Nextcloud als solide Zusammenfassung der Gegenwart, ownCloud als Perspektive für eine mögliche Zukunft.
Man muss schließlich nicht beide Welten wählen – zumindest nicht gleichzeitig. Bei einer Neuinstallation empfiehlt es sich, zunächst mit Nextcloud zu starten. Wer später feststellt, dass ihm die Architektur zu klassisch ist oder die Skalierung nicht ausreicht, kann immer noch einen Wechsel zu ownCloud Infinite Scale einplanen. Vielleicht ist dieser Wechsel dann ein gutes Stück einfacher, als er es heute wäre – denn auch ownCloud arbeitet weiter an Migrationspfaden. Die Zukunft der selbst gehosteten Collaboration wird jedenfalls von beiden Projekten mitbestimmt werden. Und genau das ist eine gute Nachricht.