Nextcloud Preise im Check was die Cloud wirklich kostet

Nextcloud – Alles rund um Nextcloud: Preismodelle, die niemand auf der Rechnung hat

Seit rund einem Jahrzehnt schwelt im digitalen Arbeitsalltag eine Frage, die kaum jemand offen stellt: Wem gehören die Daten, mit denen wir jeden Tag hantieren? Bei Microsoft 365, Google Workspace oder Dropbox lautet die Antwort oft: dem Konzern. Nextcloud will das ändern – und gerät dabei seit Jahren immer mehr in den Fokus von IT-Verantwortlichen, die sich der EU-Datenschutzgrundverordnung verpflichtet fühlen. Die Software stammt aus Stuttgart, ist quelloffen und wird inzwischen in Kommunen, Kliniken und Unternehmen eingesetzt. Doch die anfängliche Begeisterung über die vermeintlich kostenlose Software weicht nicht selten der Ernüchterung, sobald es ums Geld geht. Denn was Nextcloud kostet, hängt von sehr vielen Faktoren ab. Nicht nur vom Hersteller, sondern auch von den eigenen Fähigkeiten, der IT-Infrastruktur und – natürlich – von der Frage, ob man einen Experten dafür bezahlt, die Dinge am Laufen zu halten. Dieser Artikel versucht, Licht ins Preisdickicht zu bringen und dabei ein Gesamtbild zu zeichnen: Was ist Nextcloud, was kann es leisten, und welche Preismodelle gibt es wirklich?

Ein kurzer Blick auf das Phänomen Nextcloud

Nextcloud ist im Kern eine synchronisierte Dateiablage, aber gleichzeitig viel mehr: Kalender, Kontakte, E-Mail, Videokonferenzen, Online-Office und ein App-Store, der fast jede erdenkliche Funktion nachrüsten lässt. Die Software entstand 2016 als Abspaltung von ownCloud, damals schon mit dem Anspruch, eine Alternative zu den großen US-Konzernen zu sein. Der entscheidende Unterschied: Nextcloud ist Open Source und wird nach der AGPLv3-Lizenz vertrieben. Das heißt, jeder darf die Software nutzen, einsehen und auch verändern. Man kann sie auf einem eigenen Server betreiben, bei einem Dienstleister mieten oder bei Nextcloud selbst in der Cloud nutzen. Diese Freiheit hat ihren Preis – im wörtlichen Sinne aber auch wieder nicht, denn die Software selbst ist kostenlos. Wer das nur als Werbeslogan abtut, unterschätzt, wie viel Kontrolle man mit der Wahl einer Open-Source-Plattform zurückgewinnt. Doch dieser Freiheit steht eine ziemlich unübersichtliche Preislandschaft gegenüber.

Dabei wäre die Frage nach den Kosten so einfach zu beantworten, wären da nicht die unterschiedlichen Einsatzszenarien. Ein Freiberufler, der seine Patientenakten oder Mandantendaten in einer eigenen Nextcloud ablegen will, hat andere Bedürfnisse als etwa ein Landesbetrieb, der 20.000 Mitarbeitern eine kollaborative Plattform bereitstellen muss. Hinzu kommt: Nextcloud selbst bietet mit der Enterprise-Edition ein Subskriptionsmodell an, das Support und erweiterte Funktionen garantiert. Daneben gibt es Hoster, die Nextcloud als Managed Service anbieten, und man kann die Software auch auf einem eigenen NAS oder Server betreiben. Jede Variante hat eigene Kostenstrukturen. Schauen wir uns das genauer an.

Die Grundlage: Open Source, aber nicht zum Nulltarif

Der Grundstein der Nextcloud-Welt ist die Community-Edition. Sie ist kostenlos, kommt aber ohne Herstellersupport. Genau genommen ist sie sogar mehr als kostenlos: Sie lässt sich unter der AGPLv3 frei nutzen, kopieren und anpassen. Das ist ein unschlagbarer Vorteil für Datenschützer und Sparfüchse. Doch wie bei allen Open-Source-Projekten gilt auch hier: Die Software ist nur so gut wie die Menschen, die sich darum kümmern. Ohne einen versierten Administrator, der Updates einspielt, Backups anlegt und die Installation überwacht, wird aus der vermeintlich billigsten Lösung schnell ein Sicherheitsrisiko. Viele IT-Leiter, die enthusiastisch eine kostenlose Nextcloud aufgesetzt haben, erinnern sich noch gut an ihre erste Panne: ein fehlgeschlagenes Update, das die Nutzerdatenbank beschädigt hat, oder ein nicht abgedichteter Server, der im öffentlichen Netz gefunden wurde. Die Rettungsaktion kostete am Ende mehr als eine ordentliche Subscription gehabt hätte.

Nextcloud selbst hat das erkannt und bietet deshalb eine sogenannte Enterprise-Edition an. Diese ist nicht etwa eine andere Software, sondern die gleiche mit Zusatzfunktionen und, wichtiger noch, mit einem Versprechen: Der Hersteller unterstützt das System, liefert regelmäßig Sicherheitspatches und behebt Bugs innerhalb von garantierten Zeitfenstern. Wer diese Edition wählt, schließt einen Subskriptionsvertrag ab – meist jährlich, abhängig von der Anzahl der Nutzer. Die Preise dafür werden nicht transparent veröffentlicht, sondern je nach Projekt kalkuliert. Das ist ein bekanntes Modell im Open-Source-Business, und es hat durchaus Charme. Man zahlt nicht für die Software an sich, sondern für den Service drumherum. Dabei zeigt sich allerdings, dass Nextcloud keineswegs ein Schnäppchen ist, wenn man es mit den Preisen von US-Konzernen vergleicht. Allerdings bekommt man für sein Geld auch europäische Rechtssicherheit, eine transparente Datenverarbeitung und keine ungefragte Verwendung der eigenen Daten für KI-Trainingszwecke.

Ein interessanter Aspekt ist, dass Nextcloud auch eine eingebaute „Weiterverbreitung“ der Enterprise-Funktionen erlaubt: In der Community-Edition fehlen einige Module, die für größere Unternehmen relevant sind. Etwa das da! Wenn man die Liste der enthaltenen Apps vergleicht, stellt man fest: Es gibt nicht „die eine Nextcloud“, sondern ein ganzes Ökosystem. Während die Community-Version auf dem eigenen Server meist ausreicht, sind es vor allem die Zusatzoptionen wie Office-Integration, externe Speicher oder erweiterte Sicherheitsfunktionen, die in der kostenpflichtigen Version stecken. Das ist eine gängige Praxis – auch wenn sie für manchen Beobachter ein wenig an die Werbeversprechen der proprietären Konkurrenz erinnert, die mit „Basic“ und „Premium“ spielt.

Nextcloud Enterprise: Das offizielle Preismodell genauer betrachtet

Die Nextcloud GmbH hat sich für ein gestaffeltes Preissystem entschieden, das im Wesentlichen drei Pakete umfasst. Einsteiger wählen die „Standard“-Edition, die den Zugang zu den nicht-freien Enterprise-Apps und einen gewissen Support-Reaktionszeiten bietet. Darüber liegt „Advanced“, das zusätzliche Features wie Server-Management-Tools und eine höhere SLAs umfasst. Ganz oben steht „Enterprise“, das sich an große Organisationen mit strengen Compliance-Anforderungen richtet. In dieser Stufe fallen allerdings keine Lizenzkosten im herkömmlichen Sinne an, sondern eine jährliche Subskriptionsgebühr pro Nutzer. Die Größenordnung wird branchienüblich etwa mit 30 bis 60 Euro pro Benutzer und Jahr gehandelt, wobei Rabatte bei großen Abnahmemengen möglich sind. Ein Unternehmen mit 100 Mitarbeitern muss also mit Investitionen von rund 3.000 bis 6.000 Euro pro Jahr rechnen. Das hört sich zunächst moderat an, aber man darf nicht vergessen: Der Preis deckt nur den Herstellersupport ab. Server, Administration, Schulungen, Migration – das alles sind zusätzliche Kostenblöcke, die häufig unterschätzt werden.

Eine nächste Variante ist die „Nextcloud Cloud“ – ein gehostetes Angebot des Herstellers selbst. Nextcloud betreibt dazu Rechenzentren in Europa und vermietet die Plattform als Software-as-a-Service. Die Preise richten sich nach der Anzahl der Nutzer und dem belegten Speicherplatz. Für kleinere Unternehmen erscheint das verlockend, weil man sich den Betrieb vor Ort erspart. Allerdings geben Anwender damit einen Teil der Kontrolle ab, die bei der Selbsthosting-Variante erhalten bleibt. Die Abgrenzung zwischen der eigenen Cloud und der Enterprise-Subskription ist nicht immer klar. Es empfiehlt sich, einen Blick auf das Leistungsverzeichnis zu werfen: Was ist im Wartungspreis enthalten? Werden Updates automatisch eingespielt? Gibt es einen Telefonsupport? Diese Fragen klären oft mehr als der reine Preis.

Die versteckten Kosten der Selbstverwaltung

Eine Weile lang galt Nextcloud als Geheimtipp für alle, die günstig eine eigene Cloud aufbauen wollen. Der Reiz liegt auf der Hand: Die Software ist kostenlos, die Hardware liegt in Form eines alten PCs oder eines NAS-Servers im Keller. Doch der Teufel steckt im Detail. Die laufenden Kosten für Strom, Wartung und Sicherheitsupdates sind nicht zu unterschätzen. Wer abends um zehn Uhr ein kritisches Update einspielen muss, weil ein Exploit bekannt wurde, der spürt den Preis der Freiheit unmittelbar. Und dann sind da noch die Personalkosten: Ein Systemadministrator, der sich nebenbei um die Nextcloud kümmert, verbringt schnell fünf bis zehn Stunden pro Woche mit Überwachung, Fehlersuche und Nutzerverwaltung. Bei einem Stundensatz von achtzig Euro – und das ist nicht unrealistisch – kommen da schnell 2.000 Euro pro Monat zusammen. Bei einer kleinen Firma mit 50 Mitarbeitern ist das ein Kostenvorteil gegenüber einem Managed-Angebot, aber nur, wenn die betreffende Person auch tatsächlich das Know-how hat.

Ein weiterer Kostenblock, der vielen erst spät auffällt, ist die Datenmigration. Wer von Microsoft SharePoint oder einem alten File-Server kommt, will nicht einfach nur Dateien kopieren. Berechtigungen, Metadaten, persönliche Ordner, präzise Ablagen – all das muss sauber überführt werden. Fertige Migrationstools gibt es zwar, aber sie setzen meist die Enterprise-Edition voraus. Wenn man dann feststellt, dass die Tabellen nicht sauber gemappt sind, stößt man schnell an die Grenzen des eigenen Budgets. Nicht zuletzt sind auch die Anpassungen ein Thema: Viele Unternehmen wollen ihre Nextcloud mit dem eigenen Logo versehen, mit einer Zwei-Faktor-Authentifizierung aus dem Active Directory verbinden oder bestimmte Workflows abbilden. Das alles erfordert Aufwand, der in keiner Preisliste steht.

Dritte Anbieter: Managed Nextcloud aus der Cloud

Zwischen Selbstbetrieb und offizieller Enterprise-Edition gibt es eine dritte, oft übersehene Möglichkeit: gehostete Nextcloud-Instanzen von zertifizierten Partnern. Zahlreiche deutsche und europäische Hosting-Unternehmen bieten Nextcloud als managed Dienst an. Sie kümmern sich um Updates, Backups, Firewalls und überwachen die Systeme. Die Preise bewegen sich üblicherweise zwischen fünf und fünfzehn Euro pro Benutzer und Monat, je nach Ausstattung und Speichervolumen. Das klingt vergleichbar mit Microsoft 365, aber es steckt mehr dahinter: Die Daten bleiben in der Regel in deutschen Rechenzentren, die Anbieter unterliegen der europäischen Datenschutz-Grundverordnung und bieten häufig sogar eine sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung an. Man darf allerdings nicht vergessen, dass diese Angebote in einem hart umkämpften Markt existieren. Manche Hoster locken mit Tiefstpreisen und haben dann aber eklatante Schwächen beim Support. Darum sollte man bei der Auswahl nicht nur auf die monatlichen Kosten achten, sondern auch auf die Vertragsbedingungen und die geografische Verteilung der Daten.

Nextcloud selbst zertifiziert diese Anbieter, was später ein Gütesiegel ist. Als Kunde hat man dann die Sicherheit, dass die Instanz eine gewisse Qualität hat und dass die Betreiber mit dem Hersteller zusammenarbeiten. In der Praxis kann man sich über die Hersteller-Website eine Liste der Partner anzeigen lassen. Die Preise dort sind transparent ausgewiesen – zumindest für Standard-Konfigurationen. Wirklich teuer wird es, wenn man Anpassungen benötigt, etwa eine Anbindung an SAP oder eine spezielle Verzeichnis-Struktur. Dann kommen individuelle Angebote ins Spiel, die oft erst nach einem Beratungsgespräch erstellt werden. Das ist nicht weiter ungewöhnlich, aber es schreckt Kostentransparenz-Enthusiasten ab.

Ein Blick auf die TCO: Das Ende der Naivität

Vergleicht man die Preise, kommt man nicht an einer Betrachtung der Gesamtbetriebskosten (TCO) vorbei. Allzu viele Entscheider verfallen auf den simplen Vergleich: Nextcloud-Subskription für 4.000 Euro im Jahr gegen Microsoft Business Standard für 12.000 Euro im Jahr. Das sieht günstig aus, aber die Rechnung ist unvollständig. Microsoft übernimmt die gesamte Infrastruktur, die Updates, den Support und in gewissem Maße auch die Compliance. Bei Nextcloud muss man diese Leistungen selbst organisieren. Es sei denn, man wählt ein gehostetes Angebot. Und auch dann gibt es Unterschiede: Ein gehostetes Nextcloud-Paket enthält oft nicht die komplette Office-Suite oder professionelle Migrationstools. Zusatzmodule schlagen extra zu Buche, ebenso die Schulungen der Mitarbeiter, die von den gewohnten Verhaltensweisen auf der neuen Plattform umgestellt werden müssen. Wer alle Faktoren berücksichtigt, landet oft bei ähnlichen Gesamtkosten wie bei den großen proprietären Anbietern. Der Unterschied liegt deshalb weniger im Geld, sondern im Wert der digitalen Souveränität.

Ein Rechenbeispiel, das so in vielen Unternehmen ähnlich aussieht: Eine Firma mit 80 Mitarbeitern entscheidet sich für die Enterprise-Edition und betreibt die Nextcloud auf einem eigenen Servercluster. Die jährlichen Lizenzkosten sind 5.000 Euro. Dazu kommen 20.000 Euro für einen Teilzeit-Administrator sowie 10.000 Euro für Serverwartung, Strom und Software. Das ergibt 35.000 Euro im Jahr. Bei einem gehosteten Angebot eines Partners wären es vielleicht 20.000 Euro. Allerdings ist im Selbstbetrieb die Flexibilität größer, und die Daten liegen komplett im eigenen Haus. Das ist für viele Unternehmen, insbesondere im Premium-Segment, unbezahlbar. Bei Microsoft 365 wäre man mit 80 Nutzern à zehn Euro monatlich bei etwa 9.600 Euro im Jahr. Also deutlich günstiger, wenn man von Identitätspaketen und zusätzlichen Features absieht. Der Markt ist also nicht so einfach zu durchschauen, wie es auf den ersten Blick scheint.

Zusatzkosten: Die Module, die man gerne vergisst

Die Grundinstallation einer Nextcloud kann schon viel, aber die wirkliche Produktivität entfaltet sich erst mit den Zusatz-Apps. Nextcloud Talk, die Videokonferenz-Lösung, ist ebenso beliebt wie Nextcloud Office, das auf Collabora oder OnlyOffice basiert. Diese Module sind zum Teil in der Enterprise-Subskription enthalten, in der Community-Edition jedoch nur als Basisfunktion. Bei großen Konferenz-Szenarien sind dann zusätzliche Kapazitäten für Streaming oder eine separate Collabora-Instanz nötig. Das kostet nicht nur Geld, sondern auch IT-Aufwand. Eine andere beliebte Erweiterung ist die Anbindung von externen Speichern, etwa S3-kompatiblen Buckets oder Windows-Freigaben. Das ist in der Enterprise-Version vorgesehen, muss aber konfiguriert werden. Und so kommt es, dass die Kosten für eine „rundum-sorglos“-Plattform oft um 30 bis 40 Prozent über dem reinen Subskriptionspreis liegen.

Auch die Sicherheit hat ihren Preis. Nextcloud bietet zwar umfangreiche Rechte-Management-Einstellungen, aber ohne klare Richtlinien, wer auf welche Daten zugreifen darf, wird die Plattform schnell zum Wildwuchs. Ein Administrator, der die Rechtevergabe im Blick behalten muss, ist unverzichtbar. Dazu kommt das Thema Backup: Wer die Cloud selbst betreibt, muss sich um die Datensicherung kümmern – idealerweise mit einer zweiten Maschine an einem anderen Standort. Das kostet Geld, will aber gut durchdacht sein. Insbesondere bei öffentlichen Einrichtungen kommen diverse Vorgaben hinzu, etwa die Trennung von personenbezogenen Daten und das Führen von Prüfprotokollen. All das sind keine einmaligen Ausgaben, sondern wiederkehrende Betriebskosten.

Für wen lohnt sich welche Lösung?

Aus dieser Gemengelage lassen sich Faustregeln ableiten, die aber nicht den Einzelfall ersetzen. Für Privatnutzer oder kleine Freiberufler ist eine gehostete Nextcloud bei einem günstigen Anbieter oft die beste Wahl. Für ein paar Euro im Monat hat man eine zuverlässige Cloud ohne IT-Sorgen. Die kostenlose Community-Edition auf einem Raspberry Pi ist eher ein Hobby – wer darauf berufliche Daten ablegt, spielt mit dem Feuer. Bei kleinen Unternehmen mit bis zu 20 Mitarbeitern lohnt sich ein Managed-Angebot, weil die Administration im Tagesgeschäft untergeht. Erst ab einer Größenordnung von 100 Nutzern kann ein eigenes Betriebsmodell wirtschaftlich sein, sofern bereits eine IT-Abteilung vorhanden ist, die das System pflegen kann. Aber auch dann sollte man eine versteckte Diät einplanen: Die Softwareentwicklung steht nicht still, und Nextcloud veröffentlicht etwa alle drei Monate eine neue Version. Jede Aktualisierung will durchdacht sein, insbesondere wenn viele Apps oder benutzerdefinierte Anpassungen vorhanden sind.

Für Unternehmen mit strengen Compliance-Anforderungen ist die Enterprise-Edition mit Herstellersupport fast schon Pflicht. Die Zertifizierung nach ISO und die DSP-Listen machen es möglich, audit-fähige Protokolle zu fühlen. Hinzu kommt, dass sich bei großen Benutzermengen ein persönlicher Kontakt zum Hersteller auszahlt. Der Preis dafür ist schwer in Euro auszudrücken, aber die Erfahrung zeigt, dass sich ein fairer Support-Vertrag im Ernstfall bezahlt macht – etwa wenn ein kritischer Sicherheitspatch benötigt wird, bevor er offiziell veröffentlicht wird. Nicht zuletzt ist da die politische Komponente: Die öffentliche Verwaltung in Deutschland hat in den letzten Jahren zunehmend auf Open-Source-Lösungen gesetzt, nicht aus Kostengründen, sondern aus strategischer Unabhängigkeit. Diese Tendenz dürfte sich fortsetzen, gerade in Zeiten, in denen die globale Software-Souveränität auf dem Prüfstand steht.

Preisvergleich mit proprietären Konkurrenten

Wer eine Nextcloud anschafft, nimmt es meist bewusst mit Microsoft oder Google auf. Der direkte Preisvergleich hinkt allerdings, denn die Funktionsvielfalt ist nicht identisch. Microsoft 365 beinhaltet neben Exchange Online, SharePoint und Teams auch eine vollwertige Desktop-Software-Suite. Nextcloud kratzt mit Collabora und OnlyOffice zwar an diesen Funktionen, aber die Office-Online-Editoren sind nicht ganz gleichwertig. Für viele Alltagsdokumente reicht es, aber bei komplexen Layouts und Makros zeigen sich Grenzen. Das ist auch der Grund, warum viele Betriebe eine hybride Lösung fahren: Nextcloud für die datenschutzkritischen Dateien und Microsoft für die altbewährte Office-Welt. Die Kosten dafür sind doppelt – und oft ein ungeplantes Budgetthema. Es spricht einiges dafür, die Entscheidung nicht allein auf den Softwarepreis zu reduzieren. Der eigentliche Vorteil von Nextcloud liegt in der Souveränität: Daten verbleiben im eigenen Haus, Gesetze wie die DSGVO sind einfacher einzuhalten, und der Lieferant lässt sich bei Bedarf austauschen, weil die Schnittstellen offen sind.

Das Geschäftsmodell von Nextcloud ähnelt insofern klassischen IT-Dienstleistern, als die Software nur den Einstieg bildet. Der Hauptumsatz entsteht durch Support und Anpassungsleistungen, die häufig externe Dienstleister erbringen. Diese Anbieter haben ihre eigenen Preismodelle, von Stundensätzen bis zu Festpreisen. Je individueller die Integration, desto höher der Anteil der Beratungskosten am Gesamtprojekt. Manche Unternehmen berichten von Implementierungsprojekten, die den Softwarepreis um das Zehnfache überstiegen haben. Das mag abschreckend wirken, ist bei Unternehmenssoftware aber eher die Regel als die Ausnahme – auch bei SAP, Salesforce oder anderen Plattformen. Die entscheidende Frage ist, ob man die laufenden Kosten langfristig schultern kann und will.

Die Zukunft von Nextcloud und die Preisgestaltung

Nextcloud hat in den letzten Jahren einige strategische Weichen gestellt. Mit der Einführung des Nextcloud Hubs, einer integrierten Lösung für Zusammenarbeit, geht das Unternehmen den Weg von der reinen Dateiaustausch-Plattform zur vollwertigen Kollaborations-Umgebung. Das dürfte die Nachfrage nach zusätzlichen Modulen erhöhen – und damit die Kosten. Zugleich wächst der Druck durch die EU-Verordnung über einen digitalen Binnenmarkt, die Open Source begünstigt. Es ist gut möglich, dass Nextcloud in den kommenden Jahren weitere staatliche Aufträge gewinnt, gerade im Bereich der kommunalen Verwaltung. Das wiederum könnte zu Skaleneffekten führen, die auch dem Mittelstand zugutekommen. Allerdings steigt die Komplexität, je mehr Sektoren und Sonderlösungen integriert werden. Die Preise für Projektumsetzung werden also eher nicht sinken.

Wer heute eine Nextcloud einführen will, sollte sich nicht nur die Software-Preise anschauen, sondern eine detaillierte Wirtschaftlichkeitsberechnung aufstellen. Dazu gehören die Kosten für den Betrieb, die Anwendungsbetreuung und die Ausfallrisiken. Eine gute Herangehensweise ist es, zunächst einen Pilotbetrieb mit einer überschaubaren Anzahl von Nutzern zu starten und die Erfahrungen zu sammeln. Anschließend kann man entscheiden, ob man den Selbstbetrieb favorisiert oder ein gehostetes Angebot wählt. Oft zeigt sich, dass die Einführung weniger durch die Software selbst als durch die internen Abläufe und Widerstände bestimmt wird. Wenn die IT-Abteilung keine Kapazitäten hat, wird eine Managed-Lösung fast immer die pragmatischere Wahl sein. Und wenn das Unternehmen ohnehin jede Funktion aus der M365-Welt benötigt, ist die Entscheidung für Nextcloud eine grundsätzliche Fragen an die eigene Digitalstrategie – und nicht bloß eine Kostenverhandlung.

Ein paar Gedanken zum mitdenken

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass Nextcloud kein Produkt ist, das man einfach kauft. Es ist eher ein Weg, ein Bekenntnis zu einer bestimmten Art des digitalen Arbeitens. Wer diesen Weg geht, sollte offen sein für neue Konzepte und nicht sklavisch an alten Gewohnheiten hängen. Kosten entstehen nicht nur in der Software, sondern vor allem in den Prozessen. Unternehmen, die Nextcloud erfolgreich betreiben, schätzen die Freiheit und die Unabhängigkeit vom Hersteller. Sie nehmen dafür auch in Kauf, dass manche Dinge langsamer laufen als in der komfortablen US-Cloud. Dafür ist das gute Gefühl, die Kontrolle zu behalten, unbezahlbar. In den kommenden Jahren wird sich zeigen, ob Nextcloud den Spagat zwischen Kommerzialisierung und Open-Source-Idealen schafft. Aber die Grundlage dafür ist gut, das Preisgefüge ist – bei aller Unübersichtlichkeit – immerhin ehrlicher als das mancher Konkurrent, der mit versteckten Kosten und Datenwucher arbeitet.

Letztlich sollten sich Entscheider nicht von dem Begriff „Open Source“ blenden lassen. Kostenlosigkeit ist nur ein Versprechen, kein vollständiges Modell. Die wirklich bedeutsamen Investitionen in die digitale Infrastruktur sind die, die man selbst trägt: Zeit, Wissen und die Bereitschaft, sich auf eine neue Plattform einzulassen. Wer das akzeptiert, findet bei Nextcloud ein preislich faires Modell – vor allem dann, wenn man die eigenen Daten und die Einhaltung des Datenschutzes mit einpreist. Die deutsche und europäische Softwarebranche könnte von einer solchen Haltung profitieren. Und wer weiß, vielleicht werden die Preise für Enterprise-Subskriptionen in einigen Jahren noch transparenter, wenn der Wettbewerb zwischen freien und proprietären Lösungen weiter zunimmt. Bis dahin gilt, den Preis eines Produkts nicht an der Zahl auf der Rechnung festzumachen, sondern an dem Wert, den die Software für die eigene Organisation stiftet. In diesem Sinn ist Nextcloud ein Paradebeispiel dafür, wie man mit Augenmaß und Verstand in die Cloud gehen kann – ohne das eigene Portemonnaie und die eigenen Rechte zu verlieren.

Die eingangs gestellte Frage „Was kostet Nextcloud?“ lässt sich also nicht mit einer einzigen Zahl beantworten. Die Antwort reicht von null Euro für die Neugierigen bis zu einem mittleren sechsstelligen Betrag für die großen Konzerne, die eine maßgeschneiderte Lösung mit rund um die Uhr Betreuung benötigen. Der sinnvollste Kompromiss liegt für die meisten Anwender irgendwo dazwischen – und das ist auch gut so. Denn ein Speicherplatz mit Serveranschluss ist eben nicht alles, was die Arbeitswelt von heute ausmacht. Es geht um Vertrauen, Zuverlässigkeit und die freie Wahl, seine Daten dorthin zu legen, wo man es für richtig hält. In diesem Sinne ist Nextcloud vielleicht nicht das billigste, aber sicherlich eines der ehrlichsten Modelle am Markt. Und das ist in der digitalen Welt mehr wert als so manche Null auf der Rechnung.