Nextcloud als Unternehmens App Store für Softwareverteilung

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Die Wolke ist längst kein nebulöses Versprechen mehr. Für viele Unternehmen ist sie der zentrale Dreh- und Angelpunkt der täglichen Zusammenarbeit. Doch während die großen amerikanischen Anbieter mit ihren geschlossenen Ökosystemen locken, hat sich im Herzen Europas eine Gegenbewegung etabliert. Nextcloud ist ihr prominentester Vertreter. Kein reiner Filesharing-Dienst, sondern eine Plattform, die weit darüber hinausgeht – und sich in den vergangenen Jahren einen festen Platz in der Infrastruktur von Behörden, Mittelständlern und selbst Konzernen erarbeitet hat.

Dass Nextcloud mehr kann als nur Dateien zu speichern, ist bekannt. Dass die Softwareverteilung über die Plattform jedoch ein echtes Alleinstellungsmerkmal werden könnte, zeigt ein genauerer Blick auf die Architektur. Denn wer einmal versucht hat, in einer heterogenen Windows-Linux-macOS-Umgebung Updates oder neue Anwendungen auszurollen, kennt den Schmerz. Group Policies sind mächtig, aber unflexibel. MDM-Lösungen helfen, kosten aber schnell ein kleines Vermögen. Und dann wäre da noch der Faktor Datenschutz: Jede Software, die auf den Endgeräten landet, muss kontrolliert, dokumentiert und rückverfolgbar sein. Nextcloud verspricht hier Abhilfe – und zwar mit einer Methode, die überraschend einfach klingt: Der Administrator legt ein Paket bereit, der Benutzer bekommt eine Benachrichtigung und installiert es mit wenigen Klicks. Klingt banal? Ist es in der Praxis oft nicht. Aber Nextcloud hat sich in den letzten Release-Zyklen genau diesem Problem angenommen.

Um zu verstehen, warum dieser Ansatz so vielversprechend ist, lohnt ein Blick auf die typischen Pain Points der IT-Abteilung. Da ist die Patch-Tuesday-Hysterie, bei der Updates für Dutzende Anwendungen aufgespielt werden müssen. Da sind Fachabteilungen, die plötzlich ein Spezialtool benötigen, das nicht im offiziellen Softwarekatalog steht. Und da sind die Compliance-Vorgaben, die verlangen, dass jede Installation dokumentiert wird. In vielen Unternehmen wird dieses Problem mit einer Kombination aus SCCM, PowerShell-Skripten und starker manueller Arbeit gelöst. Nextcloud bietet hier einen neuen Weg, der sich in die bestehende Systemlandschaft integriert, ohne sie zu ersetzen.

Die Idee dahinter: Ein App-Store für das Unternehmen

Die Softwareverteilung in Nextcloud funktioniert im Kern wie ein privater App-Store. Der Administrator wählt aus einer Liste verfügbarer Pakete aus, konfiguriert sie und gibt sie für bestimmte Benutzergruppen oder Abteilungen frei. Die Anwender sehen dann in ihrem Nextcloud-Client – sei es auf dem Desktop oder auf mobilen Geräten – welche Updates oder neuen Anwendungen auf sie warten. Ein Klick, die Installation läuft im Hintergrund, ohne dass Administratorrechte auf dem lokalen Rechner benötigt werden. Das klingt simpel, aber die technische Umsetzung ist raffiniert.

Nextcloud nutzt dafür eine Kombination aus Docker-Containern, einer REST-API und einem speziellen Client-Modul, das auf dem Endgerät läuft. Der Administrator muss sich nicht um die Verpackung der Software kümmern – Nextcloud liefert die Pakete bereits in einem standardisierten Format. Das System unterstützt sowohl .exe und .msi für Windows als auch .dmg und .pkg für macOS, sowie .AppImage für Linux. Sogar Snap- und Flatpak-Pakete sind möglich, wenngleich in der Praxis eher selten genutzt. Der Clou: Die Pakete werden nicht einfach nur verteilt, sondern in einer zentralen Bibliothek gepflegt und versioniert. Das bedeutet, dass ein Rollback auf eine ältere Version möglich ist, falls es Probleme gibt. Natürlich nur, wenn der Administrator das vorher konfiguriert hat – ein klassisches Beispiel für das Prinzip „Vertrauen, aber kontrollieren“.

Was viele zunächst unterschätzen: Der Installationsprozess ist nicht nur auf Neuinstallationen beschränkt. Auch die Aktualisierung bereits vorhandener Software lässt sich über diesen Weg abbilden. Der Nextcloud-Client prüft in regelmäßigen Abständen, ob neue Versionen vorliegen, und schlägt dem Benutzer die Installation vor. Der Administrator kann dabei festlegen, ob die Updates automatisch oder nur mit Zustimmung des Anwenders eingespielt werden. Das ist ein entscheidender Vorteil gegenüber klassischen Gruppenrichtlinien, die oft zu rigide sind. Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Unternehmen setzt ein CAD-Programm ein, das nur von der Konstruktionsabteilung genutzt wird. Eine neue Version soll nur dann installiert werden, wenn der Anwender zustimmt, da das Update bestimmte Add-ons ungültig machen könnte. In Nextcloud stellt der Admin die neue Version bereit, markiert sie als „empfohlen“ – und der Konstrukteur entscheidet selbst, wann der richtige Zeitpunkt ist.

Die Sicherheitsfrage: Wer kontrolliert die Pakete?

Damit sind wir bei einem heiklen Punkt. Jede Softwareverteilung birgt das Risiko von Schadsoftware oder fehlerhaften Paketen. Nextcloud setzt hier auf mehrstufige Sicherheitsmechanismen. Zum einen werden alle Pakete vor der Bereitstellung einer kryptografischen Prüfung unterzogen. Die Signaturen werden direkt aus der Nextcloud-Instanz heraus validiert. Zum anderen kann der Administrator festlegen, dass nur signierte Pakete installiert werden dürfen. Das ist besonders in Umgebungen mit hohen Sicherheitsanforderungen – etwa Behörden oder Finanzdienstleister – ein entscheidendes Feature. Nextcloud selbst stellt keine Pakete her, sondern die Anwendungsentwickler. Die Plattform prüft die Pakete jedoch auf Malware und unerwünschte Funktionen, bevor sie in den offiziellen Katalog aufgenommen werden. Das ist vergleichbar mit dem Review-Prozess in den App-Stores von Apple oder Google, nur transparenter. Jedes Paket wird mit Quellcode und Build-Log ausgeliefert, sodass ein spezialisiertes Security-Team den Code prüfen kann.

In der Praxis zeigt sich jedoch, dass viele Unternehmen diesen Service nicht in Anspruch nehmen, sondern eigene Pakete bauen. Das ist erlaubt und erwünscht. Für eigene Anwendungen oder stark angepasste Software können die IT-Abteilungen selbst Signed-Packages erstellen und in die Nextcloud-Instanz einspielen. Dazu stellt Nextcloud ein SDK zur Verfügung, das die Paketsignatur und -validierung vereinfacht. Allerdings: Der Aufwand für die eigene Paketerstellung sollte nicht unterschätzt werden. Ein MSI-Paket zu bauen, das sauber installiert, Abhängigkeiten auflöst und sich per Gruppenrichtlinie verwalten lässt, ist ein eigenes Handwerk. Nextcloud vereinfacht die Verteilung, aber nicht das Packaging. Das ist ein wichtiger Punkt, den viele Entscheider übersehen. Eine erfolgreiche Softwareverteilung über Nextcloud setzt voraus, dass die Anwendungen bereits in einem verteilungsfähigen Format vorliegen. Das ist oft nicht der Fall, wenn man es mit Altanwendungen zu tun hat, die per Setup.exe auf einem USB-Stick ausgeliefert werden.

Der Betrieb: Welche Infrastruktur braucht es?

Ein weiterer Aspekt, der in der Diskussion um Nextcloud oft zu kurz kommt, ist die Server-Architektur. Die Softwareverteilung funktioniert nicht im luftleeren Raum. Sie benötigt eine leistungsfähige Nextcloud-Instanz, die sowohl als App-Store als auch als Update-Server fungiert. Die Anforderungen sind überschaubar, aber nicht trivial. Für eine mittelständische Umgebung mit 500 Benutzern und vielleicht 30 Anwendungen reicht ein virtueller Server mit vier Kernen und 16 Gigabyte Arbeitsspeicher vollkommen aus. Problematisch wird es, wenn die Pakete sehr groß sind – etwa Grafikpakete oder CAD-Tools mit mehreren Gigabyte. Dann zieht das Herunterladen auf den Client Bandbreite und Server-I/O. Nextcloud selbst unterstützt seit Version 25 eine verteilte Architektur mit mehreren Storage-Nodes. Das hilft, aber die Planung sollte diese Lasten berücksichtigen. Ein interessanter Aspekt ist der Einsatz von CDN-ähnlichen Strukturen. Nextcloud erlaubt es, dass Clients Pakete von mehreren Mirror-Servern laden können – ein Feature, das vor allem in Unternehmen mit mehreren Standorten relevant ist.

Ein Punkt, der in der Community immer wieder aufkommt: die Frage nach der Skalierung. Nextcloud selbst ist schließlich kein dediziertes Softwareverteilungssystem, sondern eine Kollaborationsplattform mit Add-ons. Kann sie wirklich mit Speziallösungen wie Matrix42 oder Baramundi mithalten? Die Antwort ist differenziert. Für Standardanwendungen – Office, Browser, PDF-Viewer, Messenger – ist die Nextcloud-Lösung völlig ausreichend. Die Bedienung ist intuitiver als die der meisten klassischen Systeme. Für spezielle Anforderungen, etwa die Installation von Treibern oder Betriebssystemupdates, fehlen jedoch die Tiefe. Nextcloud verteilt Anwendungen, nicht Betriebssysteme. Das ist ein wichtiger Unterschied. Wer sein Windows-Image zentral patchen möchte, braucht weiterhin einen WSUS oder eine SCCM-Umgebung. Aber für die Anwendungslogistik ist Nextcloud ein ernstzunehmender Kandidat.

Die Integration in den Arbeitsalltag

Was Nextcloud wirklich auszeichnet, ist die enge Verzahnung mit der Kollaborationsumgebung. Der Anwender muss nicht eine separate Konsole öffnen, um nach Updates zu suchen. Er sieht sie direkt in seinem Nextcloud-Client, der ohnehin ständig läuft. Die Benachrichtigungen erscheinen als Pop-up, ähnlich wie bei Smartphone-Apps. Die Installation startet im Hintergrund, der Benutzer kann weiterarbeiten. Nur bei Anwendungen, die einen Neustart erfordern, wird eine entsprechende Meldung eingeblendet. Das ist ein echtes Plus an Benutzerfreundlichkeit. Vergleicht man das mit dem typischen Unternehmensalltag, in dem ein Fenster aufploppt: „Ein Update für Adobe Reader ist verfügbar, wählen Sie ‚Ja‘ oder später erinnert werden“ – und der Benutzer klickt genervt auf „später“, bis ihn die IT-Abteilung per E-Mail anschreibt. In Nextcloud kann der Administrator den Update-Prozess deutlich feiner steuern. Er kann Fristen setzen, nach denen die Installation verpflichtend wird. Er kann Anwendungen deinstallieren, die nicht mehr verwendet werden sollen. Er kann sogar Lizenzen zentral tracken – zumindest in den Grundzügen. Eine vollständige Lizenzverwaltung, wie sie etwa Flexera bietet, ist Nextcloud nicht, aber für viele Unternehmen reicht der Überblick, den die Plattform bietet.

Nicht zuletzt ist der mobile Aspekt erwähnenswert. Die Nextcloud-App für iOS und Android kann ebenfalls Software verteilen – zumindest dann, wenn es sich um Mobile Apps handelt. Das Unternehmen kann eigene Apps über den Nextcloud-App-Store für Mitarbeiter bereitstellen, ohne den öffentlichen Play Store oder den Apple App Store zu durchlaufen. Das spart nicht nur Zeit, sondern stellt auch sicher, dass die Apps den unternehmenseigenen Sicherheitsrichtlinien entsprechen. Allerdings: Die Installation von Apps auf dem Smartphone erfordert in der Regel eine MDM-Lösung, die mit Nextcloud integriert ist. Hier gibt es verschiedene Anbieter, die Schnittstellen anbieten, aber die native Unterstützung ist noch ausbaufähig. In der Praxis hat sich gezeigt, dass Nextcloud besonders in Umgebungen punktet, in denen der Desktop die dominierende Plattform ist – also in Büro- und Verwaltungsumgebungen.

Open Source und Datenschutz: Ein Wettbewerbsvorteil

Ein entscheidender Faktor, der Nextcloud in den letzten Jahren so erfolgreich gemacht hat, ist das Thema Datenschutz. Während amerikanische Anbieter immer wieder mit unklaren Datenflüssen und der Anwendung des CLOUD Act kämpfen, kann Nextcloud mit einer selbstbestimmten Hosting-Architektur punkten. Die Softwareverteilung über Nextcloud bedeutet, dass die Anwendungen auf deutschen oder europäischen Servern liegen und die Installationslogs nicht in die USA oder nach China abfließen. Das ist ein starkes Argument für Unternehmen, die der DSGVO unterliegen. Dazu kommt, dass Nextcloud die Kommunikation zwischen Server und Client standardmäßig Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Das gilt auch für die Softwarepakete. Ein Angreifer, der sich Zugang zum Netzwerk verschaffen würde, könnte zwar sehen, dass ein Paket übertragen wird, aber nicht, welche Anwendung darin steckt und erst recht nicht den Inhalt.

Aber: Keine Lösung ohne Haken. Die Verschlüsselung der Pakete bremst den Installationsprozess. Bei großen Paketen dauert die Entschlüsselung auf dem Client spürbar. Moderne Prozessoren mit AES-NI helfen, aber auf älterer Hardware kann das störend sein. Nextcloud hasst das zwar nicht, aber es verlangsamt das Benutzererlebnis. Ein interessanter Aspekt ist die Frage der Schlüsselverwaltung. Wer verwaltet die Schlüssel für die Ver- und Entschlüsselung der Pakete? Nextcloud setzt auf ein modulares System: Der Administrator kann entweder die integrierte Schlüsselverwaltung nutzen oder eine eigene PKI-Infrastruktur anbinden. Das ist flexibel, aber auch komplex. Für viele Administratoren ist das ein Buch mit sieben Siegeln. Nextcloud stellt zwar umfangreiche Dokumentation zur Verfügung, aber die Einrichtung erfordert mehr als nur grundlegendes Security-Verständnis.

Die Praxis: Erfahrungen aus zwei Jahren Produktiveinsatz

Um den Artikel nicht zu theoretisch klingen zu lassen, ein kurzer Blick in die Praxis. Ein mittelständisches Unternehmen mit rund 2000 Mitarbeitern – nennen wir es technische Dienstleistung – setzt Nextcloud seit 2022 als zentrale Kollaborationsplattform ein. Die IT-Abteilung hatte zuvor mit einer selbstgestrickten Kombination aus File-Server und Dropbox Business gearbeitet. Der Wechsel zu Nextcloud brachte nicht nur bessere Dateizuammarbeit, sondern auch die Möglichkeit, die Softwareverteilung zu vereinfachen. Anfangs wurden nur drei Anwendungen über Nextcloud verteilt: der interne Messenger, ein PDF-Reader und eine Zeiterfassungssoftware. Das funktionierte so gut, dass die IT nach einem Jahr bereits 15 Anwendungen über den Nextcloud-App-Store anbot. Die eigentliche Überraschung war die Akzeptanz bei den Benutzern. Die Mitarbeiter empfanden es als angenehm, nicht mehr ständig von der Systemabteilung per E-Mail an Updates erinnert zu werden. Stattdessen erschien eine Nachricht im Client – unaufdringlich, aber sichtbar.

Die IT berichtete von einer deutlichen Reduzierung der Support-Tickets im Bereich Software. Lag der Schnitt vorher bei etwa zehn Tickets pro Woche wegen fehlender Treiber oder veralteter Versionen, sank er auf weniger als zwei pro Woche. Auch die Update-Verweigerung, ein klassisches Phänomen in jedem Unternehmen, nahm ab. Die Administratoren führten das auf die feinere Steuerbarkeit zurück: Sie konnten Anwendungen als „kritisch“ markieren, was den Anwendern signalisierte, dass das Update aus Sicherheitsgründen wichtig war. Zudem wurde die Installation automatisch im Hintergrund gestartet, wenn der Benutzer sie nicht innerhalb von drei Tagen bestätigte. Das ist eine der Stärken von Nextcloud: Es unterstützt eine abgestufte Eskalation, ohne den Anwender zu bevormunden.

Allerdings gab es auch Herausforderungen. Das Unternehmen hatte mehrere Standorte, und die Nextcloud-Instanz wurde an einem zentralen Standort betrieben. Die Mitarbeiter in den Außenstellen mit schlechter Internetanbindung klagten über lange Ladezeiten bei der Installation größerer Pakete (etwa 300 Megabyte für eine CAD-Betrachteranwendung). Nextcloud half mit dem Feature „Downloads im Voraus cache“; die Clients sollten die Pakete bei Gelegenheit schon vorher herunterladen, sodass die Installation bei Bedarf ohne Wartezeit starten konnte. In der Praxis funktionierte das allerdings nur bedingt, weil viele Clients nicht permanent online waren. Ein Workaround war, die Pakete auf lokale Fileserver in den Außenstellen zu spiegeln – eine Lösung, die Nextcloud selbst nicht nativ unterstützt, aber durch Speicher-Mounts realisiert werden kann. Das zeigte: Nextcloud ist flexibel, aber erfordert manchmal den Einfallsreichtum der Administratoren.

Wettbewerb und Alternativen: Wo Nextcloud stehen bleibt

Um das Bild zu vervollständigen: Nextcloud bewegt sich mit seiner Softwareverteilung nicht in einem leeren Raum. Da sind die großen Anbieter wie Microsoft mit Intune und Configuration Manager, die tief in die Windows-Welt integriert sind. Da sind Open-Source-Alternativen wie OCS Inventory, GLPI oder die etwas in die Jahre gekommene Lösung WPKG (Windows Package Kernel). Und dann gibt es noch die Community-Projekte wie Chocolatey, die Paketverwaltung für Windows als komfortable Kommandozeile anbieten. Was unterscheidet Nextcloud von diesen Systemen? Die Antwort ist einfach: Nextcloud ist keine reine Verteilungslösung, sondern eine Plattform. Wer bereits Nextcloud im Einsatz hat, kann die Softwareverteilung kostenneutral dazubekommen. Das Argument „Kostenneutral“ ist jedoch mit Vorsicht zu genießen. Der Betrieb einer Nextcloud-Instanz erfordert Serverkapazitäten, Administration und gegebenenfalls Lizenzen für die Enterprise-Version.

Ein Vergleich mit dem Marktführer Microsoft zeigt, wo die Stärken und Schwächen liegen. Intune ist tief in Azure integriert, ermöglicht die Verwaltung von Windows-, macOS- und iOS-Geräten und bietet umfangreiche Reporting-Funktionen. Dafür ist Intune teuer, abhängig von der Cloud und aus Datenschutzsicht für viele europäische Unternehmen schwierig. Nextcloud dagegen ist in den meisten Basisfunktionen kostenlos (in der Community Edition), kann auf eigener Infrastruktur laufen und ist DSGVO-konform. Der Preis dafür ist eine geringere Integrationstiefe. Windows-Treiber können über Nextcloud nur bedingt verteilt werden, und die Verwaltung von Gruppen ist weniger granular als in Active Directory. Nextcloud setzt auf das selbstdefinierte Gruppenmodell, das zwar mit LDAP/AD synchronisiert wird, aber nicht alle AD- Geschäftslogiken abbilden kann. Ein Beispiel: In AD kann man eine Gruppe „Alle Windows-10-Computer mit weniger als 8 GB RAM“ definieren. In Nextcloud ist das nicht ohne Weiteres möglich. Die Zielgruppensteuerung erfolgt primär über Benutzer, nicht über Geräte. Das ist ein bewusster Design-Entscheid: Nextcloud sieht den Benutzer im Mittelpunkt, nicht den PC. Das mag in modernen Unternehmen mit persönlichen Geräten (BYOD) sinnvoll sein, für klassische Windows-Umgebungen ist es ein Manko.

Die Zukunft: Was ist zu erwarten?

Nextcloud entwickelt sich ständig weiter. Die Version 29, die im Frühjahr 2024 erschien, brachte unter anderem eine überarbeitete Paketverwaltung und eine bessere Integration des Desktop-Clients in die Betriebssystembenachrichtigungen. Die Entwickler haben angekündigt, dass die Softwareverteilung in den kommenden Versionen um eine detaillierte Reporting-Option ergänzt wird. Schon jetzt können Administratoren sehen, welche Anwendungen auf welchen Geräten installiert sind. In Zukunft soll es möglich sein, auch abgewiesene Installationen zu protokollieren – also solche, bei denen der Benutzer auf „Ablehnen“ geklickt hat. Das ermöglicht eine gezieltere Kommunikation mit den Verweigerern. Ein weiteres Feature, das in der Roadmap steht, ist die automatische Installation von Updates während der Ruhezeiten des Systems – ähnlich wie Windows es für seine Updates anbietet. Das wäre ein echter Fortschritt, denn derzeit läuft die Installation nur dann, wenn der Benutzer sie auslöst oder eine Frist abläuft.

Ein interessanter Aspekt der Zukunft ist die Verknüpfung mit Technologien wie Docker und Kubernetes. Nextcloud selbst wird zunehmend als Container-Dienst angeboten. Die Softwareverteilung könnte in Zukunft so aussehen, dass nicht nur klassische Desktop-Anwendungen, sondern auch Container-Images verteilt werden. Stellen Sie sich vor, ein Administrator gibt ein neues Tool für die Datenanalyse frei. Der Benutzer klickt auf „Installieren“, und Nextcloud startet einen Docker-Container auf seinem Rechner, der die Anwendung in einer isolierten Umgebung ausführt. Das wäre ein Paradigmenwechsel, der die Abhängigkeit von Betriebssystem-Versionen dramatisch reduzieren würde. Allerdings: Das setzt voraus, dass die Endgeräte Docker unterstützen – was derzeit nicht auf allen Rechnern der Fall ist. Nextcloud arbeitet an einer Lösung, die Container auf dem Server ausführen und die Anwendung per Remote-Zugriff streamingartig zur Verfügung stellt. Das erinnert an Citrix, aber in viel schlankerer Form. Ob sich das durchsetzen wird, bleibt abzuwarten.

Fazit für den Entscheider: Wann lohnt sich Nextcloud für die Softwareverteilung?

Nach all den Details: Sollte ein Unternehmen seine Softwareverteilung auf Nextcloud umstellen? Die Antwort ist nicht pauschal, sondern hängt von der Ausgangssituation ab. Unternehmen, die bereits Nextcloud intensiv nutzen – also mehr als nur als Dateiablage –, können mit minimalem Zusatzaufwand von den Verteilungsmöglichkeiten profitieren. Die Integration in die bestehende Umgebung ist einfach, die Benutzerakzeptanz ist hoch, und die Sicherheitsanforderungen sind erfüllt. Besonders in Umgebungen, in denen Datenschutz und Souveränität eine große Rolle spielen (öffentliche Verwaltung, Forschungseinrichtungen, Gesundheitswesen), ist Nextcloud eine ernsthafte Alternative zu den etablierten Systemen.

Anders sieht es aus, wenn ein Unternehmen vor der Wahl steht, ob es seine gesamte Softwareverteilung neu aufsetzen soll. Dann sollte man genau hinschauen: Nextcloud deckt die grundlegenden Bedürfnisse ab – Zustellung, Update, Deinstallation, einfaches Reporting. Für komplexe Anforderungen, wie sie etwa in hochregulierten Branchen oder in Umgebungen mit tausenden verschiedenen Endgeräten vorkommen, ist es vielleicht noch nicht die finale Lösung. Aber der Trend zeigt klar in Richtung Integration: Nextcloud wird nicht nur mit großen Enterprise-Lösungen kompatibler, sondern entwickelt auch seine eigenen Komponenten weiter.

Ein letzter Punkt, der für Nextcloud spricht: die Community. Wer sich mit einem Problem konfrontiert sieht, findet in den Foren und auf den Entwickler-Kanälen oft schnelle Hilfe. Die Dokumentation ist in den letzten Jahren deutlich besser geworden, wenngleich sie noch nicht den Standard von Microsoft-Dokumentationen erreicht. Aber das ist vielleicht auch gut so: Die Nextcloud-Community pflegt einen pragmatischen, lösungsorientierten Stil. Man tauscht sich auf Augenhöhe aus, nicht zwischen Support-Leveln. Das ist ein kultureller Unterschied, der sich in der Qualität der Software niederschlägt.

Nextcloud für die Softwareverteilung einzusetzen bedeutet, sich nicht in proprietäre Systeme einzusperren. Es bedeutet, die Kontrolle über die Anwendungsverwaltung zu behalten – und das ist in einer Zeit, in der sich Softwarelizenzen und Betriebsmodelle schneller ändern als je zuvor, ein nicht zu unterschätzender Wert. Wer einmal erlebt hat, wie ein Administrator ein kritisches Update für die gesamte Belegschaft in fünf Minuten freigibt und die Installation ohne Supportanfragen über die Bühne geht, der wird verstehen, warum Nextcloud in diesem Bereich wächst. Es ist kein Allheilmittel, aber ein mächtiges Werkzeug im Werkzeugkasten der IT-Defender.

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