Nextcloud Zeiterfassung Die unterschätzte Lösung

Es gibt sie, diese Momente in der IT, in denen man denkt: Eigentlich müsste das doch längst Standard sein. Die Zeiterfassung gehört für viele Unternehmen dazu, aber die wenigsten haben sie wirklich im Griff. Die einen hantieren mit Excel-Tabellen, die in irgendeinem Netzwerklaufwerk vor sich hin gammeln, andere setzen auf teure, proprietäre Systeme, die nach Lizenzmodellen riechen, die niemand so richtig durchschaut. Und dann ist da Nextcloud.

Nextcloud, das ist ja zunächst einmal die Plattform für kollaboratives Arbeiten, die sich in den letzten Jahren einen Namen gemacht hat. Dateisynchronisation, Kalender, Kontakte, Videokonferenzen – das kennen viele. Aber dass sich darin auch eine vollwertige Zeiterfassung versteckt, das ist nicht jedem bewusst. Dabei ist das Thema alles andere als trivial. Es geht um die Erfassung von Arbeitszeiten, um Projektabrechnung, um Compliance – und um die Frage, wie man all das mit den Prinzipien der Datenhoheit und Open Source vereinbaren kann. Ein interessanter Aspekt ist, dass Nextcloud hier nicht einfach eine weitere App anbietet, sondern versucht, die Zeiterfassung in das gesamte Ökosystem zu integrieren. Das ist der entscheidende Unterschied zu vielen isolierten Lösungen.

Also, tauchen wir ein in die Welt der Nextcloud-Zeiterfassung. Es geht um die Apps, um ihre Funktionsweise, um die Fallstricke und um die Frage, für wen sich diese Lösung überhaupt lohnt. Und ja, es wird auch ein wenig Meinung dabei sein – schließlich soll dieser Artikel nicht wie ein Handbuch aussehen, sondern wie das, was er ist: eine Bestandsaufnahme aus der Praxis eines Beobachters, der die Entwicklung der Cloud-Technologien seit Jahren verfolgt.

Das Fundament: Nextcloud als Plattform für Zeiterfassung

Bevor wir uns in die Details der Zeiterfassung stürzen, lohnt ein Blick auf das, was Nextcloud eigentlich ist. Viele IT-Verantwortliche unterschätzen, dass Nextcloud weit mehr kann als nur Dateien zu syncen. Es ist eine modulare Plattform, die sich über sogenannte Apps erweitern lässt. Und diese Apps sind das Herzstück der Zeiterfassung. Es gibt nicht die eine Zeiterfassung in Nextcloud – es gibt mehrere Ansätze, die je nach Bedarf gewählt werden können. Das ist Fluch und Segen zugleich. Segen, weil man flexibel ist. Fluch, weil man sich erstmal durch ein Dickicht von Optionen kämpfen muss.

Die bekanntesten Apps für die Zeiterfassung sind „Time Tracker“ und „Worklog“. Aber es gibt auch spezialisierte Lösungen wie „Project Tracker“ oder „Tasks“, die Zeiterfassung als Teil eines umfassenderen Workflows anbieten. Dazu kommen Drittanbieter-Apps, die in den Nextcloud App Store integriert sind. Die Auswahl ist also da, aber sie erfordert ein gewisses Maß an Einarbeitung. Wer eine schnelle, out-of-the-box-Lösung sucht, wird vielleicht enttäuscht sein. Wer aber bereit ist, sich ein wenig mit der Konfiguration zu beschäftigen, kann eine maßgeschneiderte Umgebung aufbauen, die kaum Wünsche offen lässt.

Ein entscheidender Vorteil von Nextcloud ist die Datenhoheit. Die Zeiterfassungsdaten liegen auf dem eigenen Server – oder in einer europäischen Cloud nach DSGVO-konformen Standards. Das ist für viele Unternehmen, gerade in Deutschland mit seinem strengen Datenschutz, ein starkes Argument. Kein amerikanischer Tech-Konzern hat Zugriff auf die Arbeitszeiten der Mitarbeiter. Und weil Nextcloud auf offenen Standards basiert, können die Daten bei Bedarf jederzeit exportiert werden. Das ist mehr als nur eine nette Geste – es ist ein Grundpfeiler der digitalen Souveränität.

Nicht zuletzt spielt auch die Kostenfrage eine Rolle. Nextcloud selbst ist Open Source, die Kernfunktionen sind kostenlos. Für die Zeiterfassung-Apps fallen in der Regel keine zusätzlichen Lizenzgebühren an – sie sind Teil des Nextcloud-Ökosystems oder werden als kostenlose Erweiterungen angeboten. Das kann im Vergleich zu spezialisierten Zeiterfassungswerkzeugen, die oft pro Nutzer und Monat abgerechnet werden, eine erhebliche Ersparnis bedeuten. Allerdings muss man die Kosten für den Betrieb der Infrastruktur (Server, Speicher, Administration) natürlich einrechnen. Aber das sind Investitionen, die man ohnehin für die gesamte Nextcloud-Plattform tätigt.

Die Apps im Detail: Time Tracker, Worklog und Co.

Fangen wir mit der vermutlich am weitesten verbreiteten App an: dem „Time Tracker“. Diese App bietet eine einfache, aber effektive Benutzeroberfläche zum Erfassen von Zeiten. Man startet einen Timer, wählt ein Projekt oder eine Aufgabe aus und stoppt ihn, wenn die Arbeit abgeschlossen ist. Alternativ können Zeiten auch manuell eingegeben werden – für den Fall, dass man vergessen hat, den Timer zu starten. Die App speichert die Daten in der Nextcloud-Datenbank und stellt sie in Berichten dar. Das klingt simpel, und das ist es auch. Aber genau das ist die Stärke: Die Hürde zur Nutzung ist niedrig. Ein Administrator kann die App per Klick für alle Benutzer aktivieren, und schon kann es losgehen.

Worklog hingegen ist etwas ausgereifter. Es erlaubt nicht nur die Zeiterfassung, sondern auch die Verknüpfung mit Projekten, Kunden und Aufgaben aus der Nextcloud-eigenen Aufgabenverwaltung. Die App ist besser geeignet für Organisationen, die ein komplexeres Projektmanagement betreiben. Sie bietet beispielsweise die Möglichkeit, Zeiten nach Kostenstellen zu buchen oder Genehmigungsworkflows zu integrieren. Das klingt nach einem richtigen Zeiterfassungssystem – und das ist es auch. Aber der Preis für diese Funktionalität ist eine etwas steilere Lernkurve. Man muss die App konfigurieren, Kategorien anlegen und die Zugriffsrechte verwalten. Wer das nicht scheut, hat eine sehr leistungsfähige Lösung.

Ein interessanter Aspekt ist die Integration mit anderen Nextcloud-Apps. So können Zeiten direkt aus dem Kalender erfasst werden – ein klassischer Use Case: Man hat eine Besprechung im Kalender, und mit einem Klick wird diese Zeit als Arbeitszeit gebucht. Oder die Verknüpfung mit dem Dateimanager: Wer an einem bestimmten Dokument arbeitet, kann die Zeit direkt aus dem Kontext heraus erfassen. Diese Art von Integration ist das, was eine Plattform wie Nextcloud von isolierten Tools unterscheidet. Es entstehen Synergien, die den Arbeitsalltag erleichtern und die Akzeptanz der Nutzer erhöhen. Denn nichts ist frustrierender als eine Zeiterfassung, die man separat bedienen muss und die keinen Bezug zur eigentlichen Arbeit hat.

Ich muss aber auch eine kritische Anmerkung machen. Die Zeiterfassung in Nextcloud ist, Stand heute, nicht auf dem Niveau von spezialisierten Werkzeugen wie Toggl, Clockify oder Hubstaff. Diese Tools bieten etwa eine automatische Zeiterfassung durch Screenshots oder Aktivitätserkennung, ausgefeilte Auswertungen und Schnittstellen zu allen gängigen Buchhaltungssystemen. Nextcloud kann hier nicht mithalten. Dafür bietet es die Integration, die Datenhoheit und den Open-Source-Gedanken. Das ist eine andere Liga – und eine andere Zielgruppe. Wer ein einfaches, datenschutzkonformes System sucht, das mit der eigenen Infrastruktur verwoben ist, der ist bei Nextcloud richtig. Wer Buzzword-Features wie KI-gestützte Zeiterfassung braucht, der wird bei einem kommerziellen Anbieter besser bedient.

Die technische Seite: Datenmodell, Schnittstellen und Anpassbarkeit

Hinter den Kulissen der Zeiterfassung in Nextcloud steckt ein durchdachtes Datenmodell. Die Kernstruktur ist simpel: Zeitbuchungen („Time Entries“) werden mit Projekten, Aufgaben und Benutzern verknüpft. Jede Buchung hat ein Start- und Enddatum, eine Dauer und optional einen Kommentar. Das alles wird in der Nextcloud-Datenbank gespeichert – entweder in der eingebauten MariaDB/PostgreSQL oder in einem separaten Modul. Der Vorteil: Die Daten sind sofort durchsuchbar und exportierbar. Über die REST-API können externe Systeme auf die Daten zugreifen – etwa um sie in eine Lohnabrechnung oder ein ERP-System zu importieren. Das ist ein enormes Plus für Unternehmen, die ihre Prozesse automatisieren wollen.

Die Anpassbarkeit ist ein weiterer Trumpf von Nextcloud. Anders als bei den meisten Cloud-Diensten kann der Administrator das System nach seinen Wünschen formen. Das fängt bei der Benutzeroberfläche an – eigene Farben, Logo, Menüstruktur – und hört bei den Rechten auf: Man kann festlegen, wer welche Zeiten sehen darf, wer Zeiten freigeben muss, und ob die Zeiterfassung für bestimmte Abteilungen Pflicht ist. Für ein Mittelstandsunternehmen, das seine Zeiterfassung bestimmten Compliance-Regeln unterwerfen muss, ist das Gold wert. Im Gegensatz zu manchen kommerziellen Systemen, die nur eine Konfiguration anbieten, bekommt man hier die volle Kontrolle.

Allerdings: Mit dieser Freiheit kommt Verantwortung. Wer die Zeiterfassung in Nextcloud wirklich produktiv nutzen will, sollte sich mit der Administration auskennen. Das ist nichts für den Gelegenheitsnutzer. Es müssen Apps installiert, konfiguriert und aktualisiert werden. Die Datenbanken wachsen mit der Zeit, und es kann nötig sein, sie zu optimieren. Auch das Backup-Management ist wichtig: Stundenbuchungen sind sensible Daten, die bei Verlust zu massiven Problemen führen – sowohl abrechnungstechnisch als auch rechtlich. Nextcloud bietet gute Werkzeuge für Backup und Wiederherstellung, aber sie müssen eben eingerichtet und getestet werden. Einmal im Jahr ein Backup zu machen, reicht nicht.

Ein kleiner Tippfehler an dieser Stelle: Ich habe in der Praxis schon erlebt, dass Administratoren die Zeiterfassung einfach aktiviert haben, ohne die Rechte richtig zu setzen. Die Folge: Mitarbeiter konnten die Zeiten aller anderen sehen – ein Datenschutz-Desaster. Also: Lieber einmal mehr die Zugriffsberechtigungen prüfen, als im Nachhinein hektisch zu reagieren.

Integration in den Arbeitsalltag: Wie gut funktioniert das wirklich?

Die Frage nach der Akzeptanz ist vielleicht die wichtigste. Ein Zeiterfassungssystem – egal wie technisch ausgefeilt – ist nur so gut wie die Bereitschaft der Mitarbeiter, es zu nutzen. Bei Nextcloud ist die Hürde, wie gesagt, niedrig. Die Apps sind als „Apps“ in der Nextcloud-Oberfläche integriert, sie öffnen sich in einem neuen Tab oder Sidebar-Fenster. Das ist komfortabel, aber es setzt voraus, dass die Mitarbeiter regelmäßig Nextcloud nutzen. Wenn Nextcloud im Unternehmen nur für Dateiablage verwendet wird und die Leute selten reingehen, wird die Zeiterfassung schnell vergessen. Hier hilft die Integration in den Kalender: Die Zeiterfassung erscheint als kleiner Button bei jedem Termin. Wer seinen Kalender pflegt, erfasst quasi nebenbei die Zeiten. Das ist ein cleveres Design.

Ein anderes Szenario: Mobile Zeiterfassung. Nextcloud hat eine sehr gute mobile App für iOS und Android. Die Zeiterfassung ist dort als Funktion integriert – man kann unterwegs ein Projekt starten, pausieren und beenden. Das funktioniert flüssig, die Synchronisation ist zuverlässig. Für Außendienstmitarbeiter oder Leute, die viel unterwegs sind, ist das ein Segen. Aber auch hier: Die mobile App muss eingerichtet werden, der Benutzer muss sich anmelden. Klingt trivial, ist es aber nicht immer. In manchen Unternehmen gibt es keine firmeneigenen Geräte, sondern die Mitarbeiter nutzen private Handys mit einer MDM-Lösung. Dann kann es zu Kompatibilitätsproblemen kommen. Nextcloud selbst ist da recht offen, aber die IT-Abteilung muss den Zugriff über VPN oder OAuth regeln. Wieder eine Aufgabe für den Admin.

Was mir persönlich gut gefällt: Die Möglichkeit, Zeiten nachträglich zu korrigieren. Kein Mensch ist perfekt. Man vergisst, den Timer zu starten, oder man stoppt ihn zu früh. In Nextcloud kann man die Buchung ändern – das sollte natürlich nicht unbemerkt geschehen, daher gibt es die Option, Änderungen zu protokollieren. Ein Audit-Log ist nicht nur für die Compliance gut, sondern auch für das Vertrauen unter den Kollegen. Denn nichts nährt Misstrauen mehr als Zeiten, die nachträglich manipuliert werden, ohne dass es nachvollziehbar ist.

Vergleich mit Alternativen: Wann sich Nextcloud lohnt – und wann nicht

Es wäre unfair, Nextcloud mit einer pauschalen Empfehlung zu versehen. Jeder Anwendungsfall ist anders. Deshalb ein nüchterner Vergleich: Für ein kleines Team von fünf Leuten, die ohnehin schon Nextcloud für die Dateisynchronisation nutzen, ist die Zeiterfassung ein No-Brainer. Einfach die App aktivieren, loslegen. Null zusätzliche Kosten, minimale Administration. Für ein Unternehmen mit 200 Mitarbeitern, das eine verpflichtende minutengenaue Zeiterfassung mit Genehmigungen und Integration in die Lohnabrechnung braucht, wird es komplizierter. Nicht, weil Nextcloud das nicht könnte, sondern weil der Aufwand für Konfiguration und Administration steigt. Man muss die Workflows genau abbilden, eventuell selbst programmierte Schnittstellen bauen, und das Testing ist aufwändig. In dem Fall kann eine spezialisierte Software mit einem vorgefertigten Workflow günstiger sein – wenn man die Lizenzkosten gegen die eigenen Personalkosten rechnet.

Ein interessanter Aspekt ist der Datenschutz. Viele US-Anbieter von Zeiterfassungssystemen haben ihre Server in den USA oder in Drittweltländern mit fragwürdigen Datenschutzstandards. Wer nach DSGVO arbeiten muss, hat hier ein Problem. Nextcloud umgeht dieses Problem elegant: Die Daten bleiben in der eigenen Hand. Allerdings muss man dann auch bereit sein, die Verantwortung zu übernehmen. Ein DSGVO-konformer Server ist kein Selbstläufer. Wenn der Server gehackt wird oder die Daten durch einen Fehler verloren gehen, ist das Unternehmen selbst verantwortlich. Das Risiko muss man abwägen. Viele mittelständische Firmen entscheiden sich dennoch für den Weg, weil sie die Kontrolle schätzen. Und sie haben Recht: In einer Zeit, in der jede Software zum Datenkraken mutiert, ist ein System, das nicht ständig nach Hause telefoniert, ein seltenes Gut.

Ein weiterer Kritikpunkt: Nextcloud-Zeiterfassung ist nicht für die hochpräzise Minutenabrechnung im Industriebereich optimiert. Wenn es um Schichtmodelle, Pausenregelungen oder Zuschläge geht, ist das System schnell überfordert. Hier sind spezialisierte Lösungen für das Arbeitszeitmanagement gefragt, die oft gesetzliche Vorgaben wie das Arbeitszeitgesetz oder Tarifverträge abbilden. Nextcloud ist eher für die projektorientierte Zeiterfassung gedacht: Wie viele Stunden habe ich für Kunde X gearbeitet? Wie viel Zeit ist in Aufgabe Y geflossen? Das ist der klassische Use Case für Beratung, IT-Dienstleistung, Marketing oder Forschung. Wer also in der Industrie unterwegs ist, sollte genau prüfen, ob die Basis ausreicht.

Vor- und Nachteile auf einen journalistischen Blick

Lassen wir die Pro- und Contra-Liste nicht trocken aufzählen, sondern sie in den Fließtext einweben. Der große Vorteil ist die Integration. Man hat alle Arbeiten – Dateien, Kalender, Zeiterfassung – in einem System. Das spart Kontextwechsel und erhöht die Produktivität. Außerdem ist die Open-Source-Seele besänftigt: Code-Transparenz, keine versteckten Fallen, Community-Support. Der zweite große Vorteil ist die Datenhoheit. Gerade in Deutschland und der Schweiz wird dieses Argument immer wichtiger. Wenn die Politik den Druck auf amerikanische Anbieter erhöht, ist man mit Nextcloud auf der sicheren Seite.

Die Nachteile sind ebenso klar. Die Zeiterfassung ist nicht state-of-the-art. Die Berichtsfunktionen sind vergleichsweise rudimentär. Man kann CSV oder PDF exportieren, aber eine visuelle Dashboard-Ansicht mit agilen Metriken sucht man vergebens. Es gibt keine KI-gestützte Auswertung, keine automatische Erkennung von Mustern. Auch die Integration mit externen Systemen – etwa Slack, Teams oder Jira – ist nur über Umwege oder Zusatz-Apps möglich. Nextcloud versucht zwar, über die API offen zu sein, aber wer einen reibungslosen Connector zu Salesforce oder SAP braucht, wird enttäuscht. Hier sind die spezialisierten Anbieter einfach weiter.

Ein weiterer Aspekt: Die Benutzerfreundlichkeit. Nextcloud hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht, aber die Zeiterfassung-Apps sehen oft ein bisschen wie Fremdkörper aus. Wer eine moderne, minimalistische UI gewohnt ist, wird sich an den etwas veralteten Dialogfenstern stören. Das ist kein Beinbruch, aber es senkt die Akzeptanz bei jüngeren Mitarbeitern, die mit schicken Apps wie Notion oder ClickUp aufwachsen. Die IT-Abteilung sollte also bereit sein, die Oberfläche anzupassen oder den Mitarbeitern eine kurze Einführung zu geben. Sonst endet das Projekt im Sande, weil keiner Bock hat, ein weiteres Tool zu bedienen.

Zukunftsperspektiven: Was von Nextcloud in Sachen Zeiterfassung zu erwarten ist

Nextcloud entwickelt sich rasant. Die Versionen 26, 27 und 28 haben viele Updates gebracht – auch für die Zeiterfassung. Es gab Verbesserungen bei der Performance, der Integration mit der Kalender-App, und auch neue Apps wie „Time Tracker“ wurden grundlegend überarbeitet. Was mich optimisch stimmt: Die Community ist aktiv. Es gibt viele Forenbeiträge, Plugins und Tutorials. Der Open-Source-Gedanke lebt. Ich denke, dass die Zeiterfassung in Nextcloud in den nächsten zwei Jahren deutlich professioneller wird. Vorstellbar wäre eine Integration mit der Deckung von Auslastungs- und Kapazitätsplanung, wie man es von Asana oder Wrike kennt. Auch eine native Integration mit der Nextcloud Talk – also die Möglichkeit, per Chatbefehl Zeiten zu erfassen – wäre ein logischer Schritt.

Dabei zeigt sich, dass Nextcloud den Trend zu modularen Lösungen verstärkt. Statt einem monolithischen Zettelwirtschaft-Ersatz bekommt man einen Baukasten. Wer will, kann die Zeiterfassung mit einer Projektverwaltung kombinieren, die wiederum mit einer Budgetanzeige gekoppelt ist. Das ist eine Alternative zu den großen Anbietern, die alle Funktionen aus einer Hand versprechen, aber oft teuer und unflexibel sind. Nextcloud ist nicht das Schweizer Taschenmesser der Zeiterfassung, aber es ist ein solides Werkzeug für alle, die Wert auf Kontrolle und Integration legen.

Bleibt die Frage nach der Zukunft des Themas Zeiterfassung im konkreten Kontext der Arbeitswelt. Homeoffice, hybride Modelle, flexible Arbeitszeiten – all das verlangt nach einer Zeiterfassung, die nicht an den Standort gebunden ist. Nextcloud ist hier gut aufgestellt, weil es plattformunabhängig funktioniert. Die App läuft im Browser, auf dem Smartphone, auf dem Desktop (über die Desktop-Client-App). Das ist eine echte Stärke. Ein Entwickler kann seine Zeiten auf dem Firmenrechner erfassen, der Außendienstmitarbeiter auf dem Tablet – alles synchron. Das klingt banal, ist aber in der Praxis immer noch eine Herausforderung für viele Unternehmen, die mit heterogenen Gerätelandschaften kämpfen.

Praktische Tipps für die Einführung

Wer sich entschließt, die Nextcloud-Zeiterfassung einzuführen, sollte ein paar Dinge beachten. Erstens: Macht vorher eine Bestandsaufnahme. Welche Daten sollen erfasst werden? Welche Projekte? Braucht es Genehmigungsworkflows? Soll die Zeiterfassung für die Lohnabrechnung verwendet werden? Je klärer die Anforderungen, desto besser die Konfiguration. Zweitens: Testet die Apps mit einer kleinen Gruppe von Power-Usern. Lasst sie zwei Wochen lang die Zeiterfassung im Alltag nutzen und sammelt Feedback. So bekommt ihr realistische Einblicke in die Stärken und Schwächen. Drittens: Kommuniziert die Einführung transparent. Erklärt den Mitarbeitern, warum die Zeiterfassung eingeführt wird – und vor allem, welche Daten wie geschützt werden. Nichts sorgt für mehr Widerstand als das Gefühl der Überwachung.

Ein weiterer Tipp: Nutzt die Aggregation der Zeiten für Auswertungen. Nextcloud bietet die Möglichkeit, Berichte über Stunden pro Projekt, pro Kunde, pro Mitarbeiter zu erstellen. Das ist ein mächtiges Werkzeug für das Management. Aber Vorsicht: Auswertungen sind nur so gut wie die eingespeisten Daten. Wenn Mitarbeiter ihre Zeiten ungenau erfassen, sind die Berichte wertlos. Also ist es wichtig, die Qualität der Zeiterfassung zu fördern – etwa durch regelmäßige Erinnerungen oder durch Integration mit dem Task-Management, so dass Zeiten automatisch mit Aufgaben verknüpft werden.

Ein persönliches Fazit aus der Praxis

Ich gebe zu, ich war anfangs skeptisch. Eine Zeiterfassung als Teil einer Datei-Cloud? Das klang nach einer Spielerei. Aber nachdem ich die Systeme bei mehreren Kunden beobachten durfte, hat sich mein Bild geändert. Die Nextcloud-Zeiterfassung ist kein Allheilmittel, aber sie ist ein hervorragendes Werkzeug für Unternehmen, die bereits Nextcloud im Einsatz haben. Sie schließt die Lücke zwischen der Dateiverwaltung und der Projektabrechnung auf eine elegante Art und Weise, ohne die Daten aus der Hand zu geben. Und sie ist flexibel genug, um für ganz unterschiedliche Arbeitsabläufe angepasst zu werden.

Natürlich fehlen noch einige Annehmlichkeiten: eine bessere Suchfunktion für Zeiteinträge, eine native Zeiterfassung per Drag & Drop, KI-gestützte Analyse der Arbeitszeiten. Aber die Entwickler sind auf einem guten Weg. Die Community arbeitet an Erweiterungen, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Funktionsumfang wächst. Für den Moment gilt: Wer Wert auf Souveränität, Anpassbarkeit und Integration legt, ist mit Nextcloud gut beraten. Wer eine Komplettlösung aus einer Hand mit Glanz und Glamour sucht, wird woanders glücklicher. Das ist kein Urteil, sondern schlichtweg eine andere Philosophie.

Zum Abschluss noch eine kleine ironische Randbemerkung: Während ich diesen Artikel schreibe, läuft mein eigener Nextcloud-Zeiterfassungs-Timer im Hintergrund. Er zeigt an, dass ich bereits 92 Minuten an dieser Geschichte sitze. Ob ich die Zeit wohl später manuell korrigieren muss, weil ich zwischendurch doch noch eine Kaffeepause eingelegt habe? Vielleicht. Aber das ist der Preis der Selbstverantwortung. Und das Schöne ist: Ich kann es tun – denn die Kontrolle liegt bei mir. Genau das ist das Versprechen von Nextcloud.